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ETFs & Fonds

Ein Junior-Depot eröffnen

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Der Vorgang selbst ist unspektakulär und in einer halben Stunde erledigt. Teuer wird nicht die Eröffnung, sondern das, was danach nicht eingerichtet wird.

Was vorher zu entscheiden ist

Vor dem Antragsformular steht eine Frage, die das Formular nicht stellt: Soll das Depot überhaupt auf den Namen des Kindes laufen? Steuerlich ist die Antwort fast immer ja, weil dem Kind eigene Freibeträge zustehen, die sonst ungenutzt verfallen. Rechtlich hat sie einen Preis: Das Geld gehört ab der ersten Einzahlung dem Kind und ist nicht zurückzuholen. Beide Seiten stehen ausführlich unter Kinderdepot oder Elterndepot.

Die zweite Vorentscheidung betrifft die Höhe. Sie lässt sich später jederzeit ändern, aber sie bestimmt, ob überhaupt eine der kritischen Grenzen in Reichweite kommt. Bei üblichen Raten von 25 bis 150 Euro im Monat sind weder Steuer noch Familienversicherung ein Thema; erst bei größeren Einmalzahlungen von Großeltern wird es interessant. Was welche Rate ergibt, rechnet der Junior-Depot-Rechner.

Die Unterlagen

Vier Dinge verlangt praktisch jedes Institut, und drei davon liegen erfahrungsgemäß nicht griffbereit:

Wer die Steuer-ID nicht findet, fordert sie beim Bundeszentralamt für Steuern erneut an. Der Weg ist kostenlos, dauert aber mehrere Wochen — er gehört deshalb an den Anfang und nicht ans Ende der Vorbereitung.

Ablauf der Depoteroeffnung fuer ein Kind in vier Schritten: Unterlagen zusammenstellen, Antrag von beiden Sorgeberechtigten unterschreiben, Legitimation, danach Freistellungsauftrag und Sparplan einrichten.
Vier Schritte, von denen der letzte am haeufigsten vergessen wird — und genau der kostet Geld. CC BY 4.0

Der Antrag und die Legitimation

Bei gemeinsamer elterlicher Sorge vertreten die Eltern das Kind nach § 1629 Abs. 1 BGB gemeinschaftlich. Praktisch heißt das: zwei Unterschriften auf dem Antrag, zwei Legitimationen. Ein Antrag mit nur einer Unterschrift wird zurückgewiesen, und das fällt regelmäßig erst auf, wenn die Unterlagen schon unterwegs sind.

Die Legitimation läuft bei Kinderdepots häufiger über Postident als über Videoident. Der Grund ist banal: Das Kind hat in aller Regel kein Ausweisdokument, das ein Videoverfahren prüfen könnte, und die Bank muss stattdessen die Vertretungsverhältnisse dokumentieren. Das kostet Zeit — wer den Sparplan zu einem bestimmten Datum starten will, plant zwei Wochen Vorlauf ein.

Eine Vollmacht des Kindes gibt es nicht und braucht es nicht. Die Eltern handeln kraft Gesetzes. Umgekehrt bedeutet das aber auch: Sie handeln gebunden. § 1642 BGB verlangt, das Vermögen des Kindes wirtschaftlich anzulegen — spekulative Einzelwetten mit dem Geld eines Kindes sind dadurch nicht gedeckt.

Was direkt nach der Eröffnung einzurichten ist

Hier entstehen die Fehler, die später Geld kosten. Zwei Einstellungen gehören sofort erledigt:

Der Freistellungsauftrag. Er ist kostenlos und wirkt vom Tag der Erteilung an. Ohne ihn behält die Bank auf jeden Ertrag Steuer ein, auch wenn das Kind wegen seiner Freibeträge gar keine schuldet. Zurückholen lässt sich das nur über eine Steuererklärung des Kindes — für ein paar Euro Vorabpauschale ein absurder Aufwand. Wie er wirkt und wo seine Grenze liegt, steht unter Freistellungsauftrag richtig verteilen.

