Assetklasse
Zinsen & Anleihen
Von Philipp Busch Aktualisiert am Rechtsstand aus Primärquellen, Marktdaten aus belegten Reihen
Zinsen sind die planbarste Form von Cashflow: Höhe und Zeitpunkt stehen im Voraus fest, und bis 100.000 Euro je Kunde und Institut sind Einlagen gesetzlich gesichert. Der Preis dieser Planbarkeit ist, dass die Inflation still am Ertrag zehrt — und zwar auch dann, wenn das Konto im Plus steht.
Ertrag
Zins oder Kupon, fest terminiert
Kosten
Meist keine, bei Anleihen Ordergebühr
Risiko
Inflation, Ausfall, Zinsänderung
Liquidität
Täglich bis laufzeitgebunden
Was kommt rein?
Bei Tages- und Festgeld überlässt du einer Bank Geld und erhältst dafür Zinsen. Bei einer Anleihe leihst du einem Staat oder Unternehmen Kapital und bekommst einen festen Kupon sowie am Laufzeitende den Nennwert zurück. In beiden Fällen ist der Zahlungsstrom im Voraus bekannt — das unterscheidet diese Klasse von allen anderen auf dieser Seite.
| Form | Verfügbarkeit | Zinssatz | Kursrisiko |
|---|---|---|---|
| Tagesgeld | Täglich | Variabel | Keines |
| Festgeld | Erst zum Laufzeitende | Fest | Keines |
| Anleihe | Börslich handelbar | Fester Kupon | Ja, bei Verkauf vor Fälligkeit |
Die entscheidende Größe ist nicht der ausgewiesene Nominalzins, sondern der Realzins — Nominalzins minus Inflationsrate. Liegt die Inflation darüber, verliert das Guthaben Kaufkraft, obwohl der Kontostand steigt. Das ist der Grund, warum „sicher“ und „werterhaltend“ nicht dasselbe sind.
Der Realzins im Moment
Als Anhaltspunkt, was am Markt ohne Ausfallrisiko zu holen ist — und was die Inflation davon nimmt:
+3,15 %
Rendite 10-jähriger Bundeswertpapiere
+2,00 %
Inflationsrate Deutschland (HVPI)
+1,15 %
Realzins — der Rest nach Kaufkraftverlust
Quelle: Deutsche Bundesbank und Eurostat · Stand 29.07.2026 · Inflation: Stand Dezember 2025. Werte werden beim Seitenaufbau abgerufen.
Diese Gegenüberstellung ist der ehrlichste Blick auf verzinste Anlagen: Der Nominalzins ist das Versprechen, der Realzins das Ergebnis. Und weil auf den Zinsertrag noch Abgeltungsteuer anfällt, liegt das tatsächliche Ergebnis nochmals darunter.
Was geht ab?
Tages- und Festgeld sind in der Regel gebührenfrei; die Bank verdient an der Zinsmarge. Bei Anleihen fallen Ordergebühren und Spread an, bei Anleihe-ETFs zusätzlich eine laufende Kostenquote.
Der eigentliche Abzug ist unsichtbar und heißt Inflation. Bei Lockangeboten kommt ein zweiter hinzu: Aktionszinsen gelten oft nur wenige Monate und nur für Neukunden. Wer nicht rechtzeitig wechselt, landet auf einem deutlich niedrigeren Standardsatz — der Aufwand des Wechselns ist ein realer, wenn auch unbezifferter Kostenblock.
Was kann schiefgehen?
- Inflationsrisiko: das schleichende und wahrscheinlichste Risiko dieser Anlageklasse. Es trifft sicher verzinste Anlagen am härtesten, weil der Ertrag nicht mitwachsen kann.
- Ausfallrisiko: Bank oder Emittent zahlt nicht zurück. Bei Bankeinlagen greift die gesetzliche Einlagensicherung bis zu einer festgelegten Grenze je Kunde und Institut — bei Anleihen gibt es keine solche Absicherung.
- Zinsänderungsrisiko: Steigt das Zinsniveau, fallen die Kurse bereits laufender Anleihen. Wer bis zur Fälligkeit hält, ist davon nicht betroffen.
- Währungsrisiko: bei Anlagen außerhalb des Euroraums — ein höherer Zins kann durch Wechselkursverluste mehr als aufgezehrt werden.
