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Zinsen & Anleihen

Rendite bis Fälligkeit

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Der Kupon steht auf dem Papier, der Kurs im Kursblatt — und beide sagen einzeln nichts über den Ertrag. Erst zusammengerechnet ergeben sie die Rendite, mit der ein Vergleich möglich ist.

Warum der Kupon nicht reicht

Eine Anleihe mit 4 Prozent Kupon bringt jährlich 40 Euro auf 1.000 Euro Nennwert. Was das wert ist, entscheidet der Preis. Wer für diesen Zahlungsstrom 900 Euro zahlt, macht ein anderes Geschäft als jemand, der 1.100 Euro zahlt — bei identischem Kupon.

Hinzu kommt die Rückzahlung. Am Laufzeitende fließt der Nennwert, nicht der Kaufpreis. Aus einem Kauf unter Nennwert entsteht dadurch ein zusätzlicher Gewinn, aus einem Kauf über Nennwert ein Verlust. Die Grundlagen dazu stehen unter Kupon, Kurs, Nennwert.

Übersicht der drei Zahlen bei einer Anleihe: Der Kupon nennt die Zinszahlung bezogen auf den Nennwert, die laufende Verzinsung bezieht sie auf den Kaufkurs, und die Rendite bis Fälligkeit berücksichtigt zusätzlich Kursgewinn oder -verlust bis zur Rückzahlung.
Drei Zahlen, drei Aussagen — nur die letzte beantwortet die Frage nach dem Ertrag. CC BY 4.0

Drei Zahlen, drei Aussagen

Für dieselbe Anleihe — 4 Prozent Kupon, 10 Jahre Restlaufzeit — verändert allein der Kurs das Bild vollständig:

Kurs Kaufpreis Laufende Rendite Rendite bis Fälligkeit
90 % 900 € 4,44 % 5,31 %
100 % 1.000 € 4,00 % 4,00 %
110 % 1.100 € 3,64 % 2,84 %

Beim Kauf zum Nennwert stimmen alle drei Zahlen überein — das ist der Sonderfall, an dem sich die Rechnung prüfen lässt. Unter Nennwert zieht der Kursgewinn die Rendite über den Kupon, über Nennwert zieht der Kursverlust sie darunter.

Der Effekt wird stärker, je kürzer die Restlaufzeit ist. Dieselben 10 Prozent Kursabschlag müssen sich bei drei Jahren Restlaufzeit auf drei Jahre verteilen statt auf zehn: Die Rendite bis Fälligkeit springt dann auf rund 7,9 Prozent.

Wie die Zahl entsteht

Die Rendite bis Fälligkeit ist der Zinssatz, bei dem der Barwert aller künftigen Zahlungen genau dem Kaufpreis entspricht. Sie lässt sich nicht direkt umstellen, sondern nur durch Annäherung bestimmen — Rechner probieren Werte, bis Barwert und Preis übereinstimmen.

Für eine Überschlagsrechnung genügt: Kupon plus jährlich anteiliger Kursgewinn, geteilt durch den Kaufpreis. Bei 40 Euro Kupon, 100 Euro Kursgewinn über zehn Jahre und 900 Euro Kaufpreis ergibt das etwa 5,6 Prozent — nahe am exakten Wert von 5,31 Prozent.

Die Näherung überschätzt leicht, weil sie den Kursgewinn gleichmäßig verteilt, obwohl er erst am Ende anfällt. Für den Vergleich zweier Papiere reicht sie, für die Entscheidung sollte gerechnet werden.

Was die Zahl nicht verspricht

Sie gilt nur, wenn die Anleihe bis zum Ende gehalten wird. Wer vorher verkauft, realisiert den Kurs des Verkaufstags — und der hängt am dann geltenden Zinsniveau. Wie stark, beschreibt die Duration.

Sie unterstellt außerdem, dass jeder Kupon erneut zu dieser Rendite angelegt wird. Diese Wiederanlageannahme ist der gleiche stille Rechenfehler, der auch bei anderen Anlageformen auftritt: Bei P2P-Krediten heißt er Wiederanlageverzug.

Und sie ist eine Bruttogröße. Kupons und Kursgewinne sind steuerpflichtig, die Inflation zehrt zusätzlich an der Kaufkraft. Was übrig bleibt, steht unter Realzins statt Nominalzins.

Nachrechnen

Kaufpreis, laufende Rendite und Rendite bis Fälligkeit für eine eigene Kombination aus Kupon, Kurs und Restlaufzeit liefert der Anleihenteil des Zinsrechners.

