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Quervergleich

Neun Assetklassen nebeneinander

Jede Assetklasse auf dieser Seite wird nach demselben Raster geprüft: Ertrag, Kosten, Risiko, Liquidität. Hier stehen die neun Antworten zum ersten Mal nebeneinander statt hintereinander.

Das ist der ganze Zweck dieser Seite. Wer nacheinander über ETFs, P2P-Kredite und Sammlerstücke liest, behält den Eindruck der zuletzt gelesenen Seite und vergleicht ihn mit einer Erinnerung. Nebeneinander gestellt fallen Unterschiede auf, die im Fließtext untergehen — etwa dass zwei Klassen mit sehr ähnlichem Risikoprofil bei der Frage, wann man wieder an sein Geld kommt, um Jahre auseinanderliegen.

Einordnung der Anlageklassen nach Risiko und Verfügbarkeit: Tagesgeld und Anleihen sind schnell verfügbar und schwanken wenig, Aktien und ETFs schwanken stärker bei ebenfalls guter Verfügbarkeit, Immobilien und Beteiligungen sind langfristig gebunden.
Zwei Eigenschaften, die unabhängig voneinander wirken — die Einordnung ist eine Aussage, keine Messung. CC BY 4.0

Das Raster: Ertrag, Kosten, Risiko, Liquidität

Die vier Fragen, die jede Klasse beantworten muss

Die vier Kernfragen je Assetklasse
Assetklasse ErtragKostenRisikoLiquidität
ETFs & Fonds Ausschüttung oder Thesaurierung Ausschüttung oder ThesaurierungLaufende Kostenquote, SpreadMarktrisiko, kein EmittentenrisikoBörsentäglich handelbar
P2P-Kredite Zins- und Tilgungszahlungen Monatlicher Zins und TilgungMeist keine direkte GebührAusfall- und PlattformrisikoEingeschränkt, Zweitmarkt
Aktien & Dividenden Dividende und Kursgewinn Dividende und KursgewinnOrdergebühr, Spread, QuellensteuerUnternehmens- und MarktrisikoBörsentäglich handelbar
Zinsen & Anleihen Kupon und Rückzahlung Zins oder Kupon, fest terminiertMeist keine, bei Anleihen OrdergebührInflation, Ausfall, ZinsänderungTäglich bis laufzeitgebunden
Immobilien Mieteinnahmen Mieteinnahmen und WertentwicklungKaufnebenkosten, Bewirtschaftung, ZinsLeerstand, Klumpen, ZinsänderungGering, Verkauf dauert Monate
Rohstoffe & Edelmetalle Kein laufender Ertrag Keiner — nur PreisänderungLagerung, Spread, RollverlustePreisschwankung ohne ErtragspufferHoch bei Gold, geringer sonst
Krypto & Staking Staking-Erträge Staking und Lending, in CoinsHandelsgebühr, Spread, VerwahrungSehr hohe Volatilität, TotalverlustRund um die Uhr handelbar
Sachwerte Wertsteigerung beim Verkauf Keiner — nur VerkaufserlösHandelsspanne, Lagerung, VersicherungEchtheit, Zustand, enger MarktGering, Verkauf dauert
Unternehmerische Beteiligungen Ausschüttungen aus dem Betrieb Ausschüttungen aus dem BetriebWeiche Kosten, VerwaltungsgebührenUnternehmerisch, oft NachrangSehr gering, laufzeitgebunden

Diese vier Kriterien sind nicht beliebig gewählt, und sie sind auch nicht die einzigen denkbaren. Sie haben eine gemeinsame Eigenschaft: Sie lassen sich bei jeder Anlageform stellen, ohne dass die Frage sinnlos wird. Nach der Dividendenrendite einer Weinsammlung zu fragen ist sinnlos. Nach ihrem Ertrag zu fragen nicht — die Antwort lautet dann eben, dass es keinen laufenden gibt.