Bei Angeboten mit auffällig hohem Zins lohnt der Blick, welche Einlagensicherung greift und in welchem Land sie beheimatet ist. Ein Zinsaufschlag ist keine Freundlichkeit, sondern der Preis für ein Risiko, das jemand bewertet hat.
Wie schnell wieder raus?
Tagesgeld ist arbeitstäglich verfügbar. Festgeld ist bis zum Laufzeitende gebunden; eine vorzeitige Auflösung ist je nach Bedingungen gar nicht oder nur mit Zinsverlust möglich. Anleihen lassen sich börslich verkaufen, dann allerdings zum aktuellen Kurs — mit dem oben beschriebenen Kursrisiko.
Für Rücklagen, die jederzeit verfügbar sein müssen, ist Tagesgeld die passende Form. Eine Zinstreppe aus mehreren Festgeldern mit gestaffelten Laufzeiten ist der übliche Kompromiss zwischen Ertrag und Verfügbarkeit.
Was der Fiskus nimmt
Zinsen sind Einkünfte aus Kapitalvermögen und werden voll besteuert. Eine Teilfreistellung wie bei Fonds gibt es nicht, der Sparerpauschbetrag gilt aber auch hier.
Bei inländischen Banken wird die Steuer automatisch einbehalten. Zinsen von ausländischen Instituten musst du selbst in der Anlage KAP erklären — ein Punkt, der bei attraktiv verzinsten Auslandsangeboten regelmäßig übersehen wird.
Was vom Zinsertrag nach Steuern übrig bleibt: zum Steuerrechner.
Steht die Rechnung und fehlt das Konto, führen zwei Seiten weiter — beide mit Werbung gekennzeichnet und beide nach einer selbst gerechneten Kennzahl sortiert: der Tagesgeldvergleich nach dem Zins nach Ablauf der Aktion, der Festgeldvergleich nach dem Ertrag über die Laufzeit, die du wählst.
Besteuerung im Ländervergleich
Zinsen sind der klarste Fall im Vergleich: Sie fließen laufend und werden in allen drei Ländern erfasst — nur auf verschiedenen Wegen. Deutschland und Österreich lassen die inländische Bank abziehen und behandeln den Zins mit einem eigenen Satz, die Schweiz rechnet ihn dem übrigen Einkommen zu und veranlagt ihn mit dem persönlichen Tarif.
Der wichtigste Unterschied für diese Assetklasse ist die Schweizer Verrechnungssteuer: Sie wird auf inländische Zinsen einbehalten, ist aber keine endgültige Belastung — wer Ertrag und Guthaben deklariert, holt sie über die Steuererklärung zurück. Wer nicht deklariert, verliert sie.
| Merkmal | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Zinserträge | Voll steuerpflichtig, keine Teilfreistellung. Abgeltungsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer, Einbehalt durch die inländische Bank; der Sparerpauschbetrag gilt auch hier. Zinsen von ausländischen Instituten sind selbst zu erklären. | Kapitalertragsteuer mit Abgeltungswirkung, Abzugspflicht der inländischen Depotstelle; für Zinsen aus Bankguthaben gilt ein Satz von 25 %, für Wertpapiererträge einer von 27,5 % (§ 27a Abs. 1 EStG 1988). Bei ausländischer Stelle Erklärung über die Veranlagung. Höhe: Tarife und Freibeträge sind je Kanton und Gemeinde verschieden und beim Wohnsitzkanton nachzuschlagen | Zinsen sind steuerbares Einkommen und werden mit dem übrigen Einkommen veranlagt. Auf Zinsen aus schweizerischer Quelle wird die Verrechnungssteuer einbehalten und bei Deklaration zurückgefordert. Das Guthaben zählt zum steuerbaren Vermögen. Kantonal verschieden: Tarife und Freibeträge sind je Kanton und Gemeinde verschieden und beim Wohnsitzkanton nachzuschlagen |
Nur für Deutschland sind konkrete Sätze und Freibeträge hinterlegt und zentral gepflegt. Für Österreich und die Schweiz beschreibt die Tabelle allein die Systematik — Prozentsätze, Freibeträge und Schwellenwerte sind dort am jeweiligen nationalen Recht zu prüfen.
