Assetklasse
Rohstoffe & Edelmetalle
Von Philipp Busch Aktualisiert am Aufgeld- und Kostenrechnung gegen feste Referenzwerte geprüft
Rohstoffe und Edelmetalle sind die einzige Klasse hier ohne jeden Zahlungsstrom. Sie widersprechen damit der Cashflow-Klammer — und gehören genau deshalb hierher: Wer laufende Einnahmen sucht, ist bei Gold und Silber grundsätzlich falsch.
Ertrag
Keiner — nur Preisänderung
Kosten
Lagerung, Spread, Rollverluste
Risiko
Preisschwankung ohne Ertragspuffer
Liquidität
Hoch bei Gold, geringer sonst
Was kommt rein?
Nichts. Das ist keine Zuspitzung, sondern die zentrale Eigenschaft dieser Anlageklasse: Ein Unternehmen erwirtschaftet Gewinne, eine Anleihe zahlt Kupons, eine Wohnung bringt Miete. Ein Goldbarren tut nichts davon.
Der einzige Ertragsweg ist der Verkauf zu einem höheren Preis. Weil gleichzeitig Lagerkosten anfallen, beginnt die Rechnung im Minus — die Preissteigerung muss diese Kosten erst aufholen, bevor überhaupt Ertrag entsteht.
Daraus folgt nicht, dass Rohstoffe sinnlos wären. Ihr Zweck im Portfolio ist ein anderer: Sie verhalten sich in bestimmten Marktphasen anders als Aktien und Anleihen. Wer sie beimischt, kauft eine Diversifikation — keine Ertragsquelle.
Was geht ab?
| Kostenblock | Betrifft | Anmerkung |
|---|---|---|
| Handelsspanne | Physischer Kauf | An- und Verkaufspreis liegen spürbar auseinander |
| Lagerung und Versicherung | Physischer Besitz | Schließfach oder Verwahrung, laufend |
| Laufende Kostenquote | ETC und Fonds | Deckt Verwahrung des hinterlegten Metalls |
| Rollverluste | Terminkontrakt-basierte Produkte | Bei Contango dauerhafter Abfluss |
Bei kleinen Stückelungen ist der Aufschlag auf den Materialwert überproportional hoch. Wer in kleinen Einheiten kauft, zahlt für dieselbe Menge Metall deutlich mehr als bei größeren Barren.
Der nötige Preisanstieg
Aus diesen Posten folgt die Zahl, die vor jedem Kauf stehen sollte: Um wie viel muss der Preis steigen, damit am Ende weder Gewinn noch Verlust steht? Alles darunter ist ein Verlustgeschäft, auch wenn der Metallpreis gestiegen ist.
| Annahme | Haltedauer | Für null nötig | Für Kaufkrafterhalt |
|---|---|---|---|
| 5 % Aufgeld, 2 % Spanne, 0,5 % Verwahrung | 5 Jahre | 1,90 % p. a. | 3,94 % p. a. |
| dieselben Annahmen | 10 Jahre | 1,20 % p. a. | 3,22 % p. a. |
| dieselben Annahmen | 20 Jahre | 0,85 % p. a. | 2,87 % p. a. |
| 12 % Aufgeld (kleine Münzen), sonst gleich | 10 Jahre | 1,85 % p. a. | 3,89 % p. a. |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens verteilt sich das einmalige Aufgeld über die Zeit — je länger die Haltedauer, desto kleiner die jährliche Hürde. Zweitens verschiebt die Inflation die Messlatte um ihren vollen Betrag nach oben, weil kein Ertrag entsteht, der sie abfedern könnte. Die Systematik dahinter ist dieselbe wie beim Realzins.
Mit eigenen Werten lässt sich das im Edelmetall-Rechner durchspielen — samt dem Vergleich zwischen physischem Besitz und einer Wertpapierlösung.