Ertrag meint hier ausschließlich, woher das Geld kommt, nicht wie viel es ist. Die Spalte nennt deshalb Zins, Dividende, Miete oder Ausschüttung — aber keine Prozentzahl. Erwartete Renditen sind keine Eigenschaft der Anlageklasse, sondern eine Annahme über die Zukunft, und sie gehören dorthin, wo man sie mit eigenen Werten durchrechnen kann: in die Rechner.

Kosten meint alles, was zwischen Bruttoertrag und dem Betrag steht, der tatsächlich ankommt. Das ist bei jeder Klasse etwas anderes: eine laufende Kostenquote beim Fonds, eine Handelsspanne beim Sammlerstück, Kaufnebenkosten und Bewirtschaftung bei der Immobilie. Auffällig ist, wie oft die teuersten Posten nicht als Gebühr auftreten, sondern als Differenz zwischen zwei Preisen — und deshalb auf keiner Abrechnung stehen.

Risiko benennt den Weg, auf dem Geld verloren geht, nicht dessen Wahrscheinlichkeit. Ein Kursrisiko und ein Ausfallrisiko sind verschiedene Dinge, auch wenn am Ende in beiden Fällen weniger da ist: Das eine schwankt und kann sich erholen, das andere ist ein Ereignis, nach dem eine Forderung schlicht nicht mehr existiert. Wer beides als „Risiko“ in einen Topf wirft, kann nicht mehr entscheiden, wogegen Streuung überhaupt hilft.

Liquidität ist die Frage, wie schnell aus der Anlage wieder Geld wird — und zu welchem Preis. Die zweite Hälfte dieser Frage wird regelmäßig übersehen. Fast alles lässt sich sofort verkaufen, wenn der Abschlag groß genug ist. Interessant ist deshalb nicht, ob ein Verkauf möglich ist, sondern was er in einer Phase kostet, in der viele gleichzeitig verkaufen wollen.

Vier Merkmale, die erst quer etwas aussagen

Laufender Ertrag, Bindung, Steuer, Sicherung

Zusatzmerkmale je Assetklasse
Assetklasse Laufender ErtragKapitalbindungSteuer in DeutschlandEinlagensicherung
ETFs & Fonds Ausschüttung oder Thesaurierung Nur bei ausschüttender AnteilsklasseKeine — Erlös nach zwei BankarbeitstagenAbgeltungsteuer, Teilfreistellung, VorabpauschaleNein, dafür Sondervermögen
P2P-Kredite Zins- und Tilgungszahlungen Ja, monatlicher RückflussBis Laufzeitende, Zweitmarkt unsicherKapitalvermögen, kein Steuerabzug, Anlage KAPNein
Aktien & Dividenden Dividende und Kursgewinn Nur bei dividendenzahlenden WertenKeine — Erlös nach zwei BankarbeitstagenAbgeltungsteuer, keine Teilfreistellung, eigener VerlusttopfNein, Wertpapiere sind keine Einlagen
Zinsen & Anleihen Kupon und Rückzahlung Ja, Zins oder KuponTagesgeld keine, Festgeld bis LaufzeitendeAbgeltungsteuer, keine Teilfreistellung, SparerpauschbetragJa für Bankeinlagen, nicht für Anleihen
Immobilien Mieteinnahmen Ja, Miete nach BewirtschaftungZehn Jahre bis zum steuerfreien VerkaufVermietung und Verpachtung, persönlicher Satz, § 23 EStGNein
Rohstoffe & Edelmetalle Kein laufender Ertrag NeinEin Jahr bis zum steuerfreien Verkauf (physisch)§ 23 EStG physisch, bei ETCs je nach KonstruktionNein
Krypto & Staking Staking-Erträge Nur bei Staking oder Lending, in CoinsEin Jahr bis zum steuerfreien Verkauf§ 23 EStG statt Abgeltungsteuer, Staking bei ZuflussNein
Sachwerte Wertsteigerung beim Verkauf NeinEin Jahr bis zum steuerfreien Verkauf§ 23 EStG, bei gewerblichem Handel keine SteuerfreiheitNein
Unternehmerische Beteiligungen Ausschüttungen aus dem Betrieb Ausschüttungen prognostiziert, nicht zugesagtZehn Jahre und mehr, laufzeitgebundenJe nach Rechtsform gewerblich oder KapitalvermögenNein

