P2P-Kredite
Kreditarten im P2P
Von Philipp Busch Aktualisiert am
„P2P" beschreibt den Vertriebsweg, nicht das Produkt. Hinter derselben Oberfläche stecken Kreditarten, die sich in Laufzeit, Sicherheit und Rückzahlung so stark unterscheiden, dass ein gemeinsamer Renditevergleich wenig aussagt.
Die drei Grundtypen
| Typ | Laufzeit | Rückzahlung | Sicherheit |
|---|---|---|---|
| Konsumkredit | Monate bis wenige Jahre | annuitätisch, monatlich | keine |
| Immobilien- oder Projektkredit | ein bis drei Jahre | meist endfällig | Grundpfandrecht |
| Geschäftskredit | ein bis fünf Jahre | gemischt | Bürgschaft, Sicherungsübereignung oder keine |
Die dritte Spalte ist die unterschätzte. Sie entscheidet nicht über die Höhe des Risikos, sondern über seinen zeitlichen Verlauf — und damit darüber, wann man merkt, dass etwas schiefgeht.
Annuitätisch oder endfällig — der eigentliche Unterschied
Ein annuitätischer Kredit zahlt vom ersten Monat an Kapital zurück. Nach der Hälfte der Laufzeit steht nur noch ein Teil des Betrags im Risiko, und Zahlungsstörungen zeigen sich früh: Eine ausbleibende Rate ist ein Signal, lange bevor der Kredit endgültig ausfällt.
Ein endfälliger Kredit verhält sich umgekehrt. Während der gesamten Laufzeit fließen nur Zinsen, das Kapital bleibt vollständig im Risiko, und der Kreditnehmer kann die Zinsen bedienen, obwohl das dahinterliegende Projekt längst nicht mehr trägt. Sichtbar wird das erst am Rückzahlungstermin — und dann auf einen Schlag.
| Nach 18 von 36 Monaten | Annuitätisch | Endfällig |
|---|---|---|
| Kapital noch im Risiko | rund die Hälfte | der volle Betrag |
| Frühwarnzeichen bisher | ausgebliebene Raten | keine, solange Zinsen fließen |
| Wiederanlagebedarf | laufend | keiner |
Die letzte Zeile zeigt die Kehrseite: Wer laufend Kapital zurückbekommt, muss es laufend wieder anlegen — sonst entsteht ungenutzte Liquidität, die die Rendite drückt. Der Effekt steht unter Cash Drag.
Was „besichert" tatsächlich bedeutet
Eine Sicherheit ist ein Anspruch auf einen Gegenstand, nicht auf Geld. Ob daraus im Ernstfall Geld wird, hängt an drei Angaben, die im Exposé der Plattform oft fehlen:
- Rang. Ein zweitrangiges Grundpfandrecht wird erst bedient, wenn der erste Rang vollständig befriedigt ist — bei einem Notverkauf bleibt davon oft nichts.
- Bewertungsgrundlage. Der Wert eines fertigen Objekts und der eines Grundstücks mit Baugenehmigung sind zwei verschiedene Zahlen. Verwertet wird der Zustand, in dem sich das Projekt befindet — nicht der geplante Endzustand.
- Beleihungsquote. Sie sagt, wie viel Puffer zwischen Kreditbetrag und Sicherheitenwert liegt. Ohne sie ist die Angabe „besichert" eine Behauptung.
Dazu kommt die Zeit. Eine Verwertung dauert Monate bis Jahre, und in dieser Zeit fließen weder Zinsen noch Kapital. Selbst eine erfolgreiche Verwertung senkt deshalb die Rendite spürbar — die Systematik dazu steht unter Nettorendite berechnen.
Warum der Zins die Kreditart verrät
Zinssätze sind auf P2P-Plattformen keine Verhandlungsergebnisse, sondern Risikoeinstufungen. Wer den Zins liest, liest damit indirekt die Einschätzung des Anbahners — und die ist nicht neutral, weil dieser an der Vermittlung verdient.
Nützlich ist die Zahl trotzdem: Ein deutlich höherer Zins als bei vergleichbaren Krediten derselben Art bedeutet eine schlechtere Einstufung, kein besseres Angebot. Wer innerhalb einer Plattform nach Rendite sortiert und von oben kauft, sammelt systematisch die riskantesten Kredite ein.
Was daraus für die Zusammenstellung folgt
- Kreditarten getrennt bewerten. Ein Durchschnittszins über Konsum- und Projektkredite hinweg beschreibt kein Portfolio, sondern verdeckt zwei.
- Endfällige Kredite kleiner gewichten. Das Klumpenrisiko je Position ist dort größer, weil das volle Kapital bis zum Schluss aussteht.
- Bei Projekten die Anzahl begrenzt halten — dafür jede einzelne Unterlage lesen. Bei Konsumkrediten ist es umgekehrt: viele kleine Anteile, keine Einzelprüfung.