Wenn eine hohe Rendite eine Warnung ist

Die Rendite bis Fälligkeit hat eine Eigenschaft, die im Aktienbereich kein Gegenstück hat: Sie steigt, wenn der Markt schlechter über den Schuldner denkt. Ein fallender Kurs erhöht die Rendite rechnerisch — genau deshalb ist die höchste Zahl in einer Liste selten die beste Anlage.

Die Kennzahl unterstellt nämlich zwei Dinge, die sie selbst nicht prüft: dass alle Kupons pünktlich fließen und dass am Ende der volle Nennwert zurückgezahlt wird. Fällt der Schuldner aus, ist die berechnete Rendite gegenstandslos. Sie ist eine Rechnung unter der Annahme, dass alles gutgeht — nicht eine Erwartung, die das Ausfallrisiko einpreist.

Praktisch heißt das: Zwei Anleihen mit gleicher Laufzeit und unterschiedlicher Rendite sind nicht unterschiedlich gut, sondern unterschiedlich riskant. Der Abstand ist der Preis dieses Risikos, und wofür er bezahlt wird, steht unter Staats- oder Unternehmensanleihen.

Die zweite unausgesprochene Annahme betrifft die Wiederanlage: Die Zahl gilt nur, wenn die Kupons zum selben Satz wieder angelegt werden. In der Praxis passiert das nie — was den Vergleich zwischen zwei Anleihen nicht entwertet, aber die absolute Zahl relativiert.

Bei Anleihe-ETFs taucht die Kennzahl unter dem Namen Endfälligkeitsrendite des Portfolios auf — als gewichteter Durchschnitt der enthaltenen Papiere. Sie ist dort eine brauchbare Schätzung dessen, was der Fonds über die kommenden Jahre abwirft, aber kein Versprechen: Weil der Fonds laufend umschichtet, wird nie ein einzelnes Papier wirklich bis zur Fälligkeit gehalten. Steigen die Zinsen, sinkt der Kurs und die ausgewiesene Rendite steigt — die höhere Zahl beschreibt dann künftige Käufe, nicht den bestehenden Bestand.

Für den Vergleich zweier Anleihe-ETFs ist sie trotzdem die richtige Größe, sofern die Duration beider Fonds ähnlich ist. Andernfalls vergleicht man nicht zwei Produkte, sondern zwei Laufzeitentscheidungen.

Dieselbe Laufzeit, drei Kurse

Der Zusammenhang lässt sich an drei Anleihen zeigen, die sich nur im Kurs und im Kupon unterscheiden: fünf Jahre Restlaufzeit, 1.000 Euro Nennwert, sonst nichts Besonderes.

Fall Kupon Kurs laufende Rendite Rendite bis Fälligkeit
unter pari 2 % 92 % 2,17 % 3,79 %
zu pari 3 % 100 % 3,00 % 3,00 %
über pari 5 % 110 % 4,55 % 2,83 %

Eigene Berechnung, gegen feste Referenzwerte geprüft: 1.000 Euro Nennwert, fünf Jahre Restlaufzeit, jährliche Kuponzahlung, Rückzahlung zum Nennwert.

Die Tabelle liest sich von rechts nach links. Der Fall unter pari hat den niedrigsten Kupon von 2 Prozent und trotzdem die höchste Rendite: 3,79 Prozent. Der Grund steht in der Kursspalte — wer 920 Euro zahlt und 1.000 Euro zurückbekommt, verdient die Differenz zusätzlich zum Kupon.

Der Fall über pari zeigt das Gegenteil. Ein Kupon von 5 Prozent sieht attraktiv aus, und die laufende Rendite von 4,55 Prozent bestätigt das scheinbar. Tatsächlich bleiben 2,83 Prozent, weil die 100 Euro Aufgeld bis zur Fälligkeit verloren gehen.

Zwischen der laufenden Rendite und der Rendite bis Fälligkeit liegen in diesem Beispiel 1,72 Prozentpunkte — bei einer Anlage, die dieselbe Zahlungsreihe hat. Wer nach laufender Rendite sortiert, sortiert nach dem Aufgeld.

Der Fehlerfall

Der teuerste Fehler ist der Vergleich zweier Anleihen anhand des Kupons. Er sagt nur, was der Emittent auf den Nennwert zahlt — nicht, was der Käufer zum aktuellen Kurs bekommt. Zwischen beiden liegt genau der Kurs, und der ist der eigentliche Preis.

Der zweite Fehler ist die Annahme, die Rendite bis Fälligkeit sei eine Prognose. Gerechnet wird sie unter drei Bedingungen: Halten bis zur Fälligkeit, vollständige Zahlung durch den Emittenten und Wiederanlage der Kupons zur selben Rendite. Fällt eine Bedingung weg, stimmt die Zahl nicht mehr.

