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Zinsen & Anleihen

Zinserträge versteuern

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Zinsen sind steuerlich der schlechteste Ertrag, den es gibt: voll steuerpflichtig, ohne Teilfreistellung, jährlich fällig. Wer den Zinssatz mit einer Fondsrendite vergleicht, vergleicht zwei verschiedene Größen.

Der Grundfall

Zinsen aus Tagesgeld, Festgeld und Anleihen gehören zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Darauf fallen 25 % Abgeltungsteuer an (§ 32d Abs. 1 Satz 1 EStG), dazu der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf die Steuer (§ 4 Satz 1 SolZG) und, wenn kirchensteuerpflichtig, die Kirchensteuer.

Ohne Kirchensteuer ergibt das eine Gesamtbelastung von 26,375 % des Ertrags. Bei Kirchensteuerpflicht liegt sie je nach Bundesland bei knapp 28 Prozent — die Kirchensteuer mindert dabei die Bemessungsgrundlage der Abgeltungsteuer.

Ertragsart Steuerpflichtiger Anteil Belastung ohne Kirchensteuer
Zinsen 100 % 26,375 %
Anleihekupons 100 % 26,375 %
Aktienfonds 70 % (30 % freigestellt) 18,46 %
Mischfonds ab 25 % Aktien 85 % 22,42 %

Die Sätze und Beträge, die dahinterstehen, gelten für 2026 unverändert:

Satz oder Betrag 2026 Fundstelle
Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge 25 % § 32d Abs. 1 Satz 1 EStG Geprüft 30.07.2026
Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungsteuer 5,5 % § 4 Satz 1 SolZG 1995 Geprüft 30.07.2026
Sparerpauschbetrag je Person 1.000 € § 20 Abs. 9 Satz 1 EStG Geprüft 30.07.2026
Sparerpauschbetrag bei Zusammenveranlagung 2.000 € § 20 Abs. 9 Satz 2 EStG Geprüft 30.07.2026
Teilfreistellung Aktienfonds 30 % § 20 Abs. 1 Satz 1 InvStG Geprüft 30.07.2026
Teilfreistellung Mischfonds 15 % § 20 Abs. 2 InvStG Geprüft 30.07.2026

Quellen: Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de) und Bundesministerium der Finanzen · Stand 03.08.2026

Die dritte Spalte erklärt, warum ein Zinssatz von 4 Prozent nicht mit einer Fondsrendite von 4 Prozent gleichzusetzen ist. Nach Steuern bleiben im ersten Fall knapp 2,95 Prozent, im zweiten rund 3,26 Prozent.

Zerlegung von 1.000 Euro Kapitalertrag ohne Teilfreistellung: 250,00 € Abgeltungsteuer und 13,75 € Solidaritätszuschlag gehen ab, 736,25 € bleiben übrig.
Zinsen und Dividenden aus Einzelwerten kennen keine Teilfreistellung — von 1.000 € bleiben 736,25 €. CC BY 4.0

Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag

Vor der Steuer steht der Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro je Person und Jahr, für zusammen veranlagte Ehepaare das Doppelte. Er gilt für alle Kapitalerträge zusammen — Zinsen, Dividenden, Fondsausschüttungen und Kursgewinne teilen sich denselben Betrag. Er wird nicht automatisch berücksichtigt: Eine inländische Bank behält Steuer ein, solange kein Freistellungsauftrag vorliegt.

Wer mehrere Banken nutzt, verteilt den Betrag auf Aufträge — die Summe darf den Pauschbetrag nicht überschreiten. Praktisch sinnvoll ist es, dort freizustellen, wo die Erträge tatsächlich anfallen. Bei einer Zinstreppe über mehrere Institute heißt das: den Auftrag jährlich nachjustieren.

Konten im Ausland

Die höchsten Zinsen kommen oft von Banken aus dem EU-Ausland. Diese führen keine deutsche Abgeltungsteuer ab. Die Erträge sind trotzdem steuerpflichtig und gehören in die Anlage KAP.

Zwei Folgen daraus. Erstens fließt der Zins zunächst brutto, die Steuer folgt später — was den Ertrag optisch aufwertet, ohne ihn zu erhöhen. Zweitens kann ausländische Quellensteuer anfallen, die im Rahmen der Doppelbesteuerungsabkommen anrechenbar ist. Sicherheitsseitig gelten dieselben Grenzen wie im Inland, siehe Einlagensicherung.

Besonderheiten bei Anleihen

Kupons werden zum Zahlungszeitpunkt als Kapitalertrag erfasst. Kursgewinne werden erst bei Verkauf oder Fälligkeit steuerlich wirksam — auch wenn sie wirtschaftlich Teil der Rendite bis Fälligkeit sind, die von Anfang an feststand.