Die Wahl der Ertragsverwendung. Ein thesaurierender ETF erzeugt laufend weniger steuerbaren Ertrag als ein ausschüttender, weil nur die Vorabpauschale anfällt und keine Ausschüttung. Für ein Kinderdepot ist das doppelt relevant: Der laufende Ertrag entscheidet nicht nur über die Steuer, sondern auch über die Einkommensgrenze der Familienversicherung. Der Unterschied ist unter Thesaurierend oder ausschüttend ausgeführt, die Mechanik der Vorabpauschale unter Die Vorabpauschale verstehen.

Ein dritter Punkt kommt erst später dazu, sollte aber im Kalender stehen: Sobald die Erträge den Sparerpauschbetrag übersteigen, reicht der Freistellungsauftrag nicht mehr. Dann ist die Nichtveranlagungsbescheinigung der richtige Weg. Sie gilt bis zu drei Jahre und muss danach neu beantragt werden.

Worauf bei der Depotwahl zu achten ist

Die Auswahl an Anbietern ist kleiner als bei Erwachsenendepots — längst nicht jeder Broker führt Depots für Minderjährige. Innerhalb dieser kleineren Auswahl gelten dieselben Kriterien wie sonst: Ordergebühren, Sparplangebühren, Kosten für die Depotführung, verfügbares Fondsuniversum. Ein Kinderdepot läuft achtzehn Jahre; eine Sparplangebühr von anderthalb Prozent auf jede Rate ist über diese Zeit keine Kleinigkeit, wie der Brokerkosten-Rechner zeigt.

Zwei Dinge sind speziell: Erstens sollte das Institut den Freistellungsauftrag für Minderjährige unkompliziert entgegennehmen — manche verlangen dafür ein eigenes Formular auf Papier. Zweitens lohnt der Blick darauf, was bei Volljährigkeit passiert. Einige Anbieter wandeln das Depot automatisch in ein reguläres um, andere verlangen eine Neulegitimation des dann erwachsenen Kindes. Was zu diesem Zeitpunkt sonst noch ansteht, steht unter Wenn das Kind volljährig wird.

Rechtsquellen

  • § 1629 Abs. 1 BGB Vertretung des Kindes: Bei gemeinsamer elterlicher Sorge vertreten die Eltern gemeinschaftlich Bundesministerium der Justiz
  • § 1642 BGB Anlegung von Geld: Eltern haben das Vermögen des Kindes wirtschaftlich anzulegen Bundesministerium der Justiz
  • § 44a Abs. 2 EStG Abstandnahme vom Steuerabzug durch Freistellungsauftrag oder NV-Bescheinigung Bundesministerium der Justiz
  • § 154 AO Kontenwahrheit: Legitimationsprüfung und steuerliche Identifikationsnummer Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 04.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Welche Unterlagen ein einzelnes Institut verlangt, geht über die gesetzlichen Anforderungen teils hinaus.

Nachrechnen

Was aus der geplanten Rate bis zur Volljährigkeit wird — je Kind und mit beiden Steuerpfaden: zum Junior-Depot-Rechner. Welche Anbieter ein Depot für Minderjährige führen und was der Sparplan dort kostet, steht im Depotvergleich. Die Freibeträge eines einzelnen Jahres rechnet der Kinderdepot-Rechner.

Der Fehlerfall: die Eröffnung, die später Arbeit macht

Die Eröffnung selbst ist Formalie. Was dabei entschieden wird, ist es nicht — und zwei Einstellungen lassen sich später nur mit Steuerfolgen korrigieren.

Die Unterschrift beider Sorgeberechtigten fehlt. Sie ist Voraussetzung, nicht Zusatz. Fehlt eine, bleibt der Antrag liegen — bei getrennt lebenden Eltern der häufigste Grund für wochenlange Verzögerung.