Gold, Silber, Industriemetalle
„Rohstoffe" ist ein Sammelbegriff für Dinge, die sich unterschiedlich verhalten. Für die Einordnung im Portfolio zählt vor allem, ob ein Metall überwiegend als Wertaufbewahrung oder überwiegend industriell nachgefragt wird.
| Rohstoff | Nachfrage vor allem | Verhalten im Abschwung |
|---|---|---|
| Gold | Wertaufbewahrung, Zentralbanken | Oft gesucht |
| Silber | Gemischt: Industrie und Anlage | Schwankt stärker als Gold |
| Platin, Palladium | Industrie, Fahrzeugbau | Folgt der Konjunktur |
| Industriemetalle | Bau, Elektrifizierung | Fällt mit den Aktien |
Daraus folgt die praktische Konsequenz: Der erhoffte Diversifikationseffekt tritt vor allem bei Gold auf. Bei industrienachgefragten Metallen fällt der Preis tendenziell dann, wenn auch Aktien fallen — dann fehlt die Gegenbewegung genau in dem Moment, für den sie gedacht war.
Silber trägt einen zusätzlichen Nachteil: Beim physischen Kauf fällt in Deutschland Umsatzsteuer an, bei Anlagegold nicht. Derselbe Betrag kauft damit von Anfang an deutlich weniger Metall.
Wie viel Beimischung?
Eine allgemein richtige Quote gibt es nicht, und wer eine nennt, verkauft etwas. Ableitbar ist nur die Logik: Jeder Prozentpunkt Rohstoffe senkt den erwarteten Gesamtertrag des Depots, weil dieser Teil keinen Ertrag erwirtschaftet. Bezahlt wird dafür eine ruhigere Wertentwicklung.
Üblich sind deshalb einstellige Prozentanteile. Wichtiger als die genaue Zahl ist, sie vorher festzulegen und nicht nachträglich an die Preisentwicklung anzupassen — sonst wird aus der Beimischung eine Wette. Wer stattdessen laufende Einnahmen sucht, findet sie bei Zinsen und Anleihen oder Immobilien, nicht hier.
Was kann schiefgehen?
Der Preis schwankt erheblich — und anders als bei Aktien oder Anleihen federt kein laufender Ertrag diese Schwankung ab. Es gibt keinen inneren Wert, aus dem sich ein Preis ableiten ließe: Der Kurs ergibt sich allein daraus, was andere zu zahlen bereit sind.
Bei physischem Besitz kommen Diebstahl- und Verwahrrisiko hinzu, bei ETCs das Emittentenrisiko. Bei Industriemetallen wirkt zusätzlich die Konjunktur: Sie fallen tendenziell dann, wenn auch Aktien fallen — der erhoffte Diversifikationseffekt kann also ausgerechnet im Krisenfall ausbleiben.
Wie schnell wieder raus?
Gold ist weltweit und praktisch jederzeit verkäuflich, an der Börse gehandelte Produkte ohnehin. Bei physischer Ware kostet der Verkauf allerdings die Handelsspanne — und je kleiner die Stückelung, desto ungünstiger.
Bei weniger verbreiteten Rohstoffen und Sammlermünzen wird der Käufermarkt schnell dünn, was den erzielbaren Preis drückt.
Was der Fiskus nimmt
Hier liegt ein echter struktureller Unterschied: Physische Edelmetalle gelten als private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG. Nach mehr als einem Jahr Haltedauer ist der Gewinn steuerfrei.
Für Rohstoff-ETCs und Fondslösungen gilt das nicht automatisch — hier entscheidet die rechtliche Konstruktion des Produkts über die Behandlung, und die Abgrenzung ist im Einzelfall knifflig. Das ist ein Punkt, an dem sich steuerlicher Rat vor dem Kauf lohnt statt danach.
Besteuerung im Ländervergleich
Weil Rohstoffe keinen laufenden Ertrag abwerfen, unterscheiden sich die Länder nicht beim Ertrag, sondern an zwei anderen Stellen: beim Gewinn aus dem Verkauf und bei der bloßen Haltung.
