P2P-Kredite
Autoinvest-Einstellungen
Von Philipp Busch Aktualisiert am
Ein Autoinvest nimmt keine Entscheidung ab — er wiederholt die, die man einmal getroffen hat, hundertfach. Die Einstellungen sind deshalb keine Bequemlichkeitsfrage, sondern die eigentliche Anlagestrategie.
Was die Automatik tatsächlich entscheidet
Die Oberfläche legt nahe, dass ein Autoinvest vor allem Zeit spart. Das stimmt, beschreibt aber die Nebenwirkung. Was er wirklich tut, ist eine Anlagestrategie in Regeln zu übersetzen und diese ohne Ausnahme anzuwenden — auf jeden verfügbaren Kredit, bei jedem Rückfluss, über Jahre.
Daraus folgt der Maßstab für die Einstellungen: Sie sollten die Fragen beantworten, die man sonst bei jedem einzelnen Kredit stellen würde. Alles andere ist Feinjustierung.
| Einstellung | Wirkt auf | Gewicht |
|---|---|---|
| Höchstbetrag je Kredit | Gleichgewichtung und damit die Streuung | entscheidend |
| Kreditart und Laufzeit | Risikoprofil und Rückflussverhalten | hoch |
| Zinsspanne | Auswahl innerhalb des Segments | mittel |
| Anbahner-Auswahl | Konzentration auf der zweiten Ebene | hoch, meist übersehen |
| Portfoliogröße insgesamt | wann die Automatik aufhört zu kaufen | gering |
Der Höchstbetrag je Kredit
Streuung entsteht nicht durch viele Kredite, sondern durch viele gleich große Kredite. Genau das erzeugt diese Einstellung — und sie ist die einzige, die es tut.
Die Rechnung ist einfach: Anlagesumme geteilt durch den gewünschten Höchstanteil je Position. Wer 5.000 Euro anlegt und keine Position über 0,5 Prozent haben will, setzt den Betrag auf 25 Euro. Wer ihn stattdessen auf 100 Euro setzt, landet bei fünfzig Positionen zu je zwei Prozent — ein Ausfall kostet dann ein Fünftel der Jahresrendite.
Der Fehler passiert meist aus Ungeduld: Ein hoher Betrag legt das Geld schneller an. Er tut das, indem er die Streuung aufgibt, für die man die Anlageklasse überhaupt in vielen kleinen Anteilen kauft — siehe Streuung in P2P-Portfolios.
Warum ein Mindestzins das Gegenteil bewirkt
Die Einstellung wirkt intuitiv: höherer Mindestzins, höhere Rendite. In einem Markt, in dem der Zins eine Risikoeinstufung ist, filtert sie aber nach Risiko, nicht nach Ertrag.
Wer einen Mindestzins von zwölf Prozent setzt, schließt alle besser eingestuften Kredite aus und kauft ausschließlich das riskanteste Segment. Die erwartete Bruttorendite steigt, die erwarteten Ausfälle steigen mit — und ob unter dem Strich mehr übrig bleibt, ist offen.
Sinnvoller ist eine beidseitige Spanne. Die Untergrenze schließt Kredite aus, deren Ertrag den Aufwand und das verbleibende Risiko nicht lohnt; die Obergrenze schließt die Ausreißer aus, bei denen der Anbahner selbst signalisiert, dass er unsicher ist. Was am Ende von einem Zins übrig bleibt, rechnet der P2P-Nettorendite-Rechner.
Die Anbahner-Einstellung, die die meisten übersehen
Auf Plattformen, die Kredite mehrerer Anbahner vermitteln, entscheidet der Autoinvest implizit über die Verteilung auf diese Anbahner — meist nach Verfügbarkeit. Wer besonders viele Kredite anbietet, bekommt besonders viel Kapital.
Das ist die falsche Auswahlregel, denn das Angebot eines Anbahners sagt nichts über seine Bonität und viel über sein Wachstumstempo. Wo die Plattform es zulässt, gehört deshalb eine ausdrückliche Begrenzung je Anbahner in die Einstellungen — sie ist auf der zweiten Risikoebene das, was der Höchstbetrag auf der ersten ist.
Was regelmäßig zu prüfen ist
- Was wurde tatsächlich gekauft? Ein Blick auf die letzten fünfzig Positionen zeigt mehr als jede Regelprüfung.
- Wie viel Geld liegt ungenutzt? Dauerhaft freies Kapital bedeutet, dass die Filter enger sind als das Angebot — siehe Cash Drag.
