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P2P-Kredite

Vom Zins zur Nettorendite

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Zwölf Prozent stehen im Angebot. Was am Ende ankommt, ist eine andere Zahl — und der Abstand zur Nettorendite ist größer, als die meisten Rechnungen zeigen.

Der beworbene Zins ist eine Bruttogröße

Ein Zinssatz beschreibt, was ein Kredit abwirft, wenn er vollständig bedient wird. Er sagt nichts darüber, wie viele Kredite das tun. Genau deshalb ist er als Vergleichsgröße zu anderen Anlagen unbrauchbar: Ein Tagesgeldzins von drei Prozent ist eine Zusage, ein P2P-Zins von zwölf Prozent eine Erwartung.

Zwischen beiden Zahlen liegen vier Abzüge. Sie wirken nacheinander, und keiner davon ist optional.

Aufbau der P2P-Nettorendite: Vom beworbenen Bruttozins gehen Ausfälle und Kosten sowie die Steuer ab; erst danach steht fest, was tatsächlich ankommt.
Der beworbene Zins ist eine Größe vor Ausfällen — die Nettorendite steht erst am Ende fest. CC BY 4.0

Erster Abzug: Kreditausfälle

Der größte Posten. Ausgefallenes Kapital ist doppelt verloren — der Betrag selbst und die Zinsen, die er künftig gebracht hätte. Was über Inkasso oder Rückkauf zurückkommt, mindert den Schaden, aber verzögert: Zwischen Ausfall und Rückfluss liegen typischerweise viele Monate, in denen das Geld nichts erwirtschaftet.

Drei Größen bestimmen diesen Abzug: die Ausfallquote, die Verwertungsquote und die Dauer bis zum Rückfluss. Wer nur die erste kennt, kann den Effekt nicht abschätzen.

Zweiter Abzug: der Wiederanlageverzug

P2P-Kredite zahlen monatlich Zins und Tilgung. Dieses Geld verzinst sich nur weiter, wenn es umgehend in neue Kredite fließt. Liegt es auf dem Plattformkonto, arbeitet es nicht.

Der Effekt heißt Cash Drag und ist der stillste der vier Abzüge: Er steht auf keiner Abrechnung, taucht in keiner Renditeangabe auf und wirkt trotzdem jeden Monat. Automatische Wiederanlage verkürzt den Verzug, beseitigt ihn aber nicht — vor allem dann nicht, wenn passende Kredite fehlen.

Dritter Abzug: Gebühren und Währung

Direkte Anlegergebühren sind bei den meisten Plattformen unüblich, sie verdienen an der Kreditnehmerseite. Wo es sie gibt, greifen sie auf die Zinserträge zu. Hinzu kommt bei Plattformen außerhalb des Euroraums die Umrechnung — und zwar in beide Richtungen, beim Einzahlen wie beim Abziehen.

Vierter Abzug: die Steuer auf Bruttozinsen

Der unbequemste Punkt, und der am seltensten eingerechnete. Zinserträge sind in voller Höhe steuerpflichtig. Ob der Ausfall einer Forderung dagegenhält, entschied bis 2024 eine Betragsgrenze: § 20 Abs. 6 Satz 6 EStG ließ solche Verluste nur bis 20.000 Euro im Jahr zu. Diese Grenze ist mit dem Jahressteuergesetz 2024 vom 2. Dezember 2024 aufgehoben, und zwar für alle offenen Fälle.

Damit ist die Schieflage kleiner geworden, aber nicht verschwunden — sie hat nur den Ort gewechselt. Nicht mehr das Gesetz begrenzt die Verrechnung, sondern der Nachweis: Verrechenbar ist ein Ausfall erst, wenn er endgültig ist und sich belegen lässt. Bei einer ausländischen Plattform, die keine deutsche Steuerbescheinigung ausstellt und einen Kredit jahrelang als „in Verwertung" führt, ist genau das die Hürde. Wer sie nicht nimmt, versteuert weiterhin die Bruttozinsen — mit dem bekannten Ergebnis, dass eine vor Steuern rentable Anlage nach Steuern im Minus enden kann.

Nachrechnen

Der P2P-Rechner bildet alle vier Abzüge einzeln ab und weist die effektive Steuerquote gesondert aus. Der Schalter zur Verlustverrechnung zeigt, wie groß der steuerliche Unterschied wäre.

Ein Zwischeneffekt, der täuscht

Bei kleinen Anlagesummen bleibt die steuerliche Schieflage unsichtbar, weil der Sparerpauschbetrag die Zinserträge weitgehend abdeckt. Wer mit wenigen tausend Euro startet und die Anlage später aufstockt, erlebt den Effekt erst dann — und rechnet ihn deshalb oft nicht ein.

Wer eine größere Position plant, sollte die Rechnung deshalb gleich mit dem Zielbetrag aufmachen, nicht mit dem Einstiegsbetrag.

Vom beworbenen Zins zum tatsächlichen Ergebnis

Die vier Abzüge wirken nacheinander, und jeder greift auf das Ergebnis des vorherigen zu. Deshalb lässt sich die Nettorendite nicht durch einfaches Subtrahieren schätzen — man muss die Reihenfolge einhalten.

