P2P-Kredite
Streuung in P2P-Portfolios
Von Philipp Busch Aktualisiert am
Tausend Kredite klingen nach maximaler Streuung. Ob die P2P-Diversifikation trägt, entscheidet sich aber nicht auf der Ebene der Kredite — sondern auf den beiden darüber.
Warum Streuung überhaupt wirkt — und wann nicht
Streuung beruht auf einer einzigen Annahme: dass die Einzelrisiken unabhängig voneinander eintreten. Fällt ein Kreditnehmer aus, weil er seinen Arbeitsplatz verloren hat, sagt das nichts über die neunhundert anderen. Genau deshalb glättet eine große Zahl von Positionen das Ergebnis.
Die Annahme bricht, sobald ein gemeinsamer Auslöser existiert. Eine Rezession trifft viele Kreditnehmer gleichzeitig; die Zahlungsunfähigkeit eines Anbahners trifft alle seine Kredite auf einen Schlag; die Insolvenz einer Plattform betrifft das gesamte dort gehaltene Portfolio. In diesen Fällen nützt die Zahl der Positionen nichts — sie waren nie unabhängig.
| Ebene | Was schiefgehen kann | Wogegen Streuung hilft |
|---|---|---|
| Kredit | einzelner Kreditnehmer zahlt nicht | viele kleine, gleich große Positionen |
| Anbahner | Rückkaufversprechen wird nicht bedient | mehrere Anbahner — nicht mehr Kredite |
| Plattform | Betreiber wird zahlungsunfähig | nur mehrere Plattformen |
Die mittlere Zeile ist die, die am häufigsten übersehen wird. Wer tausend Kredite mit Rückkaufgarantie desselben Anbahners hält, hat wirtschaftlich eine einzige Gegenpartei — die Systematik dazu steht unter Ausfallquote und Rückkaufgarantie.
Wie viele Positionen es auf der Kreditebene braucht
Auf der untersten Ebene funktioniert Streuung, und dort lässt sich die nötige Größenordnung abschätzen. Entscheidend ist, dass ein einzelner Ausfall im Rauschen verschwindet statt das Jahresergebnis zu bestimmen.
| Positionen | Anteil je Kredit | Wirkung eines Totalausfalls |
|---|---|---|
| 20 | 5,0 % | frisst die Jahresrendite mehrfach |
| 100 | 1,0 % | etwa ein Zehntel der Jahresrendite |
| 500 | 0,2 % | im Rauschen |
Bei einem Mindestbetrag von zehn Euro je Kredit bedeuten fünfhundert Positionen 5.000 Euro Anlagesumme. Wer weniger anlegt, kann auf dieser Ebene nicht ausreichend streuen — und sollte das als Argument gegen die Anlageklasse verstehen, nicht als Grund, größere Einzelbeträge zu wählen.
Gleichgewichtung schlägt Anzahl
Die Zahl allein täuscht, wenn die Beträge stark auseinanderlaufen. Ein Portfolio aus zweihundert Krediten, bei dem fünf Projektpositionen die Hälfte des Kapitals binden, verhält sich wie eines aus sechs Positionen — alles Weitere ist Dekoration.
Automatische Anlagefunktionen erzeugen dieses Muster ungewollt, wenn sie nach Verfügbarkeit statt nach Betrag investieren. Wie sich das einstellen lässt, steht unter Autoinvest-Einstellungen.
Die Grenze, die außerhalb liegt
Alle drei Ebenen betreffen die Streuung innerhalb der Anlageklasse. Sie ersetzen nicht die Frage, welchen Anteil P2P am Gesamtvermögen haben soll — und diese Frage ist die wichtigere, weil sie gegen das einzige Risiko wirkt, das die anderen Ebenen nicht abdecken: dass die Anlageklasse als Ganzes enttäuscht.
Ein tragfähiger Maßstab ist derselbe wie bei anderen risikoreichen Beimischungen: Was passiert mit dem übrigen Plan, wenn diese Position vollständig ausfällt? Bleibt die Antwort „nichts Wesentliches", ist die Quote vertretbar. Verändert sie den Plan, ist sie zu groß — unabhängig davon, wie gut innerhalb der Klasse gestreut wurde.
Das ist auch der Grund, warum sich der Aufwand mit jeder zusätzlichen Plattform schlechter rechnet: Auswahl, Überwachung, Exporte für die Steuererklärung und die Nachverfolgung notleidender Kredite fallen je Anbieter erneut an — bei einer Quote, die ohnehin klein sein sollte.
Was Streuung nicht leisten kann
Es gibt eine Grenze, an der jede Streuung endet, und sie wird in Marktphasen sichtbar, in denen alles gleichzeitig fällt. Kreditausfälle sind konjunkturabhängig: Sie treten nicht zufällig über die Jahre verteilt auf, sondern gehäuft in denselben Quartalen.