Beim Verkaufsgewinn liegen Deutschland und die Schweiz im Ergebnis nah beieinander, auf verschiedenen Wegen — hier über die Haltefrist des Abschnitts oben, dort über den Grundsatz, dass private Kapitalgewinne gar nicht erst steuerbar sind. Der eigentliche Unterschied liegt bei der Haltung: Die Schweizer Vermögenssteuer greift Jahr für Jahr auf den Bestand zu, obwohl das Metall nichts abwirft. Aus einer steuerfreien Anlage wird damit eine, die laufend Geld kostet — und zwar unabhängig davon, ob der Preis steigt oder fällt.
| Merkmal | Deutschland | Österreich | Schweiz |
|---|---|---|---|
| Gewinn und Haltung | Physische Edelmetalle gelten als private Veräußerungsgeschäfte nach § 23 EStG: nach mehr als einem Jahr Haltedauer ist der Gewinn steuerfrei. Für ETCs und Fondslösungen entscheidet die rechtliche Konstruktion, häufig greift die Abgeltungsteuer. Keine Steuer auf den bloßen Bestand. | Für Wertpapierlösungen greift die Kapitalertragsteuer mit Abgeltungswirkung über die inländische Depotstelle; bei Fonds ist zusätzlich der Meldestatus maßgeblich. Für physisches Metall außerhalb von § 27 und § 30 gilt die Spekulationsfrist von einem Jahr (§ 31 Abs. 1 EStG 1988). Ob und unter welchen Bedingungen physisches Metall abweichend behandelt wird, ist zu prüfen: Tarife und Freibeträge sind je Kanton und Gemeinde verschieden und beim Wohnsitzkanton nachzuschlagen | Private Kapitalgewinne sind grundsätzlich nicht steuerbar — der Verkaufsgewinn bleibt damit im Regelfall unbelastet. Der Bestand zählt aber zum steuerbaren Vermögen und wird jährlich erfasst, obwohl er keinen Ertrag liefert. Kantonal verschieden: Tarife und Freibeträge sind je Kanton und Gemeinde verschieden und beim Wohnsitzkanton nachzuschlagen |
Nur für Deutschland sind konkrete Sätze und Freibeträge hinterlegt und zentral gepflegt. Für Österreich und die Schweiz beschreibt die Tabelle allein die Systematik — Prozentsätze, Freibeträge und Schwellenwerte sind dort am jeweiligen nationalen Recht zu prüfen.
Die drei Systeme im Detail: Deutschland, Österreich, Schweiz.
Verwandte Klassen ohne laufenden Ertrag: Sachwerte und Krypto & Staking. Bei Wertpapierlösungen lohnt der Blick auf die Konstruktion — dieselbe Frage wie bei physischer und synthetischer Nachbildung.
Aufgeld, Handelsspanne, Verwahrung, Haltefrist und Inflation in einer Rechnung: Edelmetall-Rechner. Zum Vergleich mit einer verzinsten Anlage der Zinsrechner.
Rohstoffe erzeugen keine laufenden Erträge und unterliegen starken Preisschwankungen. Ein Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Dieser Text ist allgemeine Information, keine Anlage- oder Steuerberatung und keine Kaufempfehlung.
Alle Artikel zu Rohstoffen und Edelmetallen
9 Beiträge
Grundlagen
- Gold physisch, als ETC oder als Fonds? Drei Wege zum selben Metall, mit unterschiedlichem Recht: Eigentum, Schuldverschreibung oder Sondervermögen.
- Gold als Inflationsschutz? Über Jahrzehnte hat Gold seine Kaufkraft gehalten. Über Jahre gilt das nicht — und genau darin liegt das Problem.
Kosten
- Aufgeld und Stückelung Warum derselbe Betrag in kleinen Einheiten deutlich weniger Metall kauft — und was das über die Haltedauer kostet.
- Contango und Rollverluste Rohstofffonds halten Terminkontrakte, keine Ware. Beim Rollen entsteht ein Abfluss, der von der Preisentwicklung unabhängig ist.
- Silber: Umsatzsteuer und Schwankung Anlagegold ist umsatzsteuerfrei, Silber nicht. Der Kauf startet damit mit einem Rückstand, den der Preis erst aufholen muss.
Praxis
- Lagerung und Versicherung Zuhause, Schließfach oder Zollfreilager: Was jede Variante kostet, welche Grenzen die Hausratversicherung setzt.