Schritt Wirkung Bleibt
Beworbener Zins — 11,0 %
Ausfälle (6 % des Bestands) −6,0 Punkte 5,0 %
Verwertung holt ein Drittel zurück +2,0 Punkte 7,0 %
Wiederanlageverzug −0,5 Punkte 6,5 %
Steuer auf den Bruttozins −2,9 Punkte 3,6 %

Aus elf Prozent werden 3,6 — und der größte einzelne Abzug ist nicht der Ausfall, sondern die Steuer. Sie bemisst sich am Bruttozins von elf Prozent, nicht am verbliebenen Ergebnis: 11 × 26,375 Prozent sind 2,9 Punkte, unabhängig davon, wie viel Kapital unterwegs verloren ging.

Genau deshalb ist die Reihenfolge wichtig. Wer die Steuer auf die Nettogröße rechnet, kommt auf etwa 4,8 Prozent und überschätzt das Ergebnis um mehr als einen Punkt. Warum das so ist, steht unter Steuern auf P2P-Erträge. Mit eigenen Annahmen rechnet der P2P-Nettorendite-Rechner.

Zwei Annahmen in dieser Rechnung verdienen besondere Vorsicht. Die Verwertungsquote ist eine Schätzung über einen Prozess, der Jahre dauert und dessen Ergebnis erst am Ende feststeht — Plattformen weisen sie naturgemäß optimistisch aus. Und der Wiederanlageverzug wirkt in wachsenden Portfolios kaum, in schrumpfenden dagegen erheblich, weil zurückfließendes Kapital dann keine neuen Kredite mehr findet.

Wer die eigene Nettorendite ehrlich schätzen will, rechnet deshalb besser mit einer Spanne als mit einer Zahl — und prüft, ob das Ergebnis auch am unteren Rand noch trägt. Wer nur mit dem besten Fall rechnet, hat die Anlageklasse nicht bewertet, sondern sich für sie entschieden und die Rechnung nachgereicht.

Risikohinweis

Jede Modellrechnung unterstellt eine gleichmäßige Ausfallquote. Real treten Ausfälle im Abschwung gehäuft gleichzeitig auf, wodurch ein einzelnes Jahr weit schlechter ausfallen kann als der Durchschnitt. Für die steuerliche Behandlung in deinem Fall ist steuerlicher Rat einzuholen; dies ist keine Anlage- oder Steuerberatung.

Rechtsquellen

  • § 20 EStG Einkünfte aus Kapitalvermögen; Absatz 9 regelt den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro je Person Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 04.09.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Nominalzins und Nettorendite bei P2P?

Der Nominalzins ist der vereinbarte Zinssatz eines Kredits — eine Bruttogröße, die unterstellt, dass jeder Kredit vollständig zurückgezahlt wird.

Die Nettorendite ist das, was nach Kreditausfällen, Wiederanlageverzug, Gebühren und Steuern tatsächlich übrig bleibt. Nur sie lässt sich mit anderen Anlageformen vergleichen.

Wie stark mindern Ausfälle die Rendite?

Der Effekt ist annähernd linear zur Ausfallquote, weil ausgefallenes Kapital nicht nur verloren ist, sondern auch keine Zinsen mehr erwirtschaftet.

Verwertung oder Rückkauf mildern das ab, aber verzögert und selten vollständig. Wie viel bleibt, hängt an drei Größen: Ausfallquote, Verwertungsquote und Dauer bis zum Rückfluss.

Was ist Cash Drag beim P2P-Investieren?

Cash Drag ist der Renditeverlust durch Kapital, das unverzinst auf dem Plattformkonto liegt. Bei P2P entsteht er laufend, weil Zins und Tilgung monatlich zurückfließen und erst wieder vergeben werden müssen.

Über Jahre summiert sich das spürbar. In Renditeangaben der Plattformen taucht dieser Effekt nicht auf, weil er nicht die Kredite betrifft, sondern die Zeit dazwischen.

Wann gilt ein ausgefallener Kredit steuerlich als verloren?

Wenn der Ausfall endgültig feststeht — und das ist bei P2P die eigentliche Schwierigkeit. Die betragsmäßige Grenze für Verluste aus Forderungsausfällen ist mit dem Jahressteuergesetz 2024 entfallen, die Verrechnung mit den Zinsen ist also der Höhe nach nicht mehr beschränkt.

Geblieben ist die Nachweisfrage. Ein Kredit, den die Plattform seit zwei Jahren als „in Verwertung" führt, ist wirtschaftlich verloren und steuerlich noch nicht. Wer die Verrechnung geltend machen will, braucht eine Unterlage, die den endgültigen Ausfall belegt — bei ausländischen Plattformen ohne deutsche Steuerbescheinigung ist genau das der Punkt, an dem die Rechnung praktisch scheitert.

Wie rechne ich zwei Plattformen fair gegeneinander?

Indem du beide auf dieselbe Nettogröße bringst. Ein höherer Nominalzins bei höherer Ausfallquote kann schlechter abschneiden als ein niedrigerer Zins bei stabilen Krediten.

Wichtig ist außerdem, für beide gleich vorsichtig zu rechnen — insbesondere bei der Verwertungsquote. Wer bei der einen Plattform mit Rückkaufgarantie 100 Prozent ansetzt und bei der anderen 40, vergleicht Annahmen statt Plattformen.