Der dritte betrifft Steuern. Die Rendite bis Fälligkeit ist eine Bruttogröße. Kupon und Kursgewinn unterliegen der Abgeltungsteuer, und zwar in voller Höhe — eine Teilfreistellung wie bei Aktienfonds gibt es hier nicht. Was davon bleibt, steht unter Zinsen versteuern.

Sonderfälle

Kündbare Anleihen. Darf der Emittent vorzeitig zurückzahlen, ist die Rendite bis Fälligkeit nur eine von mehreren möglichen. Gekündigt wird, wenn es dem Emittenten nützt — also bei gefallenen Zinsen, und damit genau dann, wenn die Wiederanlage schlechter ausfällt.

Nullkuponanleihen. Ohne laufenden Kupon gibt es keine laufende Rendite; der gesamte Ertrag steckt in der Differenz zwischen Kaufkurs und Rückzahlung. Die Wiederanlageannahme entfällt damit — das macht die Rendite bis Fälligkeit hier belastbarer als sonst.

Anleihen in Fremdwährung. Die Rendite gilt in der Währung der Anleihe. Der Wechselkurs zum Rückzahlungszeitpunkt kann sie vollständig aufzehren oder verdoppeln und ist in keiner der Kennzahlen enthalten.

Risikohinweis

Die Rendite bis Fälligkeit setzt voraus, dass der Emittent alle Zahlungen leistet. Sie ist keine zugesicherte Größe. Anleihen unterliegen keiner Einlagensicherung. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.

Rechtsquellen

  • § 20 EStG Einkünfte aus Kapitalvermögen; Absatz 9 regelt den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro je Person Bundesministerium der Justiz
  • § 32d EStG Gesonderter Steuertarif für Einkünfte aus Kapitalvermögen Bundesministerium der Justiz
  • § 20 InvStG Teilfreistellung Bundesministerium der Justiz
  • § 8 EinSiG Deckungssumme — 100.000 Euro je Einleger und CRR-Kreditinstitut Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 04.09.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab.

Häufige Fragen

Was ist die Rendite bis Fälligkeit?

Die Rendite bis Fälligkeit ist der Jahreszins, mit dem sich der heutige Kaufpreis einer Anleihe in alle künftigen Zahlungen auflöst — Kupons plus Rückzahlung des Nennwerts.

Sie fasst laufenden Zins und Kursgewinn oder Kursverlust in einer Zahl zusammen. Nur damit lassen sich Anleihen mit unterschiedlichen Kupons und Kursen vergleichen.

Wie unterscheidet sich die laufende Rendite von der Rendite bis Fälligkeit?

Die laufende Rendite ist nur der Kupon bezogen auf den Kaufpreis. Sie zeigt den jährlichen Zinsfluss, ignoriert aber, dass am Ende der Nennwert zurückkommt.

Bei einem Kurs unter 100 liegt die Rendite bis Fälligkeit über der laufenden Rendite, weil der Kursgewinn hinzukommt. Bei einem Kurs über 100 liegt sie darunter.

Welche Annahmen stecken in der Rendite bis Fälligkeit?

Erstens, dass der Emittent alle Zahlungen leistet. Zweitens, dass die Anleihe bis zum Ende gehalten wird. Drittens, dass jeder Kupon wieder zu genau dieser Rendite angelegt werden kann.

Die dritte Annahme ist die schwächste. Fällt das Zinsniveau, werden die Kupons schlechter wiederangelegt und das tatsächliche Ergebnis bleibt hinter der ausgewiesenen Rendite zurück.

Ist eine höhere Rendite bis Fälligkeit immer besser?

Nein. Ein Renditeaufschlag ist in der Regel die Vergütung eines höheren Risikos — schwächere Kreditwürdigkeit oder längere Bindung.

Zwei Anleihen mit gleicher Rendite können sehr unterschiedlich riskant sein. Der Vergleich ist nur innerhalb ähnlicher Laufzeiten und Ratingklassen aussagekräftig.

Gilt die Rendite bis Fälligkeit auch für Anleihen-ETFs?

Ein Anleihen-ETF hat kein Fälligkeitsdatum, weil er auslaufende Papiere fortlaufend ersetzt. Angegeben wird deshalb die durchschnittliche Rendite des Portfolios.

Diese Kennzahl ist eine Momentaufnahme des Bestands, keine Zusage. Ändert sich das Zinsniveau, ändert sich auch der Wert des Fonds — entsprechend seiner durchschnittlichen Duration.