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Zinsen & Anleihen

Duration und Zinsrisiko

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Anleihen gelten als der ruhige Teil eines Depots. Das gilt für den Zahlungsstrom, nicht für den Kurs: Das Zinsrisiko einer langen Laufzeit kann bei einem einzigen Prozentpunkt Zinsanstieg zweistellige Verluste auslösen.

Die Mechanik in einem Satz

Der Kupon einer Anleihe ist fest, das Marktzinsniveau nicht. Steigt der Marktzins, muss der Kurs so weit fallen, dass die Anleihe insgesamt wieder marktgerecht rentiert. Der Kurs ist die einzige Variable, die sich anpassen kann.

Wie stark er fallen muss, hängt daran, wie lange der nun zu niedrige Kupon noch läuft. Genau das misst die Duration.

Aufbau der Kursreaktion einer Anleihe: Die Zinsänderung multipliziert mit der Duration ergibt näherungsweise die Kursänderung in Prozent — je länger die Duration, desto stärker schlägt eine Zinsbewegung durch.
Die Duration ist keine Laufzeit, sondern ein Hebel — sie sagt, wie stark der Kurs reagiert. CC BY 4.0

Zwei Durationen, zwei Bedeutungen

Die Macaulay-Duration ist eine Zeitangabe: die durchschnittliche Bindungsdauer des Kapitals, gewichtet mit den Barwerten der Zahlungen. Kupons ziehen sie nach vorn, weil ein Teil des Rückflusses früher kommt. Deshalb liegt sie stets unter der Restlaufzeit — außer bei einer Nullkuponanleihe, wo beide gleich sind.

Die modifizierte Duration ist eine Empfindlichkeit: der prozentuale Kursverlust je Prozentpunkt Zinsanstieg. Sie entsteht aus der Macaulay-Duration, geteilt durch eins plus Rendite, und ist die Zahl, mit der in der Praxis gerechnet wird.

Was das konkret bedeutet

Alle Zeilen zeigen dieselbe Anleihe — 4 Prozent Kupon, Kurs 100 — bei unterschiedlicher Restlaufzeit. Die letzte Spalte gibt den Kurs nach einem Zinsanstieg um einen Prozentpunkt an:

Restlaufzeit Duration Modifiziert Kurs nach +1 Punkt
2 Jahre 1,96 1,89 98,1 %
5 Jahre 4,63 4,45 95,6 %
10 Jahre 8,44 8,11 91,9 %
20 Jahre 14,13 13,59 86,4 %
30 Jahre 17,98 17,29 82,7 %

Auffällig ist, dass die Duration nicht proportional zur Laufzeit wächst. Von 10 auf 20 Jahre verdoppelt sich die Restlaufzeit, die Empfindlichkeit steigt aber nur um etwa zwei Drittel. Grund sind die Kupons: Je länger die Laufzeit, desto größer ihr Anteil am Barwert.

In der Gegenrichtung wirkt derselbe Mechanismus. Fällt das Zinsniveau um einen Prozentpunkt, gewinnt die zehnjährige Anleihe rund 8 Prozent. Genau dieser Effekt macht lange Laufzeiten in Zinssenkungsphasen attraktiv.

Wann der Verlust nur auf dem Papier steht

Bei einer einzelnen Anleihe läuft der Kurs zum Laufzeitende auf den Nennwert zu. Wer bis zur Fälligkeit hält und einen zahlungsfähigen Schuldner hat, bekommt die Rendite bis Fälligkeit, die beim Kauf feststand — unabhängig davon, was der Kurs zwischenzeitlich gemacht hat.

Zwei Fälle brechen diese Logik. Erstens der vorzeitige Verkauf: Dann wird der Buchverlust realisiert. Zweitens der Anleihen-ETF: Er hat kein Fälligkeitsdatum, weil auslaufende Papiere fortlaufend ersetzt werden. Für ihn ist die durchschnittliche Duration des Portfolios die maßgebliche Risikokennzahl.

