Zinsen & Anleihen
Anleihen: Kupon, Kurs, Nennwert
Von Philipp Busch Aktualisiert am
Eine Anleihe ist ein Kredit, den du vergibst statt aufnimmst. Drei Zahlen beschreiben sie vollständig — und weil zwei davon fest sind und eine schwankt, entsteht der ganze Rest.
Die drei Größen
Der Nennwert ist der Betrag, den der Schuldner am Laufzeitende zurückzahlt. Der Kupon ist der feste Jahreszins, gerechnet auf diesen Nennwert. Der Kurs ist der Preis, den die Anleihe heute an der Börse hat — notiert in Prozent des Nennwerts.
Nennwert und Kupon stehen bei der Emission fest und ändern sich nie. Nur der Kurs bewegt sich. Aus dieser Asymmetrie folgt alles Weitere.
| Größe | Beispiel | Fest oder variabel |
|---|---|---|
| Nennwert | 1.000 € | Fest |
| Kupon | 4 % = 40 € pro Jahr | Fest |
| Restlaufzeit | 10 Jahre | Läuft ab |
| Kurs | 98 % = 980 € Kaufpreis | Variabel |
Was der Kurs mit dem Ertrag macht
Wer die Beispielanleihe zu 980 Euro kauft, erhält weiterhin 40 Euro Kupon pro Jahr — und am Ende 1.000 Euro zurück. Der Ertrag besteht damit aus zwei Teilen: den laufenden Zinszahlungen und 20 Euro Kursgewinn bei Fälligkeit.
Umgekehrt bei einem Kurs über 100: Wer 1.100 Euro zahlt, bekommt am Ende nur 1.000 Euro. Die 40 Euro Kupon werden durch 100 Euro Kursverlust geschmälert. Der Kupon allein sagt daher nichts über den Ertrag aus.
Die Zahl, die beide Teile zusammenfasst, ist die Rendite bis Fälligkeit. Sie ist die einzige Größe, mit der sich zwei Anleihen fair vergleichen lassen.
Warum der Kurs überhaupt schwankt
Der Markt bewertet jede Anleihe gegen die Alternative. Steigt das allgemeine Zinsniveau um einen Prozentpunkt, werden neu ausgegebene Anleihen mit höherem Kupon ausgestattet. Die alte Anleihe wird dadurch nicht schlechter — aber vergleichsweise unattraktiv.
Der Preis passt sich an, bis beide Papiere dieselbe Rendite bringen. Wie stark er dabei nachgeben muss, hängt an der Restlaufzeit: Je länger der niedrige Kupon noch läuft, desto größer der Abschlag. Diese Empfindlichkeit misst die Duration.
Der zweite Grund für Kursbewegungen ist die Kreditwürdigkeit des Schuldners. Zweifel an der Rückzahlung drücken den Kurs unabhängig vom Zinsniveau — bei Unternehmensanleihen deutlich sichtbarer als bei Staatspapieren solider Emittenten.
Stückzinsen und der Kauf zwischen zwei Terminen
Kupons werden zu festen Terminen gezahlt, meist jährlich oder halbjährlich. Wer zwischen zwei Terminen kauft, zahlt dem Verkäufer die bis dahin aufgelaufenen Stückzinsen.
Das ist reine Abgrenzung, kein Verlust: Mit der nächsten Kuponzahlung erhält der Käufer den vollen Jahresbetrag, also auch den vorgestreckten Teil. Der reine Kurs ohne diesen Anteil heißt Clean Price, der Gesamtbetrag Dirty Price.
Was Anleihen von Festgeld unterscheidet
Beides sind Forderungen mit festem Ertrag. Der Unterschied liegt in Handelbarkeit und Sicherung: Eine Anleihe kann jederzeit verkauft werden, aber zum Tageskurs. Ein Festgeld hat keinen Kurs, ist dafür aber bis zum Ende gebunden — und durch die Einlagensicherung geschützt, was für Anleihen nicht gilt.
Steuerlich werden beide gleich behandelt: Kupons sind Kapitalerträge, Kursgewinne bei Verkauf oder Fälligkeit ebenfalls. Näheres unter Zinserträge versteuern.
Kaufpreis, laufende Rendite und Rendite bis Fälligkeit für eine konkrete Kombination aus Kupon, Kurs und Restlaufzeit rechnet der Anleihenteil des Zinsrechners aus.
Warum der Kupon so oft falsch gelesen wird
Der häufigste Fehler beim Einstieg ist, den Kupon für die Rendite zu halten. Er ist ein fester Prozentsatz des Nennwerts — also des Betrags, der am Ende zurückgezahlt wird, nicht des Betrags, den man bezahlt hat.
Ein Beispiel macht den Unterschied greifbar. Eine Anleihe mit 1.000 Euro Nennwert und drei Prozent Kupon zahlt jedes Jahr 30 Euro, unabhängig vom Kurs. Wer sie zu 90 Prozent kauft, zahlt 900 Euro und bekommt dieselben 30 Euro — das sind 3,33 Prozent auf den Einsatz. Dazu kommen 100 Euro Kursgewinn bei Fälligkeit. Wer zu 110 kauft, zahlt 1.100 Euro für dieselben 30 Euro und verliert bei Fälligkeit 100 Euro.
| Kaufkurs | Einsatz | Kupon p. a. | Rückzahlung |
|---|---|---|---|
| 90 % | 900 € | 30 € | +100 € |
| 100 % | 1.000 € | 30 € | 0 € |
| 110 % | 1.100 € | 30 € | −100 € |
Deshalb ist der Kupon zum Vergleichen unbrauchbar und die Rendite bis Fälligkeit die einzig sinnvolle Kennzahl: Sie fasst Kupon, Kaufkurs und Rückzahlung in einer Zahl zusammen. Wie stark der Kurs unterwegs schwankt, hängt an der Duration.