Ein Portfolio aus fünfhundert Krediten verhält sich in ruhigen Jahren wie fünfhundert unabhängige Positionen und in einem Abschwung wie eine einzige Wette auf die Konjunktur der betroffenen Länder — und wo diese Länder nicht in Euro rechnen, kommt das Währungsrisiko oben drauf. Genau in diesem Moment werden auch Rückkaufgarantien beansprucht — und genau dann geraten Anbahner in Schwierigkeiten.
Deshalb hilft gegen diese letzte Ebene nur eines: Streuung über Anlageklassen. Ein P2P-Portfolio, das gleichzeitig mit Aktien und Immobilien unter Druck gerät, ist kein Gegengewicht, sondern ein Verstärker. Was tatsächlich gegenläufig wirkt, sind Einlagen und Staatsanleihen guter Bonität — siehe Staats- oder Unternehmensanleihen.
Praktisch heißt das: Die Frage nach der richtigen Zahl der Kredite ist erst die zweite. Die erste lautet, wie viel Prozent des Gesamtvermögens diese Anlageklasse überhaupt tragen soll — und diese Zahl gehört festgelegt, bevor die erste Einzahlung fließt.
Nützlich ist dabei eine Umkehrprobe, die ohne jede Prognose auskommt: Man streicht den gesamten P2P-Anteil aus der eigenen Vermögensübersicht und sieht nach, was sich ändert. Bleibt der Plan tragfähig, ist die Quote in Ordnung. Verschiebt sich das Ziel um Jahre, war die Position zu groß — unabhängig davon, wie viele Kredite darin steckten und wie gut die Plattform beaufsichtigt ist.
Diese Probe hat einen weiteren Vorteil: Sie lässt sich jährlich wiederholen und erfasst dabei die Verschiebung, die von selbst entsteht. Wächst der P2P-Anteil, weil er gut lief, wächst mit ihm ein Risiko, über das nie neu entschieden wurde — dieselbe Drift wie bei jeder anderen Zielquote im Depot — nur ohne die Möglichkeit, sie schnell wieder zurückzuholen.
Was auf der Plattform-Ebene wirklich passiert, steht unter Plattformrisiko. Die Unterschiede zwischen den Kreditarten erklärt Kreditarten im P2P.
Die Zahlenbeispiele sind Rechenbeispiele zur Veranschaulichung der Größenordnungen, keine Empfehlung für eine bestimmte Positionszahl oder Quote. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.
Häufige Fragen
Wie viele Kredite braucht ein gestreutes P2P-Portfolio?
Als Größenordnung gelten mehrere hundert Positionen, damit einzelne Ausfälle statistisch werden. Bei einem Mindestbetrag von zehn Euro je Kredit heißt das einige tausend Euro Anlagesumme.
Wichtiger als die Zahl ist die Gleichgewichtung: Zwanzig Positionen, von denen drei die Hälfte ausmachen, sind nicht gestreut.
Streut ein Auto-Invest tatsächlich, oder nur scheinbar?
Das hängt an den eingestellten Filtern, und die meisten Voreinstellungen streuen weniger, als die Zahl der Positionen vermuten lässt. Wer nach hoher Verzinsung filtert, bekommt systematisch Kredite derselben Risikoklasse, häufig desselben Anbahners und derselben Region — tausend Positionen, ein Risiko.
Die Zahl der Kredite ist deshalb das schwächste Maß für Streuung. Aussagekräftiger sind drei andere: der Anteil je Anbahner, der Anteil je Land und der Anteil der höchsten Risikoklasse am Gesamtbestand. Diese drei Werte weist kaum eine Plattform von selbst aus — sie lassen sich nur aus dem eigenen Portfolioexport rechnen.
Wie viele Plattformen sind sinnvoll?
Zwei bis vier sind ein üblicher Kompromiss. Jede weitere erhöht den Aufwand für Auswahl, Überwachung und Steuererklärung erheblich, ohne den Effekt entsprechend zu steigern.
Entscheidend ist, dass keine Plattform einen Anteil trägt, dessen Totalausfall den übrigen Plan verändert.
Zählt geografische Streuung?
Ja, aber weniger als erwartet. Viele Plattformen vermitteln Kredite aus wenigen Ländern, und deren Konjunktur- und Rechtsentwicklung hängt oft zusammen.
Wichtiger ist die Streuung über Anbahner: Sie ist die Ebene, auf der Rückkaufgarantien stehen oder fallen.
Was ist der häufigste Streuungsfehler?
Die Zahl der Kredite mit Sicherheit zu verwechseln. Ein Portfolio aus tausend Krediten desselben Anbahners mit derselben Rückkaufgarantie hat wirtschaftlich eine einzige Gegenpartei.
Der zweite Fehler ist, die eigene P2P-Quote am Gesamtvermögen nicht zu begrenzen — Streuung innerhalb der Anlageklasse ersetzt keine Streuung über Anlageklassen.
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