Gezahlte Stückzinsen werden beim Kauf gegengerechnet, sodass am Ende nur der eigene Ertragsanteil versteuert wird. Kursverluste aus Anleihen sind mit anderen Kapitalerträgen verrechenbar; beim tatsächlichen Ausfall einer Forderung ist die Verrechnung eingeschränkt — dasselbe Problem, das P2P-Kredite steuerlich so unangenehm macht.

Was daraus für die Planung folgt

Nachrechnen

Die Belastung eines konkreten Zinsertrags rechnet der Steuerrechner aus; die Wirkung über die gesamte Laufzeit zeigt der Zinsrechner. Die Systeme in Österreich und der Schweiz stehen unter Steuern nach Ländern.

Der Vergleich, den die Steuer verschiebt

Ein Zinssatz und eine Fondsrendite sehen wie dieselbe Größe aus und sind es nicht. Der Unterschied entsteht nicht beim Steuersatz — der ist derselbe — sondern bei der Bemessungsgrundlage und beim Zeitpunkt.

Ertragsart Steuerpflichtig Effektiver Satz Fällig
Zinsen 100 % 26,38 % jährlich bei Zufluss
Aktienfonds, ausschüttend 70 % 18,46 % jährlich bei Ausschüttung
Aktienfonds, thesaurierend 70 % 18,46 % überwiegend erst beim Verkauf

Aus drei Prozent Zinsen werden nach Steuer 2,21 Prozent. Aus drei Prozent Fondsrendite werden 2,45 Prozent — bei gleichem Steuersatz. Der Unterschied ist die Teilfreistellung, und er wächst mit der Höhe des Ertrags.

Schwerer wiegt aber die letzte Spalte. Wer Zinsen erhält, versteuert jedes Jahr und legt nur den Rest wieder an. Bei einem thesaurierenden Fonds bleibt der Ertrag überwiegend im Fonds und arbeitet weiter; nur ein kleiner Teil wird über die Vorabpauschale vorgezogen. Über lange Zeiträume ist dieser Stundungseffekt der größere Hebel — nicht der Steuersatz.

Ab welchem Guthaben überhaupt Steuer anfällt

Die häufigste Frage zu diesem Thema lautet nicht, wie hoch die Steuer ist, sondern ab wann sie überhaupt greift. Das ist keine Steuerfrage, sondern eine Division: Sparerpauschbetrag geteilt durch den Zinssatz.

Zinssatz steuerfrei bis zusammenveranlagt
2,0 % 50.000 € 100.000 €
2,5 % 40.000 € 80.000 €
3,0 % 33.333 € 66.667 €
3,5 % 28.571 € 57.143 €
4,0 % 25.000 € 50.000 €

Eigene Berechnung: Sparerpauschbetrag von 1.000 € geteilt durch den Zinssatz, bei Zusammenveranlagung mit dem doppelten Betrag. Gerechnet ist ein Konto; wer mehrere führt, verteilt den Pauschbetrag über Freistellungsaufträge.

Die Zahlen erklären, warum das Thema für viele lange keines war. Bei einem Zinssatz von einem halben Prozent hätte es rund 200.000 Euro gebraucht, um den Pauschbetrag auszuschöpfen. Bei drei Prozent reichen 33.333 € — ein Betrag, der auf einem Tagesgeldkonto keine Seltenheit ist.

Oberhalb der Schwelle wird nur der überschießende Teil besteuert, nicht der ganze Zins. Bei 60.000 € zu 3 % entstehen 1.800 € Zinsen; davon bleiben 1.000 € frei, steuerpflichtig sind 800 €. Die Steuer darauf beträgt 211,00 € — bezogen auf den gesamten Zinsertrag sind das 11,7 %, nicht die vollen 26,375 %.

Dieser Unterschied zwischen Grenz- und Durchschnittsbelastung ist der Grund, warum die Rede vom „Viertel für den Staat" bei kleineren Guthaben in die Irre führt.

Der Fehlerfall

Der teuerste Fehler ist der verteilte Freistellungsauftrag, der nicht zur Verteilung des Geldes passt. Wer bei drei Banken je ein Drittel des Pauschbetrags hinterlegt, das Geld aber auf einem Konto liegen hat, lässt zwei Drittel ungenutzt — und zahlt Steuer, die er über die Erklärung zurückholen muss.

