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Zinsen & Anleihen

Lockzinsen einordnen

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Einen Lockzins erkennen heißt, auf zwei Zahlen zu achten statt auf eine: Die große in der Anzeige gilt für ein halbes Jahr. Die kleine, die danach greift, steht im Kleingedruckten — und bestimmt neunzig Prozent des Ergebnisses.

Wie stark der Effekt verwässert

Ein Aktionszins wirkt nur so lange, wie er gilt. Über eine längere Anlagedauer schrumpft sein Beitrag entsprechend:

Aktionsdauer Anlagedauer Anteil der Aktionsphase
6 Monate 1 Jahr 50 %
6 Monate 3 Jahre 17 %
6 Monate 5 Jahre 10 %
12 Monate 5 Jahre 20 %

Bei sechs Monaten Aktion und fünf Jahren Anlagedauer bestimmt der Standardzins neun Zehntel des Ergebnisses. Der beworbene Satz ist dann kaum mehr als ein Startbonus.

Zeitleiste zum Aktionszins: In den ersten Monaten gilt der beworbene hohe Satz, danach fällt das Guthaben auf den regulären Grundzins zurück. Über das ganze Jahr gerechnet liegt der Durchschnitt deutlich unter der Werbezahl.
Die beworbene Zahl gilt nur für wenige Monate — gerechnet wird über das ganze Jahr. CC BY 4.0

Die Rechnung, die zählt

Statt den Aktionszins mit dem Dauerzins anderer Anbieter zu vergleichen, gehört der gewichtete Durchschnitt gegen den gewichteten Durchschnitt gestellt. Der Zinsrechner bildet beide Phasen getrennt ab und weist den Effektivzins über die gesamte Laufzeit aus.

Häufig zeigt sich dabei: Ein Angebot ohne Aktion, aber mit dauerhaft solidem Satz schlägt das lautere Angebot deutlich — sobald die Laufzeit über ein Jahr hinausgeht.

Wie weit beworbener und danach gezahlter Satz auseinanderliegen, lässt sich an erhobenen Zahlen nachsehen: Der Tagesgeldvergleich sortiert nach dem Zins nach Ablauf der Aktion und stellt den beworbenen daneben.

Das Geschäftsmodell dahinter

Aktionszinsen funktionieren für Banken, weil ein Teil der Kunden bleibt. Nach Ablauf wandert das Guthaben stillschweigend auf den Standardsatz, und genau daran verdient das Institut.

Wer konsequent zum Ablauf wechselt, nutzt das Angebot rechnerisch richtig. Nur ist der Aufwand real: Kontoeröffnung, Legitimation, Überweisungswege und die Tage, an denen das Geld unterwegs unverzinst liegt. Das mindert den Vorteil, ohne dass es irgendwo auftaucht.

Was beim Wechseln oft vergessen wird

Der Freistellungsauftrag. Er gilt je Bank. Wer das Guthaben verschiebt, ohne den Auftrag mitzuziehen, lässt die neue Bank ab dem ersten Euro Steuer einbehalten — während der Freibetrag bei der alten ungenutzt liegt. Näheres unter Freistellungsauftrag.

Ebenso die Einlagensicherung: Wer mehrere Konten bei verschiedenen Marken hält, sollte prüfen, ob dahinter dasselbe Institut steht. Für die Sicherung zählt das Institut, nicht die Marke. Ein Beispiel aus dem Tagesgeldvergleich: Hinter „Bank of Scotland" steht in Deutschland die Lloyds Bank GmbH. Wer die Bank unter ihrem schottischen Namen sucht und die Sicherung unter dem deutschen prüft, sucht zweimal dasselbe Institut.

Die Bedingungen im Kleingedruckten

Aktionszinsen sind fast immer an Auflagen gebunden. Wiederkehrend sind fünf davon, und jede kann den beworbenen Satz auf einen Teil des Guthabens oder der Laufzeit begrenzen.

Diese Punkte lassen sich vorab prüfen, kosten aber Zeit — und genau darauf beruht der Vorteil der Anbieter. Ein Angebot ohne Bedingungen mit dauerhaft mittlerem Satz ist deshalb häufig das bessere Geschäft, obwohl es in Vergleichslisten weiter unten steht.

Wenn der Satz auffällig hoch ist

Ein deutlich über dem Markt liegender Zins ist keine Ineffizienz, sondern meist eine Bepreisung. Zu prüfen sind dann zwei Dinge: welche Einlagensicherung greift, und in welchem Land sie beheimatet ist.

Eine Sicherung ist nur so belastbar wie das System dahinter. Bei Angeboten aus dem europäischen Ausland gilt zwar dieselbe gesetzliche Mindesthöhe, die Abwicklung im Ernstfall läuft aber über die dortige Einrichtung.