Die drei Systeme im Detail: Deutschland, Österreich, Schweiz.
Auch verzinste Anlagen sind nicht risikofrei: Kaufkraftverlust durch Inflation, Ausfall des Emittenten und Kursverluste bei vorzeitigem Verkauf sind möglich. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.
Was nach Steuern und Inflation vom Zins übrig bleibt — und wie stark ein Anleihekurs auf eine Zinsänderung reagiert, rechnet der Zinsrechner in beiden Teilen durch.
Die drei Formen nebeneinander
Tagesgeld, Festgeld und Anleihe lösen dieselbe Aufgabe auf drei Wegen. Der Unterschied liegt nicht im Ertrag, sondern darin, welches Risiko jeweils übrig bleibt.
| Merkmal | Tagesgeld | Festgeld | Anleihe |
|---|---|---|---|
| Verfügbarkeit | täglich | zum Laufzeitende | börsentäglich, zum Kurs |
| Zinsbindung | keine, variabel | fest bis Laufzeitende | Kupon fest |
| Kursrisiko | keines | keines | bei Verkauf vor Fälligkeit |
| Ausfallrisiko | Bank, gesichert bis 100.000 € | Bank, gesichert bis 100.000 € | Emittent, nicht gesichert |
| Besteuerung | Abgeltungsteuer bei Zufluss, keine Teilfreistellung | ||
Die vierte Zeile ist die wichtigste: Einlagen sind gesetzlich gesichert, Anleihen nicht. Eine Anleihe ist ein Kredit an einen einzelnen Schuldner — dafür ist sie handelbar und kann eine höhere Rendite tragen. Näheres unter Tagesgeld oder Festgeld und Einlagensicherung.
Wie stark ein Zinsanstieg auf den Kurs wirkt
Bei einer Anleihe stehen Nennwert und Kupon fest. Steigt das Marktniveau, muss die gesamte Anpassung deshalb über den Kurs laufen — und je länger die Restlaufzeit, über desto mehr Jahre wirkt der Abstand zum neuen Zins. Die modifizierte Duration fasst das in einer Zahl zusammen: Sie gibt an, um wie viel Prozent der Kurs bei einem Prozentpunkt Zinsänderung reagiert.
| Restlaufzeit | Modifizierte Duration | Kursänderung | Kurs danach |
|---|---|---|---|
| 3 Jahre | 2,83 | -2,83 % | 97,17 % |
| 5 Jahre | 4,58 | -4,58 % | 95,42 % |
| 10 Jahre | 8,53 | -8,53 % | 91,47 % |
| 20 Jahre | 14,88 | -14,88 % | 85,12 % |
Eigene Berechnung, gegen feste Referenzwerte geprüft: Anleihe zu pari, 3 Prozent Kupon, Zinsanstieg um 1 Prozentpunkt. Beispielwerte, keine Prognose — reale Anleihen weichen durch Kuponhöhe und Zinsstruktur davon ab.
Der Buchverlust ist bei einer einzelnen Anleihe vorübergehend: Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt den Nennwert. Bei einem Anleihe-ETF gilt das nicht, weil er keine Fälligkeit hat, sondern fortlaufend rollt — der Unterschied steht unter Duration und Zinsänderungsrisiko. Den eigenen Fall rechnet der Zinsrechner.
Warum Zinsen steuerlich schlechter stehen
Alle Kapitalerträge unterliegen demselben Satz. Unterschiedlich ist, wie viel davon überhaupt erfasst wird und wann — und genau daran scheitert der verbreitete Vergleich „Zinssatz gegen Fondsrendite".
| Ertragsart | Teilfreistellung | Zeitpunkt | Verlustverrechnung |
|---|---|---|---|
| Zinsen | keine | jährlich bei Zufluss | allgemeiner Topf |
| Dividenden | keine | bei Ausschüttung | allgemeiner Topf |
| Aktienfonds | ja, nach Fondsart | Vorabpauschale und Verkauf | allgemeiner Topf |
| Aktienverkauf | keine | bei Verkauf | eigener Aktientopf |
Zinsen stehen damit in zwei Punkten schlechter als ein Aktienfonds: Es bleibt kein Anteil steuerfrei, und die Steuer fällt jedes Jahr an, statt teilweise bis zum Verkauf gestundet zu werden. Ein Zinssatz muss deshalb spürbar über einer Fondsrendite liegen, um nach Steuern gleichzuziehen — nachgerechnet unter Zinserträge versteuern. Wie die Teilfreistellung auf der anderen Seite wirkt, steht unter Teilfreistellung bei Fonds.