Der zweite Fehler betrifft den Zeitpunkt. Ein Freistellungsauftrag wirkt erst ab Erteilung; für Zinsen, die vorher gutgeschrieben wurden, ändert er nichts mehr. Bei Festgeld mit Zinszahlung am Ende der Laufzeit fällt das erst Jahre später auf.

Der dritte ist das Auslandskonto ohne Zahlstelle: Dort behält niemand etwas ein, und die Zinsen gehören in die Anlage KAP. Wer das übersieht, hat keine Steuerersparnis, sondern eine unvollständige Erklärung.

Sonderfälle

Gemeinschaftskonto. Der Freistellungsauftrag lässt sich nur gemeinsam von beiden Kontoinhabern erteilen, und er wirkt dann mit dem doppelten Pauschbetrag. Einzeln erteilte Aufträge greifen für ein Gemeinschaftskonto nicht.

Nichtveranlagungsbescheinigung. Wer insgesamt unter dem Grundfreibetrag bleibt, kann den Steuerabzug vollständig vermeiden statt ihn nur bis zum Pauschbetrag zu begrenzen — der Weg dafür steht unter Nichtveranlagungsbescheinigung.

Zinsen aus dem Vorjahr. Maßgeblich ist der Zufluss, nicht der Zeitraum, für den die Zinsen gezahlt werden. Ein Festgeld über drei Jahre mit Zinszahlung am Ende bündelt drei Jahresbeträge in einem Veranlagungszeitraum — und schiebt sie damit womöglich über den Pauschbetrag, den jährliche Zahlungen dreimal genutzt hätten.

Stückzinsen. Beim Kauf einer Anleihe gezahlte Stückzinsen mindern im selben Jahr die Kapitalerträge. Sie sind kein Werbungskostenabzug, der nach § 20 Abs. 9 EStG ausgeschlossen wäre, sondern ein negativer Ertrag.

Hinweis

Steuerliche Angaben beziehen sich auf Privatanleger in Deutschland und den aktuellen Rechtsstand. Sie sind allgemeine Information und keine Steuer- oder Anlageberatung; für den Einzelfall ist steuerlicher Rat einzuholen.

Rechtsquellen

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 10.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Kirchensteuer, Zinsen im Betriebsvermögen und die Behandlung von Erträgen aus Auslandskonten in der Veranlagung sind hier nur im Grundsatz dargestellt.

Häufige Fragen

Wie werden Zinserträge in Deutschland besteuert?

Zinsen zählen zu den Einkünften aus Kapitalvermögen und unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % nach § 32d Abs. 1 EStG, zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag auf diese Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Ohne Kirchensteuer ergibt das 26,375 % des Ertrags.

Eine Teilfreistellung wie bei Aktienfonds gibt es nicht. Zinsen werden in voller Höhe erfasst — das macht sie steuerlich zur unattraktivsten Ertragsart.

Wie hoch ist der Sparerpauschbetrag?

Der Sparerpauschbetrag beträgt 1.000 Euro je Person und Jahr, bei zusammen veranlagten Ehepaaren das Doppelte.

Er gilt für alle Kapitalerträge gemeinsam, nicht je Konto oder Depot. Wer ihn bereits mit Fondserträgen ausgeschöpft hat, versteuert Zinsen vom ersten Euro an.

Muss ich Zinsen von ausländischen Banken selbst erklären?

Ja. Ausländische Institute behalten keine deutsche Abgeltungsteuer ein. Die Erträge gehören in die Anlage KAP der Steuererklärung und werden dort nachversteuert.

Die Steuerpflicht entsteht unabhängig davon, ob das Geld nach Deutschland überwiesen wird. Wer sie übersieht, riskiert eine Nachforderung samt Zinsen.

Was ist ein Freistellungsauftrag?

Ein Freistellungsauftrag weist eine inländische Bank an, Kapitalerträge bis zu einem angegebenen Betrag ohne Steuerabzug auszuzahlen. Die Summe aller Aufträge darf den Sparerpauschbetrag nicht übersteigen.

Ohne Auftrag wird ab dem ersten Euro einbehalten. Zurückholen lässt sich das über die Steuererklärung, aber erst im Folgejahr.

Werden Kursgewinne bei Anleihen anders behandelt als Kupons?

Steuerlich nicht: Beides sind Kapitalerträge zum gleichen Satz. Der Unterschied liegt im Zeitpunkt — Kupons werden laufend erfasst, Kursgewinne erst bei Verkauf oder Fälligkeit.

Kursverluste aus Anleihen sind mit anderen Kapitalerträgen verrechenbar. Bei einem Ausfall des Emittenten ist die Verrechnung dagegen eingeschränkt.