Wie sich die Empfindlichkeit steuern lässt

Nachrechnen

Duration, modifizierte Duration und den Kurs nach einer Zinsänderung für eine eigene Anleihe zeigt der Zinsrechner im Anleihenteil.

Der Unterschied zwischen Einzelanleihe und Anleihe-ETF

Die Aussage „bei Fälligkeit bekomme ich den Nennwert zurück" ist der Grund, warum das Zinsrisiko einer Einzelanleihe erträglich ist. Sie gilt für einen Anleihe-ETF nicht — und das ist der wichtigste praktische Unterschied zwischen beiden.

Ein Anleihe-ETF hält ein rollierendes Portfolio: Läuft eine Anleihe aus, wird eine neue gekauft, damit das Laufzeitband konstant bleibt. Er hat deshalb kein Fälligkeitsdatum, an dem sich ein Kursverlust auflöst. Wer bei gestiegenen Zinsen verkauft, realisiert den Verlust endgültig.

Das ist kein Argument gegen Anleihe-ETFs — sie erledigen Streuung und Wiederanlage, für die man sonst selbst sorgen müsste. Es ist ein Argument dafür, die Duration zur eigenen Anlagedauer passend zu wählen. Wer in fünf Jahren an das Geld muss, sollte keine Duration von zehn tragen.

Bei einer Einzelanleihe lässt sich der Zeitpunkt dagegen exakt festlegen — dieselbe Logik wie bei der Zinstreppe, nur mit Wertpapieren statt Festgeld. Die Kennzahl, die dabei zählt, ist die Rendite bis Fälligkeit zum Kaufzeitpunkt.

Zu ergänzen ist noch eine Asymmetrie, die die Faustregel unterschlägt: Die Duration ist eine Näherung erster Ordnung und stimmt nur für kleine Zinsänderungen genau. Bei größeren Bewegungen wirkt die Konvexität — Kursgewinne bei fallenden Zinsen fallen etwas höher aus als die Kursverluste bei gleich großem Zinsanstieg. Für Privatanleger ist das kein Handlungsgrund, erklärt aber, warum die Faustregel bei dramatischen Zinssprüngen zu pessimistisch schätzt.

Wichtiger für die Praxis ist die Gegenrechnung: Ein Zinsanstieg senkt zwar heute den Kurs, erhöht aber alles, was künftig neu angelegt wird. Wer über die Fälligkeiten hinweg investiert bleibt, gewinnt nach einigen Jahren mehr durch die höheren Kupons zurück, als er an Kurs verloren hat. Der Umschlagpunkt liegt ungefähr bei der Duration in Jahren — was erklärt, warum sie zur eigenen Anlagedauer passen sollte.

Ein Prozentpunkt, drei Laufzeiten

Die Regel lässt sich an drei Anleihen zeigen, die sich nur in der Restlaufzeit unterscheiden: 1.000 Euro Nennwert, drei Prozent Kupon, Kauf zu pari. Dann steigt das Marktzinsniveau um einen Punkt.

Restlaufzeit modifizierte Duration Kursänderung neuer Kurs
3 Jahre 2,83 -2,83 % 97,17 %
7 Jahre 6,23 -6,23 % 93,77 %
15 Jahre 11,94 -11,94 % 88,06 %

Eigene Berechnung, gegen feste Referenzwerte geprüft: jährliche Kuponzahlung, Rückzahlung zum Nennwert, Näherung erster Ordnung über die modifizierte Duration.

Die mittlere Spalte ist die Antwort auf die Frage, warum überhaupt jemand diese Kennzahl braucht. Sie ist zugleich der Faktor der rechten: Eine modifizierte Duration von 6,23 bedeutet rund 6,23 Prozent Kursverlust je Prozentpunkt Zinsanstieg — nicht ungefähr, sondern als Definition.

Der Sprung von drei auf fünfzehn Jahre kostet dabei mehr als das Vierfache: 2,83 Prozent gegen 11,94 Prozent. Wer Laufzeit gegen Zins abwägt, wägt in Wahrheit Rendite gegen genau diese Empfindlichkeit ab.