- Sind neue Anbahner dazugekommen? Sie werden in bestehenden Regeln oft automatisch mitgekauft.
- Passt der Höchstbetrag noch? Er sollte mit dem Portfolio wachsen — sonst sinkt die Positionszahl relativ.
- Soll überhaupt weiter gekauft werden? Wer den Bestand abbauen will, muss die Automatik zuerst abschalten, siehe Ausstieg aus P2P.
Der Fehler, den fast alle einmal machen
Ein Autoinvest wird typischerweise einmal eingerichtet und dann nie wieder angefasst. Das ist auch der Sinn der Sache — mit einer Ausnahme: Die Regeln bleiben, das Angebot ändert sich.
Nimmt eine Plattform neue Anbahner auf, ändert ihre Zinsstruktur oder führt eine neue Kreditart ein, kauft eine bestehende Regel diese automatisch mit, sofern die Filter sie nicht ausdrücklich ausschließen. Nach zwei Jahren enthält das Portfolio dann Kredite, für die man sich nie entschieden hat — und die Entscheidung fiel nicht durch Nachlässigkeit, sondern durch eine Regel, die zum Zeitpunkt ihrer Formulierung vollständig war.
Die Gegenmaßnahme ist unspektakulär: einmal im Jahr die letzten Neuanlagen durchsehen. Eine Liste von fünfzig Positionen mit Anbahner, Kreditart und Zins zeigt in zwei Minuten, ob die Automatik noch das tut, wofür sie eingerichtet wurde.
Der zweite Fehler betrifft die Portfoliogröße. Viele Plattformen erlauben eine Obergrenze, ab der nicht mehr gekauft wird. Wer sie setzt und vergisst, sammelt bei steigendem Bestand still wachsendes Guthaben an — der Effekt steht unter Cash Drag und Liquidität.
Wer mehrere Regeln parallel laufen lässt — etwa eine je Kreditart — sollte zusätzlich deren Zusammenspiel prüfen. Sie greifen auf dasselbe Guthaben zu, und je nach Plattform bedient sich die zuerst passende. Aus zwei sauber gedachten Regeln wird dann eine Reihenfolge, die niemand festgelegt hat.
Wo sich das nicht ausdrücklich steuern lässt, hilft die einfachere Lösung: eine Regel statt mehrerer, dafür mit weiter gefassten Filtern und einem festen Höchstbetrag je Position.
Welche Einstellungen zur Verfügung stehen, unterscheidet sich je Plattform erheblich; die genannten Kategorien beschreiben verbreitete Muster. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.
Häufige Fragen
Was macht ein Autoinvest genau?
Er legt frei werdendes Geld nach festgelegten Regeln automatisch in neue Kredite an — nach Zins, Laufzeit, Kreditart und weiteren Filtern.
Er trifft damit die Auswahlentscheidung, die man sonst hunderte Male von Hand treffen müsste. Wie gut sie ausfällt, hängt vollständig an den eingestellten Regeln.
Welche Einstellung ist die wichtigste?
Der Höchstbetrag je Kredit. Er bestimmt die Gleichgewichtung des Portfolios und damit, ob Streuung überhaupt entsteht.
Alle anderen Filter verfeinern die Auswahl. Ohne Betragsgrenze entstehen dagegen einzelne große Positionen, die das Ergebnis dominieren.
Sollte man einen Mindestzins einstellen?
Ein Mindestzins wirkt anders als erwartet: Er filtert nicht die besten Kredite heraus, sondern die riskantesten hinein. Zinssätze sind Risikoeinstufungen.
Sinnvoller ist eine Ober- und Untergrenze — die Untergrenze gegen Kredite, die den Aufwand nicht lohnen, die Obergrenze gegen die Ausreißer.
Warum bleibt trotz Autoinvest Geld liegen?
Weil die Filter enger sind als das Angebot. Passt kein Kredit zu den Regeln, wartet das Geld — und verdient nichts.
Das ist kein Fehler der Einstellung, sondern ihre Konsequenz. Wer eng filtert, kauft Qualität mit ungenutzter Liquidität.
Wie oft sollte man die Einstellungen prüfen?
Mindestens dann, wenn sich das Angebot der Plattform ändert — neue Anbahner, neue Kreditarten, geänderte Zinsstruktur. Ein Autoinvest von vor drei Jahren kauft heute möglicherweise etwas anderes als gedacht.
Ein jährlicher Blick auf die tatsächlich gekauften Kredite zeigt schneller als jede Regelprüfung, ob die Einstellung noch tut, was sie soll.
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