P2P-Kredite
Ausstieg aus P2P
Von Philipp Busch Aktualisiert am
Ein Depot verkauft man an einem Vormittag. Wer sich sein Geld aus P2P auszahlen lassen will, verkauft dagegen nicht, sondern lässt auslaufen — mit einem Rest, der erstaunlich lange bleibt.
Warum es keinen Stichtag gibt
Bei Wertpapieren steht auf der anderen Seite ein Markt: Es gibt einen Kurs, und wer verkauft, ist draußen. Bei P2P steht auf der anderen Seite ein Kreditnehmer mit einem Vertrag, der eine Laufzeit hat. Ein Verkaufsknopf, der diesen Vertrag beendet, existiert nicht.
Der Ausstieg besteht deshalb aus zwei Schritten, von denen nur der erste sofort wirkt: die Automatik abschalten, damit kein Kapital mehr neu gebunden wird — und dann warten, bis die bestehenden Kredite zurückgezahlt sind. Der erste Schritt dauert eine Minute, der zweite Jahre.
| Bestandteil | Rückfluss | Zeithorizont |
|---|---|---|
| Annuitätische Konsumkredite | laufend, monatlich | über die Restlaufzeit |
| Endfällige Projektkredite | alles am Fälligkeitstag | bis zum jeweiligen Termin |
| Kredite in Verzug | unregelmäßig, teilweise gar nicht | offen, oft Jahre |
Die letzte Zeile ist der Grund, warum aus „in einem Jahr bin ich raus" regelmäßig drei werden. Der gesunde Teil des Portfolios löst sich planmäßig auf; was übrig bleibt, ist genau der Teil, der Probleme macht — und dessen Anteil am Restbestand dabei ständig steigt.
Auslaufen lassen oder verkaufen
Wer schneller heraus will, kann Positionen über den Zweitmarkt anbieten. Die Entscheidung lässt sich rechnen: Ein Abschlag lohnt sich, wenn er kleiner ist als das, was die Position bis zur Fälligkeit noch an Zinsen abwirft — abzüglich des Risikos, dass sie ausfällt.
| Restlaufzeit | Verbleibende Zinsen bei 11 % | Abschlag lohnt bis etwa |
|---|---|---|
| 3 Monate | 2,8 % | kaum — warten ist meist günstiger |
| 1 Jahr | 11,0 % | einstelliger Abschlag vertretbar |
| 3 Jahre | 33,0 % | auch zweistelliger Abschlag kann sinnvoll sein |
Bei notleidenden Krediten kippt die Rechnung: Dort steht keinem Abschlag ein sicherer Zins gegenüber, sondern eine ungewisse Verwertung. Ein Verkauf mit hohem Abschlag ist dann oft die bessere Entscheidung als das Warten auf eine Quote, die niemand kennt. Ob sich überhaupt ein Käufer findet, ist die zweite Frage — siehe Zweitmarkt und Liquidität.
Warum die Rendite beim Abbau sinkt
Solange reinvestiert wird, arbeitet fast das gesamte Kapital. Sobald das aufhört, sammelt sich zurückfließendes Geld auf dem Verrechnungskonto und verdient nichts — während die ausgewiesene Rendite der verbleibenden Kredite unverändert hoch aussieht.
Der Effekt ist derselbe wie im laufenden Betrieb, nur größer: Er wächst mit jedem Monat, weil der investierte Anteil kontinuierlich schrumpft. Die Systematik steht unter Cash Drag und Liquidität.
Praktisch folgt daraus: Das zurückgeflossene Kapital gehört zügig vom Verrechnungskonto herunter. Es dort zu lassen, bis „genug zusammen ist", kostet genau den Zins, wegen dessen man die Anlageklasse gewählt hatte.
Die Reihenfolge, die sich bewährt hat
- Automatik abschalten. Der erste und wichtigste Schritt — sonst wird weiter gekauft, siehe Autoinvest-Einstellungen.
- Bestand sichten. Was ist gesund, was ist in Verzug, was ist endfällig? Die drei Gruppen brauchen unterschiedliche Entscheidungen.
- Regelmäßig abbuchen. Nicht warten, bis ein runder Betrag zusammenkommt.
- Über den Zweitmarkt nur gezielt verkaufen — dort, wo der Abschlag unter den verbleibenden Zinsen liegt.
- Unterlagen sichern, bevor das Konto geschlossen wird. Kontoauszüge und Jahresübersichten für alle Jahre, in denen investiert wurde — die Erklärungspflicht überdauert das Konto, siehe Steuern auf P2P-Erträge.