Der zweite regelmäßige Stolperstein ist die Stückelung. Anleihen werden nicht in beliebigen Beträgen gehandelt, sondern in Vielfachen einer Mindeststückelung, die je nach Emission bei 1.000 Euro liegen kann — bei manchen institutionell ausgerichteten Papieren aber auch bei 100.000 Euro. Wer einzelne Anleihen kaufen will, muss also nicht nur den passenden Schuldner und die passende Laufzeit finden, sondern eine Emission, die in der eigenen Größenordnung überhaupt handelbar ist.
Zusammen mit den Handelskosten je Order erklärt das, warum sich Einzelanleihen erst ab einem gewissen Volumen lohnen und warum die Streuung über mehrere Schuldner für Privatanleger meist über Fonds geschieht. Der Preis dafür ist die fehlende Endfälligkeit — ein Anleihe-ETF gibt keinen Termin, an dem der Nennwert zurückkommt.
Anleihen unterliegen keiner Einlagensicherung. Es bestehen das Ausfallrisiko des Emittenten, Kursrisiken bei vorzeitigem Verkauf und das Inflationsrisiko auf die Kaufkraft. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.
Rechtsquellen
- § 8 EinSiG Deckungssumme — 100.000 Euro je Einleger und CRR-Kreditinstitut Bundesministerium der Justiz
Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 04.09.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab.
Häufige Fragen
Was ist der Nennwert einer Anleihe?
Der Nennwert ist der Betrag, auf den die Anleihe ausgestellt ist und der am Laufzeitende zurückgezahlt wird — häufig 1.000 Euro oder ein Vielfaches davon.
Er ist zugleich die Rechengrundlage des Kupons. Ein Kupon von 4 Prozent bedeutet 40 Euro pro Jahr auf 1.000 Euro Nennwert, unabhängig davon, was die Anleihe an der Börse gerade kostet.
Was ist die Mindeststückelung, und warum ist sie wichtig?
Der kleinste handelbare Nennbetrag einer Anleihe. Er steht in den Emissionsbedingungen und liegt bei manchen Papieren bei 1.000 Euro, bei vielen neueren Unternehmensanleihen dagegen bei 100.000 Euro.
Diese hohe Stückelung ist kein Zufall, sondern eine Schwelle des Kapitalmarktrechts: Oberhalb davon gelten erleichterte Prospektanforderungen, weil der Gesetzgeber Käufer solcher Beträge nicht als schutzbedürftige Kleinanleger einstuft. Für Privatanleger folgt daraus zweierlei — ein erheblicher Teil des Anleihemarktes ist praktisch unzugänglich, und wer dort dennoch kauft, hat es mit Papieren zu tun, die bewusst nicht für ihn konzipiert wurden. Ein Anleihe-ETF löst genau dieses Zugangsproblem und handelt es gegen die fehlende Fälligkeit ein.
Wieso schwankt der Kurs, wenn die Rückzahlung doch feststeht?
Weil der Kupon fest ist, das Marktzinsniveau aber nicht. Steigt der Marktzins, sind neue Anleihen attraktiver — die alte mit niedrigerem Kupon wird nur noch zu einem niedrigeren Kurs gekauft.
Der Kurs stellt das Gleichgewicht wieder her: Was der Kupon nicht liefert, muss der Kursgewinn bis zur Fälligkeit beitragen.
Was sind Stückzinsen?
Stückzinsen sind der Anteil am Kupon, der seit der letzten Zinszahlung aufgelaufen ist. Beim Kauf zahlt der Käufer sie dem Verkäufer, weil dieser die Anleihe einen Teil der Zinsperiode gehalten hat.
Sie sind kein Zusatzkosten-Posten, sondern eine Abgrenzung. Der Käufer bekommt sie mit der nächsten vollen Kuponzahlung zurück.
Kann der Emittent eine Anleihe vorzeitig zurückzahlen?
Wenn die Bedingungen ein Kündigungsrecht vorsehen, ja — und er zieht es genau dann, wenn es für den Anleger ungünstig ist. Gekündigt wird, sobald sich der Emittent billiger refinanzieren kann, also bei gefallenen Zinsen. Der Anleger bekommt sein Geld zurück und muss es in einem Umfeld neu anlegen, das schlechter ist als das, aus dem er kommt.
Daraus folgt eine Asymmetrie: Steigen die Zinsen, bleibt die Anleihe bestehen und ihr Kurs fällt; sinken sie, wird gekündigt und der Kursgewinn fällt aus. Ein kündbares Papier muss dafür einen Aufschlag im Kupon bieten. Ob es ihn bietet, lässt sich nur beurteilen, wenn man die Kündigungsrechte kennt — sie stehen in den Emissionsbedingungen, nicht im Kursblatt.
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