Die zweite Tabelle enthält Angaben, die auf einer einzelnen Hub-Seite wenig hergeben, im Nebeneinander aber die eigentlichen Unterschiede zeigen. Laufender Ertrag beantwortet nur eine Frage: Fließt Geld zu, ohne dass etwas verkauft werden muss? Bei Zinsen und P2P-Krediten ja, bei Rohstoffen und Sachwerten nein, bei ETFs und Aktien hängt es am gewählten Papier. Diese Unterscheidung ist der Ausgangspunkt der gesamten Seite: Eine Anlage ohne laufenden Ertrag ist deshalb nicht schlechter — sie leistet nur etwas anderes und taugt nicht zur Finanzierung laufender Ausgaben.

Kapitalbindung fasst zusammen, wie lange das Geld realistischerweise gebunden ist. Dahinter stecken zwei ganz verschiedene Ursachen. Bei Festgeld, P2P-Krediten und Beteiligungen ist die Bindung vertraglich: Vor Laufzeitende kommt man gar nicht oder nur mit Abschlag heraus. Bei Krypto, physischen Edelmetallen und Sammlerstücken ist sie steuerlich — verkaufen kann man jederzeit, aber innerhalb der Jahresfrist zu anderen Bedingungen. Bei Immobilien sind es zehn Jahre. Die Spalte nennt in beiden Fällen den Zeitraum, ab dem ein Verkauf ohne Zusatzkosten möglich ist, nicht eine empfohlene Anlagedauer.

Steuer in Deutschland steht bewusst in Stichworten und ohne Prozentsätze. Entscheidend für den Vergleich ist nämlich nicht die Höhe, sondern das System: Abgeltungsteuer mit Abzug durch die Bank auf der einen Seite, persönlicher Einkommensteuersatz mit eigener Erklärung auf der anderen, dazwischen die Fälle nach § 23 EStG, in denen nach Ablauf einer Frist gar nichts anfällt. Wer eine Klasse mit automatischem Steuerabzug gewohnt ist und in eine ohne wechselt, übersieht leicht, dass die Erklärungspflicht mitwandert. Die konkreten Sätze und Freibeträge stehen bei den Steuern, durchrechnen lässt sich der Effekt im Steuerrechner.

Einlagensicherung ist die Spalte mit dem eindeutigsten Ergebnis: Sie greift bei Bankguthaben und sonst nirgends. Aktien, Fondsanteile und Anleihen sind keine Einlagen; P2P-Kredite und Kryptoguthaben ebenfalls nicht. Bei Fonds tritt an ihre Stelle das Sondervermögen, das vor der Insolvenz der Fondsgesellschaft schützt, aber nicht vor Kursverlusten. Alles Weitere dazu steht unter Zinsen & Anleihen.

Wie die Tabelle zu lesen ist

Zeilenweise, nicht spaltenweise

Die Reihenfolge der Zeilen ist keine Wertung. Sie folgt der Reihenfolge, in der die Klassen auf dieser Seite entstanden sind, und bleibt deshalb stabil, wenn später etwas hinzukommt. Wer die Tabelle von oben nach unten als Rangliste liest, liest etwas hinein, was nicht da ist.

Grün und rot markierte Zellen bedeuten ausschließlich: Dieses Merkmal wirkt für den Anleger entlastend oder belastend. Sie bedeuten nicht, dass die Klasse insgesamt gut oder schlecht ist. Eine lange Kapitalbindung ist rot markiert, weil sie Handlungsspielraum kostet — für Geld, das ohnehin zwanzig Jahre liegen soll, ist sie irrelevant. Umgekehrt ist die tägliche Handelbarkeit von Kryptowährungen grün markiert, obwohl genau diese Verfügbarkeit dazu verleitet, auf jede Bewegung zu reagieren. Die Markierung beschreibt die Eigenschaft, nicht ihre Wirkung in deinem Fall.