Der Fonds wird nebenbei gewählt. Ein Wechsel ist steuerlich ein Verkauf, siehe ETF wechseln. Was hier in fünf Minuten entschieden wird, trägt man achtzehn Jahre — die Auswahl gehört vor die Eröffnung, nicht in sie hinein.

Die Ertragsverwendung wird nicht bedacht. Thesaurierend oder ausschüttend entscheidet darüber, wie viel laufender Ertrag entsteht — und der ist beim Kinderdepot die Größe, an der die Familienversicherung hängt, siehe Wenn das Kinderdepot zu groß wird.

Freistellungsauftrag und NV-Bescheinigung fehlen. Ohne Auftrag behält die Bank ab dem ersten Euro ein. Ob zusätzlich eine Bescheinigung nötig ist, entscheidet die Höhe der Erträge — beides steht unter Nichtveranlagungsbescheinigung.

Das Depot wird wie eigenes behandelt. Der teuerste Fehler, und er passiert erst später: Wer Geld zurückholt, riskiert, dass die steuerliche Zurechnung insgesamt in Frage steht.

Sonderfälle

Alleinsorge. Dann genügt eine Unterschrift, in aller Regel ist ein Nachweis vorzulegen. Das ist der einzige Punkt, an dem sich die Eröffnung strukturell unterscheidet.

Großeltern als Einzahlende. Möglich und schenkungsteuerlich mit eigenen Freibeträgen gegenüber dem Enkelkind — die Systematik steht unter Depot vererben und verschenken. Das Depot läuft dennoch auf den Namen des Kindes.

Depot bei den Eltern statt beim Kind. Die grundsätzliche Alternative, mit anderen Vor- und Nachteilen — die Abwägung steht unter Kinderdepot oder Elterndepot. Sie gehört vor die Depoteröffnung.

Umzug oder Bankwechsel. Ein Übertrag ist möglich und steuerfrei, solange die Anschaffungsdaten mitkommen, siehe Depotübertrag. Der Freistellungsauftrag wandert allerdings nicht mit.

Was sich nicht ausrechnen lässt

Wie lange die Eröffnung dauert, hängt am Anbieter und an der Vollständigkeit der Unterlagen. Zwei bis vier Wochen sind üblich, aber keine Zusage — wer zu einem festen Termin starten will, plant Vorlauf ein.

Nicht bezifferbar ist die Frage, die am Ende zählt: ob das Kind mit achtzehn über den Betrag verfügen soll, den es dann rechtlich allein bekommt. Sie gehört vor die Depoteröffnung, nicht in das Jahr davor — die Systematik steht unter Wenn das Kind volljährig wird.

Praktisch heißt das: Die Eröffnung ist der letzte Schritt, nicht der erste. Davor stehen zwei Entscheidungen — Kinderdepot oder Elterndepot, und welcher Fonds mit welcher Ertragsverwendung. Wer sie vorher klärt, braucht für die Eröffnung selbst zwanzig Minuten.

Danach bleiben zwei Aufgaben: der Freistellungsauftrag beim Start und die jährliche Prüfung, ob die Erträge noch unter der Grenze der Familienversicherung liegen. Beides zusammen kostet weniger Zeit als die Auswahl des Fonds.

Hinweis

Allgemeine Information, keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Welche Nachweise ein Institut im Einzelfall verlangt und wie Sorgerechtsfragen zu behandeln sind, entscheidet sich individuell.

Häufige Fragen

Welche Unterlagen braucht ein Depot für ein Kind?

Die Geburtsurkunde des Kindes, die Ausweisdokumente beider Sorgeberechtigten und die steuerliche Identifikationsnummer des Kindes. Die Steuer-ID kommt automatisch nach der Geburt per Post; wer sie nicht mehr findet, bekommt sie beim Bundeszentralamt für Steuern erneut mitgeteilt.

Ohne Steuer-ID darf die Bank kein Depot führen — sie ist nach § 154 AO Teil der Legitimation und nicht verhandelbar.

Müssen beide Elternteile unterschreiben?