Der letzte Punkt wird regelmäßig vergessen und ist der einzige, der sich später nicht mehr nachholen lässt. Nach der Schließung ist der Zugang weg, und mit ihm die Nachweise für Beträge, die möglicherweise noch Jahre später erklärt werden müssen.
Wann der Ausstieg wirklich beginnen sollte
Die häufigste Fehleinschätzung betrifft den Zeitpunkt. Wer P2P als Baustein für ein konkretes Ziel nutzt — eine Anschaffung, den Übergang in den Ruhestand — plant den Ausstieg meist für den Moment, in dem das Geld gebraucht wird. Das ist ein bis zwei Jahre zu spät.
Der Grund ist die Verteilung der Rückflüsse. Bis der letzte Kredit ausgelaufen ist, vergehen bei üblichen Laufzeiten zwei bis drei Jahre; notleidende Positionen ziehen sich darüber hinaus. Wer zu einem festen Termin über den vollen Betrag verfügen will, muss den Abbau entsprechend früher einleiten — oder Abschläge am Zweitmarkt einkalkulieren.
Der zweite Auslöser für einen Ausstieg ist kein Termin, sondern eine Beobachtung: steigende Ausfallquoten, Verzögerungen bei Auszahlungen, Wechsel im Management oder eine Häufung notleidender Kredite eines bestimmten Anbahners. In diesen Fällen ist Geschwindigkeit wichtiger als der Abschlag — denn wenn viele gleichzeitig zu demselben Schluss kommen, versiegt der Zweitmarkt genau dann, wenn man ihn bräuchte.
Beides zusammen ergibt eine unangenehme Eigenschaft dieser Anlageklasse: Der geordnete Ausstieg funktioniert nur, solange kein Anlass dazu besteht. Wer das einplant, hält die Position von vornherein klein genug, dass ein verzögerter oder teurer Abbau den übrigen Plan nicht berührt — siehe Streuung in P2P-Portfolios.
Die Zeitangaben und Rechenbeispiele beschreiben verbreitete Muster und sind keine Zusicherung; Rückflüsse hängen von den konkreten Krediten und der jeweiligen Plattform ab. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Steuer- oder Anlageberatung.
Häufige Fragen
Wie lange dauert der Ausstieg aus P2P?
Bei annuitätischen Konsumkrediten fließt das Kapital über die Restlaufzeit zurück — typischerweise über ein bis drei Jahre. Bei endfälligen Projektkrediten hängt alles am jeweiligen Rückzahlungstermin.
Dazu kommen die notleidenden Positionen. Sie sind der Grund, warum ein Ausstieg fast immer länger dauert als geplant: Der Rest löst sich schnell auf, die Problemfälle bleiben.
Auslaufen lassen oder über den Zweitmarkt verkaufen?
Auslaufen lassen kostet Zeit, aber nichts. Der Zweitmarkt kostet einen Abschlag, dafür ist das Geld schneller da.
Die Rechnung ist einfach: Liegt der geforderte Abschlag über dem, was die Restlaufzeit noch an Zinsen bringt, lohnt das Warten. Bei notleidenden Krediten kehrt sich das oft um.
Was passiert mit den Krediten in Verzug?
Sie bleiben bestehen und werden weiter verwertet. Ein Ausstieg ist deshalb nie ein Stichtag, sondern ein Auslaufen mit langem Schwanz.
Wer das Konto schließen möchte, muss diese Positionen entweder abschreiben oder mit Abschlag verkaufen — beides ist eine bewusste Entscheidung, keine Formalität.
Sinkt die Rendite während des Ausstiegs?
Ja, deutlich. Sobald nicht mehr reinvestiert wird, sammelt sich Kapital auf dem Verrechnungskonto, das nichts verdient.
Deshalb sollte ein Abbau nicht unnötig gestreckt werden. Wer über Jahre langsam aussteigt, hat am Ende eine Rendite, die mit der ursprünglichen wenig zu tun hat.
Was ist steuerlich zu beachten?
Die Erträge des Ausstiegsjahres sind wie in jedem anderen Jahr zu erklären. Wichtiger ist die Dokumentation: Nach der Kontoschließung ist der Zugriff auf Kontoauszüge und Jahresübersichten oft nicht mehr möglich.
Alle Unterlagen sollten deshalb vor der Schließung heruntergeladen werden — auch für die Jahre, die bereits erklärt sind.
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