CashflowCtrl

Assetklasse

P2P-Kredite

Von Aktualisiert am Renditerechnung gegen feste Referenzwerte geprüft

Von allen hier behandelten Anlageformen erzeugen P2P-Kredite den unmittelbarsten Zahlungsstrom: Geld fließt monatlich zurück. Der Preis dafür ist ein Risiko, das sich schlecht streuen und schwer beziffern lässt.

Ertrag

Monatlicher Zins und Tilgung

Kosten

Meist keine direkte Gebühr

Risiko

Ausfall- und Plattformrisiko

Liquidität

Eingeschränkt, Zweitmarkt

Abbau des beworbenen Zinssatzes: Nach Abzug von Kreditausfällen, Wiederanlageverzug und Steuern bleibt deutlich weniger übrig als die beworbene Bruttogröße.
Der beworbene Zins ist eine Bruttogröße. Erst nach Ausfällen, Wiederanlageverzug und Steuern steht die tatsächliche Rendite fest. CC BY 4.0

Was kommt rein?

Du vergibst über eine Plattform Geld an Kreditnehmer — Privatpersonen, Unternehmen oder Immobilienprojekte — und erhältst dafür Zins und Tilgung, in der Regel monatlich. Anders als bei einem thesaurierenden Fonds ist der Rückfluss also sofort sichtbar und verfügbar.

Genau diese Sichtbarkeit verführt zu einem Denkfehler: Die beworbene Zinsangabe ist eine Bruttogröße vor Ausfällen. Was am Ende ankommt, ist erst nach Abzug der nicht zurückgezahlten Kredite und nach Steuern bekannt — und liegt strukturell darunter. Wer den Nominalzins mit der Rendite gleichsetzt, rechnet sich die Anlage schön.

Ein zweiter Punkt wird häufig übersehen: Zurückfließendes Geld verzinst sich nur weiter, wenn es umgehend neu vergeben wird. Liegt es unangelegt auf dem Plattformkonto, sinkt die tatsächliche Rendite — dieser Liquiditätsverzug ist der Grund, warum viele Plattformen automatisierte Wiederanlage anbieten.

Was geht ab?

Direkte Gebühren für Anleger sind bei den meisten Plattformen unüblich — sie verdienen an der Kreditnehmerseite. Die realen Kosten stecken deshalb an anderer Stelle:

Was kann schiefgehen?

Hier liegt der Kern dieser Anlageklasse, und er ist unbequem. Es gibt keine Einlagensicherung. Drei Risiken wirken unabhängig voneinander:

Risiko Was passiert Streuung hilft?
Kreditausfall Einzelne Kreditnehmer zahlen nicht zurück; Inkasso und Verwertung dauern und bringen oft nur einen Teil. Ja — über viele kleine Beträge
Plattformrisiko Die Plattform selbst wird insolvent oder stellt den Betrieb ein. Der Zugriff auf die Forderungen hängt dann an der rechtlichen Konstruktion. Nur über mehrere Plattformen
Konjunkturrisiko In einer Rezession fallen viele Kredite gleichzeitig aus — die Ausfälle sind korreliert. Nein

Das dritte Risiko entwertet teilweise das erste: Streuung über tausend Kredite schützt gut gegen Einzelschicksale, aber schlecht gegen einen Abschwung, der alle Kreditnehmer gleichzeitig trifft. Rückkaufgarantien ändern daran wenig — sie sind nur so belastbar wie der Kreditanbahner, der sie ausspricht, und der gerät in genau derselben Lage unter Druck.

Wie schnell wieder raus?

Grundsätzlich ist dein Geld bis zum Laufzeitende gebunden. Viele Plattformen betreiben einen Zweitmarkt, auf dem sich Forderungen an andere Anleger verkaufen lassen — funktionierend allerdings nur, solange genug Käufer da sind. In angespannten Marktphasen trocknet dieser Zweitmarkt erfahrungsgemäß aus, und zwar dann, wenn du ihn brauchst.

Für Geld, das kurzfristig verfügbar sein muss, ist diese Anlageform deshalb ungeeignet.

Was der Fiskus nimmt

Zinserträge aus P2P-Krediten sind Einkünfte aus Kapitalvermögen. Weil die Plattformen überwiegend im Ausland sitzen, führen sie keine deutsche Abgeltungsteuer ab — die Erträge musst du selbst in der Anlage KAP erklären. Der Sparerpauschbetrag gilt auch hier, greift aber nur, wenn du die Erträge angibst.

Zerlegung von 1.000 Euro Kapitalertrag ohne Teilfreistellung: 250,00 € Abgeltungsteuer und 13,75 € Solidaritätszuschlag gehen ab, 736,25 € bleiben übrig.
Zinsen und Dividenden aus Einzelwerten kennen keine Teilfreistellung — von 1.000 € bleiben 736,25 €. CC BY 4.0

Ein steuerlicher Nachteil gegenüber Aktienanlagen: Ausfälle lassen sich nicht ohne Weiteres mit Zinserträgen verrechnen. Die Verlustverrechnung bei Forderungsausfällen ist gesetzlich eingeschränkt, sodass du unter Umständen Steuern auf Zinsen zahlst, während der wirtschaftliche Saldo deutlich schlechter aussieht. Das gehört in jede Vorabrechnung.

Besteuerung im Ländervergleich

Für P2P-Kredite ist der wichtigste Unterschied nicht der Steuersatz, sondern wer die Steuer abführt. Weil die Plattformen fast durchweg im Ausland sitzen, greift der bequeme Abzug durch eine inländische Depotstelle weder in Deutschland noch in Österreich — die Erträge sind in beiden Ländern selbst zu erklären.

Zweiter Punkt: Ausfälle. In Deutschland ist die Verrechnung von Forderungsausfällen mit Zinserträgen gesetzlich eingeschränkt, und die Schweizer Steuerfreiheit privater Kapitalgewinne hilft hier gerade nicht weiter — der Zins bleibt dort steuerbares Einkommen, während der ausgefallene Kredit als privater Kapitalverlust unbeachtlich ist.

Merkmal Deutschland Österreich Schweiz
Zinsen aus P2P-Krediten Einkünfte aus Kapitalvermögen, voll steuerpflichtig. Ausländische Plattformen führen keine deutsche Steuer ab — Erklärung über die Anlage KAP. Der Sparerpauschbetrag gilt nur, wenn die Erträge angegeben werden; die Verrechnung von Forderungsausfällen ist eingeschränkt. Kapitalertragsteuer; die Abzugspflicht trifft nur die inländische Depotstelle, bei ausländischen Plattformen erfolgt die Erfassung daher über die Veranlagung. Für Einkünfte aus Darlehen und nicht verbrieften Forderungen ohne zugrunde liegendes Bankgeschäft gilt der besondere Steuersatz ausdrücklich nicht (§ 27a Abs. 2 Z 1 EStG 1988) — P2P-Zinsen werden also mit dem persönlichen Tarif erfasst, nicht mit 27,5 %. Ob und wie Ausfälle in den Verlustausgleich einbezogen werden, ist zu prüfen: Tarife und Freibeträge sind je Kanton und Gemeinde verschieden und beim Wohnsitzkanton nachzuschlagen Zinsen sind steuerbares Einkommen und werden veranlagt; die offene Forderung zählt zum steuerbaren Vermögen. Die Steuerfreiheit privater Kapitalgewinne wirkt hier nicht entlastend, weil Kapitalverluste spiegelbildlich unbeachtlich sind. Kantonal verschieden: Tarife und Freibeträge sind je Kanton und Gemeinde verschieden und beim Wohnsitzkanton nachzuschlagen

Nur für Deutschland sind konkrete Sätze und Freibeträge hinterlegt und zentral gepflegt. Für Österreich und die Schweiz beschreibt die Tabelle allein die Systematik — Prozentsätze, Freibeträge und Schwellenwerte sind dort am jeweiligen nationalen Recht zu prüfen.

Weiterlesen

Die drei Systeme im Detail: Deutschland, Österreich, Schweiz.

Risikohinweis

P2P-Kredite sind eine hochriskante Anlageform ohne Einlagensicherung. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich, sowohl durch Kreditausfälle als auch durch Insolvenz der Plattform. Dieser Text ist allgemeine Information, keine Anlage- oder Steuerberatung und keine Empfehlung für eine bestimmte Plattform.

Nachrechnen

Was vom beworbenen Zins nach Ausfällen, Wiederanlageverzug, Gebühren und Steuern übrig bleibt, rechnet der P2P-Rechner durch — samt der effektiven Steuerquote, die bei hohen Ausfällen über 100 Prozent liegen kann.

Übersicht der Artikelserie zu P2P-Krediten: 13 Artikel, gegliedert in 4 Rubriken — Grundlagen (3), Steuern (1), Risiko (5), Praxis (4). Jede Rubrik beantwortet eine eigene Frage.
Der beworbene Zins steht am Anfang der Serie, die Nettorendite am Ende. CC BY 4.0

Alle Artikel zu P2P-Krediten

13 Beiträge

Grundlagen

  • Wie P2P-Kredite funktionieren Wer wem Geld leiht, wo die Plattform steht und warum der Zins so viel höher ist als beim Tagesgeld.
  • Vom Zins zur Nettorendite Vier Abzüge trennen den beworbenen Zinssatz vom Ergebnis. Welche das sind und wie groß sie ausfallen.
  • Kreditarten im P2P Konsum, Immobilienprojekt oder Geschäftskredit: Laufzeit, Sicherheit und Rückzahlungsprofil unterscheiden sich grundlegend.