Bei gemeinsamer elterlicher Sorge ja. Nach § 1629 Abs. 1 BGB vertreten die Eltern das Kind gemeinschaftlich; ein Depot, das nur ein Elternteil beantragt, lehnen die Institute regelmäßig ab.

Bei alleiniger Sorge genügt die Unterschrift des sorgeberechtigten Elternteils, meist gegen Vorlage eines Negativattests des Jugendamts oder eines Sorgerechtsbeschlusses.

Wie lange dauert die Eröffnung?

Die Legitimation läuft bei Kinderdepots häufig nicht per Videoident, weil das Kind selbst nicht ausweisfähig ist. Üblich ist der Postweg mit Postident-Coupon — das verlängert den Vorgang gegenüber einem Erwachsenendepot um einige Tage bis zwei Wochen.

Der Sparplan lässt sich meist erst nach abgeschlossener Legitimation einrichten. Wer zum Geburtstag starten will, sollte entsprechend früher beginnen.

Was ist direkt nach der Eröffnung zu erledigen?

Der Freistellungsauftrag. Er ist kostenlos, wirkt sofort und verhindert, dass die Bank Steuer einbehält, die gar nicht geschuldet wird. Vergessen wird er häufig, weil in den ersten Jahren ohnehin kaum Ertrag anfällt — zurückholen lässt sich zu viel Einbehaltenes dann nur über die Steuererklärung des Kindes.

Der zweite Punkt ist die Wahl der Ertragsverwendung: Ein thesaurierender ETF erzeugt weniger laufenden Ertrag als ein ausschüttender und hält damit beide kritischen Schwellen länger unterschritten.

Kann ich das Depot später auf mich zurückübertragen?

Nein. Was auf ein Depot des Kindes eingezahlt wird, ist rechtlich sein Vermögen. Eltern verwalten es treuhänderisch und dürfen es nicht für eigene Zwecke verwenden — auch nicht vorübergehend.

Wer sich diese Bindung nicht zutraut, führt das Depot besser auf den eigenen Namen und behält den Betrag lediglich gedanklich für das Kind zurück. Steuerlich ist das teurer, rechtlich aber ehrlicher.

Können Großeltern ein Depot für das Enkelkind eröffnen?

Nicht auf den Namen des Kindes. Die Eröffnung ist ein Rechtsgeschäft für das Kind, und vertreten wird es nach § 1629 BGB von den sorgeberechtigten Eltern — ohne deren Unterschrift geht es nicht, unabhängig davon, wer einzahlt.

Zwei Wege bleiben. Entweder eröffnen die Eltern das Depot und die Großeltern überweisen darauf; dann gehört das Geld sofort dem Kind, und die Großeltern haben keinen Zugriff mehr. Oder die Großeltern führen ein eigenes Depot und übertragen es später — dann behalten sie die Kontrolle, zahlen bis dahin ihre eigene Abgeltungsteuer und nutzen bei der Übertragung ihren Freibetrag von 200.000 Euro je Enkelkind im Zehnjahreszeitraum.

Welche Einstellungen sind später schwer zu ändern?

Der Fonds und seine Ertragsverwendung. Beides lässt sich nur durch einen Wechsel korrigieren, und ein Wechsel ist steuerlich ein Verkauf mit sofortiger Besteuerung aller Buchgewinne.

Die Auswahl gehört deshalb vor die Eröffnung. Rate, Ausführungstag und Intervall sind dagegen jederzeit anpassbar.

Brauche ich sofort eine NV-Bescheinigung?

Meist nicht. Solange die Erträge den Sparerpauschbetrag nicht übersteigen, genügt ein Freistellungsauftrag — und das ist bei einem neu eröffneten Depot der Regelfall.

Die Bescheinigung wird erst interessant, wenn Ausschüttungen oder Zinsen den Freistellungsauftrag sprengen, während wegen des Grundfreibetrags weiterhin keine Steuer geschuldet wird.