Wofür welche Form infrage kommt
Nicht die höchste Rendite entscheidet, sondern der Zeitpunkt, zu dem das Geld gebraucht wird. Aus ihm folgt, welche Eigenschaft man braucht — und erst daraus die Form.
| Zweck | Entscheidende Eigenschaft | Mögliche Konsequenz |
|---|---|---|
| Notgroschen | jederzeitige Verfügbarkeit | Bindung scheidet aus; ein niedrigerer Satz ist der Preis dafür |
| Anschaffung mit festem Termin | Betragssicherheit zum Stichtag | Laufzeit auf den Termin legen; Kursrisiko vermeiden |
| Termin offen, mehrere Jahre | Unabhängigkeit vom Zinszeitpunkt | Staffelung glättet, kostet aber Verwaltungsaufwand |
| Größere Summe, eine Bank | Sicherungsgrenze je Institut | Aufteilung auf mehrere Institute wird nötig |
Die letzte Zeile wird am häufigsten übersehen: Die Sicherungsgrenze ist keine Eigenschaft der Anlageform, sondern der Bank — und sie begrenzt, wie groß eine Zinstreppe bei einem einzelnen Institut werden darf, siehe Zinstreppe aufbauen.
Glossar
Begriffe, die in diesem Feld ständig vorkommen und in Angeboten wie in Ratgebern als bekannt vorausgesetzt werden. Die Anker sind stabil und lassen sich aus den Artikeln heraus verlinken.
- Nominalzins
- Der ausgewiesene Zinssatz eines Angebots, vor Steuer und ohne Berücksichtigung der Geldentwertung. Er sagt, wie der Kontostand wächst, nicht wie die Kaufkraft sich entwickelt.
- Realzins
- Was nach Steuer und Inflation vom Nominalzins übrig bleibt. Er kann negativ sein, während der Kontostand steigt — dann wächst das Guthaben langsamer, als die Preise steigen.
- Leitzins
- Der Satz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank refinanzieren. Er ist der Ausgangspunkt der Zinsen, die Banken ihren Kunden bieten, wird aber nicht eins zu eins weitergegeben.
- Tagesgeld
- Verzinstes Guthaben ohne Bindung, täglich verfügbar. Der Zins ist variabel und kann jederzeit angepasst werden, auch nach unten.
- Festgeld
- Guthaben mit fest vereinbarter Laufzeit und festem Zins. Die Bindung wirkt in beide Richtungen: Sie schützt vor fallenden Sätzen und schließt von steigenden aus.
- Zinstreppe
- Aufteilung eines Betrags auf gestaffelte Laufzeiten, sodass regelmäßig ein Teil frei wird. Sie glättet den Zinsverlauf, statt auf einen Zeitpunkt zu setzen.
- Lockzins
- Zeitlich befristeter Aktionssatz für Neukunden. Nach Ablauf gilt der Bestandskundenzins, der erheblich niedriger liegen kann — für den Vergleich zählt der Jahresdurchschnitt.
- Einlagensicherung
- Gesetzlicher Entschädigungsanspruch bis 100.000 Euro, bezogen auf die Gesamtforderung eines Einlegers gegen ein Institut. Wertpapiere sind nicht erfasst; für sie gilt das Sondervermögen.
- Anleihe
- Verbriefter Kredit an einen Staat oder ein Unternehmen. Der Gläubiger erhält laufende Zinsen und am Ende der Laufzeit den Nennwert zurück.
- Nennwert
- Der Betrag, den der Emittent bei Fälligkeit zurückzahlt, und die Bezugsgröße des Kupons. Der Börsenkurs wird in Prozent davon notiert.
- Kupon
- Der auf den Nennwert bezogene Zinssatz einer Anleihe. Er steht bei Emission fest und ändert sich nicht, wenn der Kurs schwankt.
- Stückzinsen
- Der dem Verkäufer zustehende Anteil am laufenden Kupon. Der Käufer zahlt ihn zusätzlich zum Kurs und erhält ihn beim nächsten Zinstermin zurück.