Sinnvoll ist der zeilenweise Blick: eine Klasse ansehen und prüfen, ob alle vier Antworten zu dem passen, wofür das Geld gedacht ist. Der häufigste Widerspruch, der dabei auffällt, ist immer derselbe — eine Anlage mit mehrjähriger Bindung für Geld, das als Rücklage gedacht war. Der zweithäufigste: eine Klasse ohne laufenden Ertrag, von der trotzdem monatliche Auszahlungen erwartet werden.

Auch der spaltenweise Blick hat einen Nutzen, aber einen anderen als erwartet. Er zeigt nicht, welche Klasse „gewinnt“, sondern wo die Unterschiede überhaupt groß genug sind, um eine Entscheidung zu tragen. Bei der Liquidität liegen zwischen börsentäglich und „Verkauf dauert Monate“ Welten. Bei den Kosten sind die Zahlen so unterschiedlich aufgebaut, dass ein direkter Vergleich zwischen einer Kostenquote und einer Handelsspanne ohne konkreten Fall gar nicht möglich ist.

Was diese Tabelle nicht leistet

Die Grenzen des Formats

Sie enthält keine Renditeangaben. Das ist kein Versäumnis. Historische Durchschnittsrenditen hängen so stark vom gewählten Zeitraum ab, dass sie in einer Tabellenzelle mehr behaupten als sie belegen. Wo eine Größenordnung nötig ist, gehört sie in eine Rechnung mit eigenen Annahmen — etwa im Sparplanrechner, in dem sich die Annahme jederzeit ändern lässt.

Sie enthält keine Rangfolge und keine Empfehlung. Es gibt keine beste Anlageklasse, weil die Frage ohne Zweck unvollständig ist. Dieselbe Eigenschaft ist je nach Vorhaben ein Vorteil oder ein Ausschlusskriterium: Die zehnjährige Bindung einer Beteiligung disqualifiziert sie als Notgroschen und ist für langfristig entbehrliches Kapital kein Argument.

Sie ersetzt die Einzelseiten nicht. Jede Zelle ist die Verdichtung mehrerer Absätze, und in dieser Verdichtung gehen Bedingungen verloren. „Ein Jahr bis zum steuerfreien Verkauf“ gilt bei Rohstoffen nur für physisches Metall, nicht automatisch für ETCs — was in der Zelle nur angedeutet, auf der Seite Rohstoffe & Edelmetalle aber ausgeführt ist. Die Verlinkung in der ersten Spalte ist deshalb kein Zierrat, sondern der eigentliche Weg durch diese Seite.

Und sie sagt nichts über Kombinationen. Anlageformen werden selten einzeln gehalten. Was zwei Klassen im Zusammenspiel ergeben — ob sie sich ergänzen oder dasselbe Risiko doppelt einkaufen —, lässt sich aus einer Zeile nicht ablesen. Die Tabelle beschreibt Bausteine, nicht das Gebäude.

Wer von hier aus tiefer einsteigen will, nimmt die Themenübersicht: Dort sind die Klassen zusätzlich nach Fragen sortiert, also nach dem Problem statt nach der Anlageform. Der Einstieg über die Fragen ist der schnellere Weg, wenn schon feststeht, was geklärt werden soll — etwa die Besteuerung von Erträgen, die bei ETFs & Fonds anders funktioniert als bei allen übrigen Klassen.

Risikohinweis

Diese Gegenüberstellung dient der Einordnung und ist weder eine Empfehlung für oder gegen eine Anlageform noch eine Rangfolge. Die Angaben sind verdichtet und ersetzen weder die verlinkten Einzelseiten noch eine steuerliche oder rechtliche Beratung. Höhere Ertragserwartungen gehen regelmäßig mit höherem Risiko einher, bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals.