Assetklasse
P2P-Kredite
Von allen hier behandelten Anlageformen erzeugt diese den unmittelbarsten Zahlungsstrom: Geld fließt monatlich zurück. Der Preis dafür ist ein Risiko, das sich schlecht streuen und schwer beziffern lässt.
Ertrag
Monatlicher Zins und Tilgung
Kosten
Meist keine direkte Gebühr
Risiko
Ausfall- und Plattformrisiko
Liquidität
Eingeschränkt, Zweitmarkt
Was kommt rein?
Du vergibst über eine Plattform Geld an Kreditnehmer — Privatpersonen, Unternehmen oder Immobilienprojekte — und erhältst dafür Zins und Tilgung, in der Regel monatlich. Anders als bei einem thesaurierenden Fonds ist der Rückfluss also sofort sichtbar und verfügbar.
Genau diese Sichtbarkeit verführt zu einem Denkfehler: Die beworbene Zinsangabe ist eine Bruttogröße vor Ausfällen. Was am Ende ankommt, ist erst nach Abzug der nicht zurückgezahlten Kredite und nach Steuern bekannt — und liegt strukturell darunter. Wer den Nominalzins mit der Rendite gleichsetzt, rechnet sich die Anlage schön.
Ein zweiter Punkt wird häufig übersehen: Zurückfließendes Geld verzinst sich nur weiter, wenn es umgehend neu vergeben wird. Liegt es unangelegt auf dem Plattformkonto, sinkt die tatsächliche Rendite — dieser Liquiditätsverzug ist der Grund, warum viele Plattformen automatisierte Wiederanlage anbieten.
Was geht ab?
Direkte Gebühren für Anleger sind bei den meisten Plattformen unüblich — sie verdienen an der Kreditnehmerseite. Die realen Kosten stecken deshalb an anderer Stelle:
- Ausfälle: der mit Abstand größte Renditeabzug, und der einzige, der nicht auf einer Rechnung steht.
- Währungsumrechnung: bei Plattformen außerhalb des Euroraums, sowohl beim Ein- als auch beim Auszahlen.
- Zweitmarkt-Abschlag: wer vorzeitig verkaufen will, bietet Forderungen meist mit Abschlag an.
- Dein Aufwand: Steuerliche Erfassung ausländischer Erträge ist Handarbeit — siehe unten.
Was kann schiefgehen?
Hier liegt der Kern dieser Anlageklasse, und er ist unbequem. Es gibt keine Einlagensicherung. Drei Risiken wirken unabhängig voneinander:
| Risiko | Was passiert | Streuung hilft? |
|---|---|---|
| Kreditausfall | Einzelne Kreditnehmer zahlen nicht zurück; Inkasso und Verwertung dauern und bringen oft nur einen Teil. | Ja — über viele kleine Beträge |
| Plattformrisiko | Die Plattform selbst wird insolvent oder stellt den Betrieb ein. Der Zugriff auf die Forderungen hängt dann an der rechtlichen Konstruktion. | Nur über mehrere Plattformen |
| Konjunkturrisiko | In einer Rezession fallen viele Kredite gleichzeitig aus — die Ausfälle sind korreliert. | Nein |
Das dritte Risiko entwertet teilweise das erste: Streuung über tausend Kredite schützt gut gegen Einzelschicksale, aber schlecht gegen einen Abschwung, der alle Kreditnehmer gleichzeitig trifft. Rückkaufgarantien ändern daran wenig — sie sind nur so belastbar wie der Kreditanbahner, der sie ausspricht, und der gerät in genau derselben Lage unter Druck.
Wie schnell wieder raus?
Grundsätzlich ist dein Geld bis zum Laufzeitende gebunden. Viele Plattformen betreiben einen Zweitmarkt, auf dem sich Forderungen an andere Anleger verkaufen lassen — funktionierend allerdings nur, solange genug Käufer da sind. In angespannten Marktphasen trocknet dieser Zweitmarkt erfahrungsgemäß aus, und zwar dann, wenn du ihn brauchst.
Für Geld, das kurzfristig verfügbar sein muss, ist diese Anlageform deshalb ungeeignet.
Was der Fiskus nimmt
Zinserträge aus P2P-Krediten sind Einkünfte aus Kapitalvermögen. Weil die Plattformen überwiegend im Ausland sitzen, führen sie keine deutsche Abgeltungsteuer ab — die Erträge musst du selbst in der Anlage KAP erklären. Der Sparerpauschbetrag gilt auch hier, greift aber nur, wenn du die Erträge angibst.
Ein steuerlicher Nachteil gegenüber Aktienanlagen: Ausfälle lassen sich nicht ohne Weiteres mit Zinserträgen verrechnen. Die Verlustverrechnung bei Forderungsausfällen ist gesetzlich eingeschränkt, sodass du unter Umständen Steuern auf Zinsen zahlst, während der wirtschaftliche Saldo deutlich schlechter aussieht. Das gehört in jede Vorabrechnung.
P2P-Kredite sind eine hochriskante Anlageform ohne Einlagensicherung. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich, sowohl durch Kreditausfälle als auch durch Insolvenz der Plattform. Dieser Text ist allgemeine Information, keine Anlage- oder Steuerberatung und keine Empfehlung für eine bestimmte Plattform.
Plattformvergleich und ein Rechner, der Nominalzins, Ausfallquote und Wiederanlageverzug zu einer realistischen Nettorendite verrechnet.
Häufige Fragen
Was sind P2P-Kredite?
Bei P2P-Krediten (Peer-to-Peer) vergeben Privatanleger über eine Online-Plattform Geld an Kreditnehmer — Privatpersonen, Unternehmen oder Immobilienprojekte — und erhalten dafür Zins und Tilgung, in der Regel monatlich.
Die Bank als Zwischenstufe entfällt; die Plattform vermittelt, prüft die Bonität und wickelt die Zahlungen ab. Der Anleger trägt das Ausfallrisiko selbst.
Wie hoch ist die realistische Rendite bei P2P-Krediten?
Die von Plattformen beworbene Zinsangabe ist eine Bruttogröße vor Ausfällen. Was tatsächlich ankommt, liegt strukturell darunter — abzüglich nicht zurückgezahlter Kredite, Währungskosten und Steuern.
Ein zweiter, oft übersehener Renditeabzug ist der Wiederanlageverzug: Zurückfließendes Geld verzinst sich nur weiter, wenn es umgehend neu vergeben wird. Liegt es unangelegt auf dem Plattformkonto, sinkt die effektive Rendite.
Sind P2P-Kredite durch eine Einlagensicherung geschützt?
Nein. P2P-Kredite fallen nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung. Anders als bei Tages- oder Festgeld gibt es keine staatlich garantierte Absicherung des eingesetzten Betrags.
Ein Totalverlust ist möglich — sowohl durch Kreditausfälle als auch durch Insolvenz der Plattform selbst.
Schützt Streuung über viele Kredite vor Verlusten?
Nur teilweise. Streuung über viele kleine Beträge schützt gut gegen den Ausfall einzelner Kreditnehmer.
Gegen einen konjunkturellen Abschwung hilft sie kaum, weil Ausfälle dann korreliert auftreten: Viele Kreditnehmer geraten gleichzeitig in Zahlungsschwierigkeiten. Auch Rückkaufgarantien greifen in dieser Lage schlechter, da der garantierende Kreditanbahner unter denselben Druck gerät.
Wie werden P2P-Erträge in Deutschland versteuert?
Zinserträge aus P2P-Krediten zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Da die meisten Plattformen im Ausland sitzen, führen sie keine deutsche Abgeltungsteuer ab — die Erträge müssen selbst in der Anlage KAP der Steuererklärung angegeben werden.
Zu beachten ist die eingeschränkte Verlustverrechnung bei Forderungsausfällen: Ausfälle lassen sich nicht ohne Weiteres mit Zinserträgen verrechnen. Es kann also Steuer auf Zinsen anfallen, während der wirtschaftliche Saldo schlechter ausfällt.
Komme ich vorzeitig an mein Geld?
Grundsätzlich ist das Kapital bis zum Laufzeitende gebunden. Viele Plattformen betreiben einen Zweitmarkt, auf dem Forderungen an andere Anleger verkauft werden können, meist mit Abschlag.
Verlässlich ist das nicht: In angespannten Marktphasen trocknet der Zweitmarkt erfahrungsgemäß aus — also genau dann, wenn viele gleichzeitig verkaufen wollen. Für kurzfristig benötigtes Geld ist diese Anlageform ungeeignet.
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