Zu beachten ist die Richtung der Näherung: Sie unterschätzt den Kursgewinn bei fallenden Zinsen und überschätzt den Verlust bei steigenden. Für kleine Änderungen ist der Fehler gering, bei mehreren Punkten wird er spürbar — dann trägt nur die vollständige Barwertrechnung.

Der Fehlerfall

Der häufigste Fehler ist die Gleichsetzung von Duration und Restlaufzeit. Sie stimmen nur bei einer Nullkuponanleihe überein; mit jedem Kupon liegt die Duration darunter, weil Geld früher zurückfließt.

Der zweite ist der Blick auf den Buchverlust bei einer Einzelanleihe, die bis zur Fälligkeit gehalten wird. Dort ist der Kursverlust vorübergehend — zurückgezahlt wird der Nennwert. Beim Anleihe-ETF fehlt dieser Ausgleich, weil er keine Fälligkeit hat.

Der dritte betrifft die Richtung: Steigende Zinsen sind für den Bestand ein Verlust, für neue Käufe ein Vorteil. Wer laufend anlegt, hat beides gleichzeitig — und für ihn ist die Duration des Bestands nur die halbe Rechnung.

Risikohinweis

Die Duration ist eine Näherung für kleine Zinsänderungen; bei großen Sprüngen weicht die tatsächliche Kursreaktion ab. Neben dem Zinsänderungsrisiko bestehen Ausfall- und Inflationsrisiko. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.

Quelle: Deutsche Bundesbank · Stand 04.09.2026 · Zeitreihen zu Renditen und Zinssätzen, gegen die sich eine Durationsrechnung prüfen lässt

Häufige Fragen

Was ist die Duration einer Anleihe?

Die Macaulay-Duration ist die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer, gewichtet mit den Barwerten aller Zahlungen. Sie wird in Jahren angegeben und liegt bei Anleihen mit Kupon unter der Restlaufzeit.

Bei einer Anleihe ohne Kupon entspricht sie exakt der Restlaufzeit, weil dann nur eine einzige Zahlung existiert — die Rückzahlung am Ende.

Was sagt die modifizierte Duration aus?

Sie gibt an, um wie viel Prozent der Kurs fällt, wenn das Zinsniveau um einen Prozentpunkt steigt. Eine modifizierte Duration von 8 bedeutet rund 8 Prozent Kursverlust je Prozentpunkt Zinsanstieg.

Sie ergibt sich aus der Macaulay-Duration, geteilt durch eins plus Rendite. Deshalb liegt sie immer etwas unter der Macaulay-Duration.

Warum reagieren lange Laufzeiten stärker auf Zinsänderungen?

Weil bei ihnen mehr Zahlungen weit in der Zukunft liegen. Ein veränderter Zinssatz wirkt auf jede dieser Zahlungen und über viele Jahre stärker als über wenige.

Eine zehnjährige Anleihe verliert bei einem Prozentpunkt Zinsanstieg etwa 8 Prozent an Kurs, eine dreißigjährige rund 17 Prozent — bei identischem Kupon.

Ist der Kursverlust endgültig?

Bei einer einzelnen Anleihe nicht, sofern der Emittent zahlt: Zum Laufzeitende wird der Nennwert fällig, der Kurs läuft also auf 100 Prozent zu. Wer durchhält, realisiert die Rendite, die beim Kauf feststand.

Endgültig wird der Verlust bei vorzeitigem Verkauf. Und bei einem Anleihen-ETF fehlt der Fälligkeitstermin, weil laufend umgeschichtet wird — dort bleibt der Kurseffekt sichtbar.

Wie lässt sich das Zinsänderungsrisiko begrenzen?

Über die Laufzeit. Kurze Restlaufzeiten haben eine niedrige Duration und schwanken entsprechend wenig, bringen im Gegenzug aber meist weniger Rendite.

Der zweite Weg ist die Staffelung: Mehrere Fälligkeiten verteilen den Einstiegszeitpunkt über die Zeit. Dasselbe Prinzip wie bei einer Zinstreppe mit Festgeldern.