- Rendite bis Fälligkeit
- Kupon und Kursgewinn oder -verlust bis zur Rückzahlung, zusammengerechnet auf eine jährliche Größe. Erst sie macht Anleihen mit verschiedenen Kursen vergleichbar.
- Duration
- Maß für die Zinsempfindlichkeit einer Anleihe. Die modifizierte Duration gibt an, um wie viel Prozent der Kurs bei einem Prozentpunkt Zinsänderung reagiert.
- Spread
- Renditeaufschlag einer Unternehmensanleihe gegenüber einer Staatsanleihe gleicher Laufzeit — der Preis des zusätzlichen Ausfallrisikos.
- Emittent
- Der Schuldner einer Anleihe. Seine Zahlungsfähigkeit bestimmt das Ausfallrisiko und damit einen Teil der Rendite.
Alle Artikel zu Zinsen und Anleihen
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Einlagen
- Realzins statt Nominalzins Der Kontostand steigt, die Kaufkraft sinkt: Warum der Nominalzins die falsche Größe ist und wie du die richtige berechnest.
- Tagesgeld oder Festgeld? Verfügbarkeit gegen Zinsaufschlag — und was passiert, wenn die Zinsen während der Bindung steigen.
- Die Zinstreppe aufbauen Gestaffelte Laufzeiten verbinden Verfügbarkeit mit dem Zinsaufschlag längerer Bindung. So funktioniert die Staffelung.
- Lockzinsen richtig einordnen Aktionszinsen gelten wenige Monate und nur für Neukunden. Was davon über die volle Laufzeit übrig bleibt.
Anleihen
- Anleihen: Kupon, Kurs, Nennwert Wie eine Anleihe aufgebaut ist, warum ihr Kurs schwankt und was bei Fälligkeit tatsächlich zurückgezahlt wird.
- Rendite bis Fälligkeit berechnen Kupon und Kursgewinn zusammen ergeben die einzige Zahl, mit der sich Anleihen vergleichen lassen.
- Duration und Zinsänderungsrisiko Wie stark ein Anleihekurs auf Zinsänderungen reagiert — und warum lange Laufzeiten dabei besonders empfindlich sind.
Risiko
- Einlagensicherung verstehen Was abgesichert ist, was nicht — und warum die Formulierung „je Kunde und Institut" der entscheidende Teil ist.
- Staats- oder Unternehmensanleihen? Der Renditeaufschlag von Unternehmensanleihen ist die Vergütung für ein Risiko, das im Abschwung sichtbar wird.
Steuern
- Quellensteuer auf Zinsen Bei Zinsen darf der Quellenstaat meist gar nichts nehmen — und wo er es doch tut, ist nichts anrechenbar.
- Zinserträge versteuern Abgeltungsteuer auf Zinsen, ausländische Konten ohne Steuerabzug und was bei Anleihen zusätzlich zu beachten ist.
Rechtsquellen
- § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG Erträge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art — die Vorschrift, unter die Zinsen fallen Bundesministerium der Justiz
- § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG Sparerpauschbetrag als pauschaler Werbungskostenabzug; der Abzug tatsächlicher Werbungskosten ist ausgeschlossen Bundesministerium der Justiz
- § 32d Abs. 1 EStG Gesonderter Steuertarif von 25 Prozent für Kapitalerträge Bundesministerium der Justiz
- § 4 Satz 1 SolzG Solidaritätszuschlag auf die Kapitalertragsteuer Bundesministerium der Justiz
- § 8 EinSiG Deckungssumme: Der Entschädigungsanspruch ist auf den Gegenwert von 100.000 Euro begrenzt Bundesministerium der Justiz
- § 7 Abs. 3 und 4 EinSiG Bezugsgröße ist die Gesamtforderung des Einlegers gegen das Institut; bei Gemeinschaftskonten der Anteil des einzelnen Inhabers Bundesministerium der Justiz
Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 10.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Freiwillige Sicherungssysteme einzelner Bankengruppen, Kirchensteuer und die Behandlung von Zinsen im Betriebsvermögen sind hier nicht dargestellt. Für Institute mit Sitz außerhalb Deutschlands gilt das Sicherungssystem des Sitzstaats.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Nominalzins und Realzins?
Der Nominalzins ist der Satz, den die Bank ausweist. Der Realzins ist der Nominalzins abzüglich der Inflationsrate und beschreibt die tatsächliche Kaufkraftveränderung.
Liegt die Inflation über dem Nominalzins, ist der Realzins negativ: Das Guthaben wächst nominal, verliert aber an Kaufkraft. Für die Frage, ob eine Anlage etwas bringt, zählt allein der Realzins.
Wie hoch ist die gesetzliche Einlagensicherung?
Der Entschädigungsanspruch ist auf 100.000 Euro begrenzt (§ 8 EinSiG). Maßgeblich ist dabei die Gesamtforderung eines Einlegers gegen ein Institut, unabhängig von Zahl der Konten, Währung und Standort (§ 7 Abs. 3 EinSiG).
Entscheidend ist deshalb die Formulierung „je Kunde und Institut": Mehrere Konten bei derselben Bank werden zusammengezählt, mehrere Marken können zur selben rechtlichen Einheit gehören. Bei einem Gemeinschaftskonto gilt der Betrag dagegen je Inhaber. Näheres unter Einlagensicherung.
Warum fällt der Kurs einer Anleihe, wenn die Zinsen steigen?
Eine bereits ausgegebene Anleihe zahlt einen festen Kupon. Steigt das allgemeine Zinsniveau, sind neue Anleihen attraktiver — die alte wird nur noch mit einem Kursabschlag gekauft, der die Renditedifferenz ausgleicht.
Je länger die Restlaufzeit, desto stärker der Effekt. Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt dennoch den Nennwert zurück; der Kursverlust wird nur dann real, wenn vorher verkauft wird.
Was ist der Unterschied zwischen Tagesgeld und Festgeld?
Tagesgeld ist täglich verfügbar, der Zinssatz ist variabel und kann jederzeit angepasst werden. Festgeld bindet den Betrag für eine feste Laufzeit zu einem garantierten Satz.
Der Aufschlag beim Festgeld ist die Vergütung für den Verzicht auf Verfügbarkeit. Steigen die Zinsen während der Laufzeit, bleibst du auf dem alten Satz sitzen.
Sind Anleihen sicherer als Aktien?
Anleihegläubiger werden im Insolvenzfall vor Aktionären bedient, und der Rückzahlungsbetrag steht bei Emission fest. In dieser Hinsicht ist das Risikoprofil anders gelagert.
Sicher sind sie deshalb nicht: Es bleiben das Ausfallrisiko des Emittenten, das Zinsänderungsrisiko auf den Kurs und das Inflationsrisiko auf die Kaufkraft. Eine Anleihe eines wirtschaftlich angeschlagenen Schuldners kann riskanter sein als eine breit gestreute Aktienanlage.
Warum zahlt eine Bank überhaupt Zinsen?
Weil sie das Geld weiterverwendet. Eine Einlage ist wirtschaftlich ein Kredit an die Bank, den sie zu einem höheren Satz weiterverleiht oder bei der Zentralbank anlegt. Der Zins ist ihr Einkaufspreis für dieses Geld.
Daraus folgt, warum Zinsen fallen, wenn die Zentralbank ihren Satz senkt: Der Bank steht dann eine billigere Quelle offen, und sie muss um Einlagen weniger werben.
Was passiert mit meinem Zins, wenn die Leitzinsen fallen?
Beim Tagesgeld unmittelbar: Der Satz ist variabel und wird angepasst, ohne dass du zustimmen musst. Beim Festgeld gar nichts — der vereinbarte Satz gilt bis zum Ende der Laufzeit.
Genau darin liegt der Wert der Bindung, und genau deshalb ist sie in beide Richtungen bindend. Die Abwägung steht unter Tagesgeld oder Festgeld.
Wie komme ich vorzeitig an Festgeld heran?
In der Regel gar nicht. Festgeld ist bis zum Laufzeitende gebunden; ob eine vorzeitige Auflösung überhaupt möglich ist, steht in den Bedingungen und ist häufig ausgeschlossen oder mit einem Zinsabschlag belegt.
Wer Zugriff braucht, plant ihn vorher ein — über eine Staffelung statt über eine Ausnahmeregel, siehe Zinstreppe aufbauen.
Wie viele Stufen sollte eine Zinstreppe haben?
So viele, wie du Jahre überbrücken willst — mehr bringt wenig. Der Glättungseffekt nimmt mit jeder zusätzlichen Stufe ab, der Verwaltungsaufwand nicht.
Im eingeschwungenen Zustand wird jedes Jahr ein Teil frei und zum jeweils aktuellen Satz erneuert. Aufbau und Grenzen stehen unter Zinstreppe aufbauen.
Gilt die Einlagensicherung auch für Zinsen, die noch nicht ausgezahlt sind?
Ja, bereits gutgeschriebene Zinsen zählen zur gesicherten Einlage. Wer knapp unter der Grenze anlegt, sollte den Zuwachs über die Laufzeit deshalb mitrechnen.
Sonst wächst das Guthaben still in den ungesicherten Bereich hinein — die Mechanik dahinter steht unter Einlagensicherung.
Zählen mehrere Konten bei derselben Bank einzeln?
Nein. Maßgeblich ist die Gesamtforderung gegen das Institut: Giro-, Tagesgeld- und Festgeldkonto werden zusammengezählt. Auch mehrere Marken können zur selben rechtlichen Einheit gehören.
Bei einem Gemeinschaftskonto gilt der Betrag dagegen je Inhaber. Beide Regeln stehen unter Einlagensicherung.
Was bringt ein Lockzins über ein ganzes Jahr gerechnet?
Deutlich weniger, als die Anzeige nahelegt. Ein hoher Satz gilt typischerweise drei oder sechs Monate; danach greift der Bestandskundenzins, der ein Vielfaches darunter liegen kann.
Der Jahresdurchschnitt ist deshalb die einzige vergleichbare Zahl — nachgerechnet unter Lockzinsen erkennen.
Lohnt es sich, für Neukundenzinsen regelmäßig die Bank zu wechseln?
Rechnerisch oft ja, praktisch hängt es am Aufwand und daran, ob die Bank Wechsler nach einer Sperrfrist erneut als Neukunden führt. Beides steht in den Bedingungen, nicht in der Anzeige.
Was das Wechseln über mehrere Jahre tatsächlich einbringt, steht unter Lockzinsen erkennen.
Wie berechne ich den Realzins richtig?
In dieser Reihenfolge: erst die Steuer vom Nominalzins abziehen, dann die Inflation auf den verbleibenden Betrag anwenden. Wer die Inflation zuerst abzieht, rechnet die Steuer auf einen Ertrag, den es so nicht gab.
Die Rechnung samt der Schwelle, ab der die Kaufkraft trotz positiver Zinsen sinkt, steht unter Realzins berechnen.
Ist ein negativer Realzins immer ein Fehler?
Nein. Für Geld mit festem Verwendungszeitpunkt — Notgroschen, anstehende Anschaffung, Eigenkapital für einen Kauf — ist Planbarkeit der eigentliche Zweck, und ein leicht negativer Realzins ist der Preis dafür.
Zum Fehler wird er, wenn langfristig gebundenes Vermögen dauerhaft so liegt. Die Einordnung steht unter Realzins berechnen.
Warum sind Zinsen steuerlich schlechter gestellt als Fondserträge?
Weil es für sie keine Teilfreistellung gibt. Die gleicht bei Fonds eine Vorbelastung auf Fondsebene aus; bei Zinsen gibt es diese Zwischenebene nicht, also auch nichts auszugleichen.
Praktisch heißt das: Ein Zinssatz muss spürbar höher liegen, um nach Steuern mit einer Fondsrendite gleichzuziehen. Die Rechnung steht unter Zinserträge versteuern.
Muss ich Zinsen von einer ausländischen Bank selbst erklären?
Ja. Ausländische Institute behalten keine deutsche Abgeltungsteuer ein; die Erträge gehören in die Anlage KAP. Die Steuerpflicht entsteht unabhängig davon, ob das Geld nach Deutschland fließt.
Was dabei zu beachten ist, steht unter Zinserträge versteuern.
Welche drei Zahlen beschreiben eine Anleihe?
Nennwert, Kupon und Kurs. Die ersten beiden stehen bei Emission fest, der dritte schwankt — und weil zwei fest sind, muss sich die gesamte Anpassung an neue Marktzinsen im Kurs abbilden.