- Rückkaufgarantien nicht mit Sicherheiten verwechseln. Beide klingen ähnlich und wirken völlig unterschiedlich — siehe Ausfallquote und Rückkaufgarantie.
Warum Laufzeit und Risiko nicht dasselbe sind
Kurze Laufzeiten gelten intuitiv als sicherer. Bei P2P stimmt das nur halb, und die Verwechslung führt regelmäßig zu falschen Portfolios.
Eine kurze Laufzeit senkt die Bindungsdauer, nicht die Ausfallwahrscheinlichkeit. Ein zwölfmonatiger Konsumkredit an einen schwach eingestuften Kreditnehmer kann riskanter sein als ein dreijähriger, gut besicherter Projektkredit — die Laufzeit sagt darüber nichts.
Was sie dagegen bestimmt, ist die Geschwindigkeit, mit der sich ein Portfolio umschlagen lässt. Kurze Kredite geben Kapital schnell zurück und erlauben es, Fehleinschätzungen ohne Zweitmarkt zu korrigieren. Lange Kredite binden das Kapital — und wer aussteigen will, ist auf einen Käufer angewiesen, siehe Zweitmarkt und Liquidität.
Für die Zusammenstellung folgt daraus eine einfache Trennung: Die Kreditart bestimmt das Risiko, die Laufzeit bestimmt die Flexibilität. Beide Fragen sollten getrennt beantwortet werden, statt sie in einer einzigen Filterregel zu vermischen — wie sich das einstellen lässt, steht unter Autoinvest-Einstellungen.
Praktisch bewährt hat sich, die Kreditarten als getrennte Teilportfolios zu führen und für jedes eine eigene Obergrenze zu setzen. Dann lässt sich am Jahresende auch getrennt auswerten, welcher Teil das Ergebnis getragen hat — eine Zahl, die eine Gesamtrendite über alle Kreditarten hinweg systematisch verdeckt.
Der Aufwand dafür ist gering, weil die Plattformen die Zuordnung ohnehin mitliefern. Was fehlt, ist meist nur die Bereitschaft, zwei Zahlen statt einer anzusehen — und die Erkenntnis, dass ein guter Durchschnitt aus einem sehr guten und einem sehr schlechten Teil bestehen kann.
Was Ausfälle, Verwertung und Steuer aus einem beworbenen Zins machen, rechnet der P2P-Nettorendite-Rechner. Wie das Risiko über Ebenen verteilt ist, steht unter Streuung in P2P-Portfolios.
Die Angaben zu Laufzeiten und Strukturen beschreiben verbreitete Muster, keine verbindlichen Standards — die konkrete Ausgestaltung steht in den Unterlagen des jeweiligen Kredits. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.
Häufige Fragen
Welche Kreditarten gibt es auf P2P-Plattformen?
Im Wesentlichen drei: unbesicherte Konsumkredite, besicherte Immobilien- und Projektkredite sowie Geschäfts- und Betriebsmittelkredite. Sie unterscheiden sich in Laufzeit, Sicherheit und Rückzahlungsprofil grundlegend.
Die Zinssätze bilden diese Unterschiede ab. Ein hoher Zins ist deshalb keine Auszeichnung, sondern eine Einordnung — er sagt, in welchem Segment man sich befindet.
Sind besicherte Kredite die sicherere Wahl?
Nur, wenn die Sicherheit im Ernstfall auch verwertbar ist. Eine Grundschuld auf ein halbfertiges Projekt ist rechtlich eine Sicherheit und wirtschaftlich oft wenig wert.
Entscheidend sind Rang, Bewertungsgrundlage und Beleihungsquote. Ohne diese drei Angaben ist die Aussage „besichert" ohne Informationsgehalt.
Warum sind Konsumkredite so kurz?
Weil sie annuitätisch zurückgezahlt werden: Jede Monatsrate enthält Zins und Tilgung. Das Kapital fließt dadurch von Anfang an zurück und muss laufend wieder angelegt werden.
Das ist gleichzeitig Vorteil und Nachteil — die Bindung ist kurz, aber der Wiederanlagebedarf dauerhaft.
Was ist ein endfälliger Kredit?
Ein Kredit, bei dem während der Laufzeit nur Zinsen fließen und das Kapital erst am Ende zurückgezahlt wird. Projektkredite sind meist so gebaut.
Das Risiko konzentriert sich damit auf einen einzigen Termin: Bis dahin sieht alles planmäßig aus, und die Wahrheit zeigt sich erst bei Fälligkeit.
Welche Kreditart passt zu welchem Anleger?
Wer laufenden Rückfluss und breite Streuung will, landet bei Konsumkrediten in vielen kleinen Anteilen. Wer größere Beträge mit weniger Positionen anlegt, bei besicherten Projekten.
Beides lässt sich mischen, sollte aber getrennt bewertet werden — die Risiken sind nicht vom selben Typ.
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