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P2P-Kredite

Cash Drag und Liquidität

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Der stillste Renditekiller dieser Anlageklasse ist kein Ausfall, sondern ungenutzte Liquidität. Es fehlt kein Geld — es arbeitet nur nicht, und das fällt niemandem auf.

Woher das freie Geld kommt

Bei einem Sparplan auf Wertpapiere ist Kapital entweder investiert oder nicht — dazwischen liegt ein Kauf. Bei P2P ist das anders, weil das Kapital ständig in Bewegung ist. Vier Quellen speisen das Verrechnungskonto laufend:

Zusammengenommen bedeutet das: Ein Portfolio aus dreijährigen annuitätischen Krediten schleust im Lauf der Zeit ein Vielfaches der Anlagesumme durch das Verrechnungskonto. Jeder Tag, den ein Betrag dort liegt, ist ein Tag ohne Zins.

Aufbau der tatsächlichen Rendite bei P2P-Krediten: Der Nominalzins wirkt nur auf den Teil des Kapitals, der auch angelegt ist. Unangelegtes Geld senkt die Rendite, ohne in der ausgewiesenen Zahl der Plattform aufzutauchen.
Zins gibt es nur auf angelegtes Geld — der Rest steht still und zieht die Rendite nach unten. CC BY 4.0

Was der Effekt kostet

Die Rechnung ist geradlinig: Der entgangene Ertrag ist der Anteil des freien Kapitals mal dem Zins, den es sonst verdient hätte.

Dauerhaft freies Kapital Bei 8 % Zins Bei 11 % Zins Bei 14 % Zins
2 % −0,16 Punkte −0,22 Punkte −0,28 Punkte
5 % −0,40 Punkte −0,55 Punkte −0,70 Punkte
10 % −0,80 Punkte −1,10 Punkte −1,40 Punkte
20 % −1,60 Punkte −2,20 Punkte −2,80 Punkte

Die Größenordnung ist bemerkenswert: Zehn Prozent ungenutztes Kapital kosten bei elf Prozent Zins mehr als ein Prozentpunkt — und damit mehr, als die Kreditauswahl bei den meisten Anlegern jemals einbringt. Wer Stunden in Filterregeln steckt und dabei zehn Prozent Guthaben stehen lässt, optimiert die falsche Stelle.

Warum die ausgewiesene Rendite höher aussieht

Plattformen berechnen ihre Renditekennzahlen üblicherweise auf das investierte Kapital. Das ist aus ihrer Sicht folgerichtig — sie verantworten die Kredite, nicht die Frage, ob der Anleger Geld herumliegen lässt. Für den Anleger ist die Bezugsgröße aber eine andere: der eingezahlte Betrag.

10.000 € eingezahlt, 11 % Zins Investiert Ertrag Rendite auf die Einzahlung
Vollständig angelegt 10.000 € 1.100 € 11,0 %
10 % liegen dauerhaft 9.000 € 990 € 9,9 %

Beide Zeilen weisen dieselben elf Prozent aus, wenn man auf die Kredite schaut. Der Unterschied entsteht erst in der letzten Spalte — und genau diese Spalte beschreibt, was der Anleger tatsächlich verdient hat. In der Nettorenditerechnung gehört der Posten deshalb neben Ausfälle und Steuer, siehe Nettorendite berechnen.

Der Zielkonflikt, der sich nicht auflösen lässt

Die naheliegende Gegenmaßnahme ist, die Autoinvest-Filter weiter zu fassen — dann findet die Automatik immer einen Kredit. Damit kauft man aber genau das, was man vorher ausgeschlossen hatte.

Der Konflikt ist echt und nicht auflösbar: Enge Auswahl bedeutet ungenutztes Kapital, weite Auswahl bedeutet schlechtere Kredite. Vertretbar ist beides, solange man weiß, welchen Preis man zahlt. Die Einstellungen dazu stehen unter Autoinvest-Einstellungen.

Die dritte Möglichkeit wird selten erwogen und ist oft die beste: Kapital abziehen. Wenn dauerhaft zehn Prozent nicht angelegt werden können, ist der eingezahlte Betrag für dieses Portfolio schlicht zu groß — das Geld arbeitet auf einem Tagesgeldkonto besser als auf einem unverzinsten Verrechnungskonto.

Besonders relevant beim Abbau

In der Ausstiegsphase kehrt sich die Logik um: Wer nicht mehr reinvestiert, sammelt zwangsläufig Guthaben an, während die letzten Kredite auslaufen. Die Rendite auf das noch gebundene Kapital sinkt dann Monat für Monat.

Das ist unvermeidlich, aber planbar — und ein Grund, den Abbau nicht unnötig zu strecken. Wie sich das ordnen lässt, steht unter Ausstieg aus P2P.

Wie sich der eigene Wert messen lässt

Cash Drag lässt sich nicht schätzen, weil das freie Guthaben schwankt. Messen lässt er sich trotzdem — mit einer Zahl, die jede Plattform liefert, und einer, die man selbst kennt.

Nötig sind der eingezahlte Betrag und der zu einem Stichtag investierte Betrag. Die Differenz, geteilt durch die Einzahlung, ist der Anteil des ungenutzten Kapitals. Wer diesen Wert einmal im Quartal notiert, hat nach einem Jahr eine belastbare Größe statt eines Gefühls.

Die häufigste Überraschung dabei: Der Wert ist höher als erwartet, weil er zwei Quellen hat. Neben dem Guthaben auf dem Verrechnungskonto zählt auch Kapital, das zwar zugeteilt, aber noch nicht ausgezahlt wurde — bei Projektkrediten liegen zwischen Zusage und Valutierung oft Wochen, in denen das Geld gebunden ist, ohne Zinsen zu bringen.

Ist der Wert dauerhaft zweistellig, gibt es genau drei Hebel: weitere Filter, weniger Kapital oder eine andere Plattform mit größerem Angebot. Was nicht funktioniert, ist Abwarten — der Effekt korrigiert sich nicht von selbst, sondern läuft jeden Monat weiter. Wie sich die Filter einstellen lassen, steht unter Autoinvest-Einstellungen.

Nicht jeder Leerlauf ist dabei vermeidbar. Zwischen Rückzahlung und nächster Zuteilung liegen bei jeder Plattform ein paar Tage, und Beträge unterhalb der Mindestanlage bleiben zwangsläufig liegen. Ein Anteil im niedrigen einstelligen Bereich ist deshalb normal — erst darüber lohnt sich das Gegensteuern.

Hinweis

Die Tabellen sind Rechenbeispiele mit gesetzten Annahmen, keine Prognose. Sie unterstellen ein konstant freies Kapital; in der Praxis schwankt der Anteil erheblich. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.

Häufige Fragen

Was ist Cash Drag?

Der Renditeverlust dadurch, dass ein Teil des Kapitals nicht angelegt ist. Bei P2P entsteht er laufend, weil annuitätische Kredite jeden Monat Kapital zurückzahlen, das erst wieder investiert werden muss.

Er taucht in keiner Statistik der Plattform auf, weil dort die Rendite der angelegten Kredite ausgewiesen wird — nicht die des eingezahlten Betrags.

Wie groß ist der Effekt?

Bei zehn Prozent dauerhaft freiem Kapital und elf Prozent Zins kostet er 1,1 Prozentpunkte im Jahr. Das ist mehr, als die meisten Anleger durch Kreditauswahl gewinnen.

Er wirkt außerdem still: Das Geld ist da, es fehlt nichts — es arbeitet nur nicht.

Warum weist die Plattform eine höhere Rendite aus?

Weil die meisten Kennzahlen die Rendite auf das investierte Kapital berechnen. Ungenutztes Guthaben auf dem Verrechnungskonto zählt dabei nicht mit.

Die für den Anleger richtige Bezugsgröße ist der eingezahlte Betrag. Die Differenz zwischen beiden Zahlen ist genau der Cash Drag.

Was kann man dagegen tun?

Filter weiter fassen, damit die Automatik überhaupt Kredite findet; das freie Guthaben regelmäßig prüfen; und bei dauerhaftem Überhang lieber Kapital abziehen als es liegen zu lassen.

Der Zielkonflikt bleibt: Weitere Filter bedeuten weniger Auswahl. Wer eng filtert, bezahlt Qualität mit Cash Drag — das ist eine Entscheidung, keine Panne.

Ist das beim Ausstieg auch relevant?

Dann besonders. Wer aufhört zu investieren, hat sofort wachsende Bestände an freiem Geld, während die letzten Kredite auslaufen.

In dieser Phase sinkt die Rendite auf das eingesetzte Kapital deutlich — das gehört in jede Ausstiegsplanung.