Daraus folgt der Kursmechanismus, statt ihn als eigene Regel lernen zu müssen: Anleihen verstehen.
Was sind Stückzinsen?
Der Anteil des laufenden Kupons, der dem Verkäufer für die Zeit seit dem letzten Zinstermin zusteht. Der Käufer zahlt ihn zusätzlich zum Kurs und bekommt ihn beim nächsten Kupon vollständig zurück.
Sie sind deshalb kein Kostenfaktor, aber ein Steuerthema — Näheres unter Anleihen verstehen.
Warum reicht der Kupon nicht, um Anleihen zu vergleichen?
Weil er sich auf den Nennwert bezieht, gekauft wird aber zum Kurs. Liegt der Kurs unter 100 Prozent, kommt bis zur Fälligkeit ein Kursgewinn hinzu; liegt er darüber, ein Verlust.
Vergleichbar wird erst die Rendite bis Fälligkeit, die beides zusammenrechnet: Rendite bis Fälligkeit berechnen.
Ist eine auffällig hohe Anleiherendite ein guter Fund?
In aller Regel nicht. Eine Rendite deutlich über dem Marktniveau vergleichbarer Laufzeiten ist der Preis, den der Markt für ein erhöhtes Ausfallrisiko verlangt — sie ist eingepreist, nicht übersehen.
Was die Zahl verspricht und was nicht, steht unter Rendite bis Fälligkeit berechnen.
Was bedeutet Duration?
Zwei verschiedene Dinge, die im Sprachgebrauch verschwimmen: die Macaulay-Duration als mittlere Kapitalbindungsdauer und die modifizierte Duration als Kursempfindlichkeit je Prozentpunkt Zinsänderung.
Für die Praxis zählt die zweite. Die Trennung steht unter Duration und Zinsänderungsrisiko.
Warum trifft ein Zinsanstieg lange Laufzeiten härter?
Weil bei einer langen Anleihe mehr künftige Zahlungen neu abgezinst werden und der Abstand zum neuen Marktzins über mehr Jahre wirkt. Die Kursreaktion wächst deshalb annähernd proportional zur Restlaufzeit.
Wie stark das konkret ausfällt, steht unter Duration und Zinsänderungsrisiko.
Läuft ein Kursverlust bei Anleihen wieder aus?
Bei einer einzelnen Anleihe ja: Wer bis zur Fälligkeit hält, bekommt den Nennwert, und der Buchverlust verschwindet mit der Zeit. Bei einem Anleihe-ETF nicht — er hat keine Fälligkeit, sondern rollt fortlaufend.
Dieser Unterschied ist der wichtigste zwischen beiden Formen: Duration und Zinsänderungsrisiko.
Was ist der Spread bei Unternehmensanleihen?
Der Renditeaufschlag gegenüber einer Staatsanleihe gleicher Laufzeit. Er ist keine Prämie für Aufmerksamkeit, sondern der Preis eines Ausfallrisikos, das sich lange nicht zeigt und dann auf einmal.
Wie er sich im Abschwung verhält, steht unter Staats- oder Unternehmensanleihen.
Wozu dienen Ratings?
Als grobe Einordnung der Ausfallwahrscheinlichkeit, nicht als Garantie. Sie werden von Agenturen vergeben, ändern sich träge und folgen der Marktbewertung häufig, statt ihr vorauszugehen.
Wie die Stufen zu lesen sind, steht unter Staats- oder Unternehmensanleihen.
Verwandte Assetklassen
Gleiches Raster, andere Zahlen
P2P-Kredite
Direkte Kreditvergabe über Plattformen: monatlicher Rückfluss, aber Ausfallrisiko und Plattformrisiko gehören zwingend in dieselbe Rechnung.
Zins- und Tilgungszahlungen
ETFs & Fonds
Breit gestreute Indexfonds als Basis: Kostenquoten, Ausschüttungsarten und die Besteuerung inklusive Teilfreistellung und Vorabpauschale.
Ausschüttung oder Thesaurierung
Aktien & Dividenden
Einzelwerte und Dividendenstrategien — Ausschüttungsquote, Dividendenhistorie und was von der Bruttodividende netto übrig bleibt.
Dividende und Kursgewinn