Was das Hinterherwechseln tatsächlich einbringt

Die naheliegende Antwort auf Lockzinsen ist, alle sechs Monate das Institut zu wechseln. Rechnerisch geht die Rechnung auf — praktisch hängt sie an einem Aufwand, den die Werbung nicht erwähnt.

Bei 20.000 Euro und einem Abstand von zwei Prozentpunkten zwischen Aktions- und Normalzins bringt ein halbes Jahr Aktion rund 200 Euro brutto. Nach Steuer bleiben davon knapp 150 Euro, sofern der Sparerpauschbetrag bereits belegt ist. Dem steht gegenüber: ein neues Konto eröffnen, legitimieren, den Freistellungsauftrag verteilen, den Termin des Aktionsendes im Kalender führen und rechtzeitig wieder umziehen.

Das ist vertretbar, wenn es bei zwei Instituten bleibt und der Betrag groß genug ist. Es wird unattraktiv, sobald der Freistellungsauftrag über drei oder vier Banken verteilt werden muss, weil jeder Umzug ihn erneut betrifft — siehe Freistellungsauftrag richtig nutzen.

Die stillere Alternative ist, den Vergleich gar nicht über den Aktionszins zu führen, sondern über den Satz, der nach dessen Ablauf gilt. Ein Institut mit dauerhaft ordentlichem Zins schlägt über mehrere Jahre ein Institut mit hoher Aktion und schwachem Grundzins — ohne jeden Aufwand. Was am Ende real übrig bleibt, rechnet Realzins statt Nominalzins vor.

Risikohinweis

Variable Zinssätze können jederzeit angepasst werden; ein beworbener Aktionszins ist keine Zusage für die Zeit danach. Einlagen sind je Kunde und Institut gesichert, darüber hinaus besteht ein Ausfallrisiko. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.

Rechtsquellen

  • § 20 EStG Einkünfte aus Kapitalvermögen; Absatz 9 regelt den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro je Person Bundesministerium der Justiz
  • § 8 EinSiG Deckungssumme — 100.000 Euro je Einleger und CRR-Kreditinstitut Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 04.09.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab.

Häufige Fragen

Was ist ein Lockzins?

Ein Lockzins oder Aktionszins ist ein befristet erhöhter Zinssatz, den Banken Neukunden für die ersten Monate anbieten. Danach greift der reguläre Satz, der deutlich niedriger liegen kann.

Beworben wird fast immer der Aktionssatz, nicht der Standardsatz — obwohl letzterer über die gesamte Anlagedauer den größeren Teil ausmacht.

Wie berechne ich den tatsächlichen Durchschnittszins?

Indem beide Phasen gewichtet werden: Aktionszins für die Aktionsdauer, Standardzins für die restliche Laufzeit. Bei sechs Monaten Aktion und fünf Jahren Anlagedauer entfallen nur zehn Prozent der Zeit auf den beworbenen Satz.

Der Effektivzins über die gesamte Laufzeit liegt deshalb meist nahe am Standardzins — und weit unter der Zahl in der Werbung.

Lohnt sich das Wechseln zwischen Banken?

Rechnerisch kann es sich lohnen, wenn die Zinsdifferenz groß genug ist. Zu berücksichtigen sind allerdings der Aufwand für Kontoeröffnung und Legitimation sowie die Zeit, in der Geld unterwegs ist und nicht verzinst wird.

Wer regelmäßig wechselt, sollte zudem den Freistellungsauftrag mitziehen — sonst behält die neue Bank ab dem ersten Euro Steuer ein.

Warum bieten Banken überhaupt Aktionszinsen?

Weil ein Teil der Kunden nach Ablauf der Aktion bleibt. Die Bank zahlt den erhöhten Satz für wenige Monate und verdient anschließend an der Differenz zum Marktzins.

Die Kalkulation geht auf, solange genug Kunden träge sind. Wer konsequent zum Ablauf wechselt, nutzt das Angebot so, wie es rechnerisch gedacht ist — nur eben nicht so, wie die Bank es geplant hat.

Worauf sollte ich neben dem Zinssatz achten?

Auf die Bedingungen: Gilt der Satz nur für Neukunden, nur bis zu einem Höchstbetrag, nur bei gleichzeitiger Eröffnung eines Girokontos? Solche Einschränkungen stehen selten in der Werbung.

Ebenso auf die Einlagensicherung und deren Sitzland. Ein auffällig hoher Satz ist kein Geschenk, sondern häufig der Preis für ein Risiko, das jemand bewertet hat.