Risiko

Steuern

Praxis

  • Zweitmarkt und Liquidität Vorzeitig aussteigen klingt einfacher, als es ist — besonders dann, wenn viele gleichzeitig verkaufen wollen.
  • Autoinvest-Einstellungen Die Automatik wiederholt die Entscheidung, die man einmal trifft — hundertfach. Welche Regeln das Ergebnis bestimmen.
  • Cash Drag und Liquidität Der stillste Renditekiller ist kein Ausfall, sondern Geld, das auf dem Verrechnungskonto liegt und nichts verdient.
  • Ausstieg aus P2P: Geld auszahlen lassen Aussteigen heißt hier nicht verkaufen, sondern auslaufen lassen — mit einem Rest, der erstaunlich lange bleibt.

Rechtsquellen

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 11.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Die Liste nennt die Normen hinter diesem Text, nicht den Einzelfall. Die Einordnung hängt an der konkreten Ausgestaltung und gehört im Zweifel fachlich geprüft.

Häufige Fragen

Was sind P2P-Kredite?

Bei P2P-Krediten (Peer-to-Peer) vergeben Privatanleger über eine Online-Plattform Geld an Kreditnehmer — Privatpersonen, Unternehmen oder Immobilienprojekte — und erhalten dafür Zins und Tilgung, in der Regel monatlich.

Die Bank als Zwischenstufe entfällt; die Plattform vermittelt, prüft die Bonität und wickelt die Zahlungen ab. Der Anleger trägt das Ausfallrisiko selbst.

Wie hoch ist die realistische Rendite bei P2P-Krediten?

Die von Plattformen beworbene Zinsangabe ist eine Bruttogröße vor Ausfällen. Was tatsächlich ankommt, liegt strukturell darunter — abzüglich nicht zurückgezahlter Kredite, Währungskosten und Steuern.

Ein zweiter, oft übersehener Renditeabzug ist der Wiederanlageverzug: Zurückfließendes Geld verzinst sich nur weiter, wenn es umgehend neu vergeben wird. Liegt es unangelegt auf dem Plattformkonto, sinkt die effektive Rendite.

Sind P2P-Kredite durch eine Einlagensicherung geschützt?

Nein. P2P-Kredite fallen nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung. Anders als bei Tages- oder Festgeld gibt es keine staatlich garantierte Absicherung des eingesetzten Betrags.

Ein Totalverlust ist möglich — sowohl durch Kreditausfälle als auch durch Insolvenz der Plattform selbst.

Was passiert mit meinen Krediten, wenn die Plattform insolvent wird?

Das entscheidet die Rechtskonstruktion, nicht die Größe des Anbieters. Wer Forderungen tatsächlich abgetreten bekommen hat, hält einen eigenen Anspruch gegen die Kreditnehmer — die Plattform war dann nur Vermittler und Verwalter. Wer stattdessen eine Forderung gegen die Plattform selbst hält, steht in der Insolvenztabelle.

Praktisch kommt ein zweites Problem hinzu: Selbst bei sauberer Abtretung braucht es jemanden, der die Kredite weiter einzieht. Ohne Verwalter sind auch werthaltige Forderungen schwer zu realisieren. Was in den Bedingungen dazu steht, ist die wichtigste Unterlage vor der ersten Einzahlung — nachzulesen unter Plattformrisiko.

Wie werden P2P-Erträge in Deutschland versteuert?

Zinserträge aus P2P-Krediten zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Da die meisten Plattformen im Ausland sitzen, führen sie keine deutsche Abgeltungsteuer ab — die Erträge müssen selbst in der Anlage KAP der Steuererklärung angegeben werden.

Bei den Ausfällen hat sich die Lage zuletzt verbessert: Die betragsmäßige Grenze für Verluste aus Forderungsausfällen ist mit dem Jahressteuergesetz 2024 entfallen, sie lassen sich also ohne Deckel gegen die Zinsen rechnen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Ausfall endgültig ist und sich belegen lässt — und daran scheitert es bei ausländischen Plattformen ohne Steuerbescheinigung häufiger als am Gesetz.

Muss ich auch kleine P2P-Erträge erklären?

Ja, ab dem ersten Euro. Für Kapitalerträge, die keinem inländischen Steuerabzug unterlegen haben, besteht nach § 32d Abs. 3 EStG Erklärungspflicht — unabhängig von der Höhe. Eine Bagatellgrenze gibt es nicht, und der Sparerpauschbetrag ersetzt die Erklärung nicht: Er wirkt erst in der Veranlagung, wenn die Erträge dort angegeben sind.

Das unterscheidet P2P von einem inländischen Depot, bei dem die Bank alles erledigt und viele Anleger nie eine Anlage KAP ausfüllen. Wer mit hundert Euro auf einer ausländischen Plattform anfängt, hat ab diesem Jahr eine Erklärungspflicht mehr — das gehört in die Abwägung, bevor es in die Renditerechnung geht.

Verwandte Assetklassen

Gleiches Raster, andere Zahlen