- Welcher Goldanteil im Portfolio? Jeder Prozentpunkt senkt den erwarteten Ertrag. Was er dafür liefern muss, damit die Beimischung ihren Zweck erfüllt.
Risiko
- Minenaktien statt Metall? Minenwerte reagieren gehebelt auf den Goldpreis — bringen aber Unternehmensrisiko und Aktienmarktbindung mit.
Steuern
- Edelmetalle versteuern Die Haltefrist nach § 23 EStG macht physisches Metall steuerlich attraktiv — für Wertpapierlösungen gilt sie nicht automatisch.
Rechtsquellen
- § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG Physisches Edelmetall ist ein anderes Wirtschaftsgut: Frist von einem Jahr zwischen Anschaffung und Veräußerung, danach ist der Gewinn steuerfrei Bundesministerium der Justiz
- § 23 Abs. 3 Satz 5 EStG Freigrenze von 1.000 Euro im Kalenderjahr für alle privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen Bundesministerium der Justiz
Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 11.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Die Liste nennt die Normen hinter diesem Text, nicht den Einzelfall. Die Einordnung hängt an der konkreten Ausgestaltung und gehört im Zweifel fachlich geprüft.
Häufige Fragen
Wirft Gold Zinsen oder Dividenden ab?
Nein. Gold und andere Rohstoffe erzeugen keinerlei Zahlungsstrom. Ein Barren produziert nichts, zahlt nichts aus und vermehrt sich nicht.
Der einzige mögliche Ertrag ist ein höherer Verkaufspreis. Zugleich verursacht die Lagerung Kosten — die Rendite startet also unter null und muss allein durch Preissteigerung erwirtschaftet werden.
Ist Gold ein Schutz gegen Inflation?
Über sehr lange Zeiträume hat Gold seine Kaufkraft tendenziell erhalten. Über Zeiträume von einigen Jahren gilt das nicht verlässlich: Es gab lange Phasen, in denen Gold real an Wert verlor, auch bei steigender Inflation.
Als kurzfristiger Inflationsschutz ist es daher unzuverlässig. Der plausiblere Zweck im Portfolio ist ein anderer: ein Baustein, der sich in Krisen oft anders verhält als Aktien.
Wie wird der Verkauf von physischem Gold besteuert?
Physische Edelmetalle fallen unter § 23 EStG als private Veräußerungsgeschäfte. Nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr ist der Veräußerungsgewinn steuerfrei.
Das ist ein struktureller Unterschied zu Wertpapieren, bei denen Kursgewinne unabhängig von der Haltedauer der Abgeltungsteuer unterliegen. Für Rohstoff-ETCs und Fondslösungen gelten wiederum eigene Regeln — die Rechtsform entscheidet, nicht der Rohstoff.
Was ist der Unterschied zwischen physischem Gold und einem Gold-ETC?
Physisches Gold besitzt du unmittelbar; du trägst Lagerung und Versicherung selbst. Ein ETC (Exchange Traded Commodity) ist rechtlich eine Schuldverschreibung — also eine Forderung gegen den Emittenten.
Damit kommt beim ETC ein Emittentenrisiko hinzu, das durch Hinterlegung von Gold gemindert, aber nicht beseitigt wird. Anders als Fondsvermögen ist ein ETC kein Sondervermögen.
Wie hoch ist das Aufgeld beim Goldkauf?
Das Aufgeld ist der Aufschlag auf den Materialwert und deckt Prägung, Vertrieb und Händlermarge. Es hängt stark an der Stückelung: Große Barren tragen wenige Prozent, kleine Münzen und Gramm-Einheiten ein Mehrfaches davon.
Weil es beim Kauf sofort abgeht, muss der Preis erst um diesen Betrag steigen, bevor überhaupt Gewinn entsteht. Der Edelmetall-Rechner weist diesen nötigen Preisanstieg als Break-even aus.
Wie viel Rohstoffe gehören ins Portfolio?
Eine allgemein richtige Quote gibt es nicht. Üblich sind einstellige Prozentanteile, weil die Position keinen Ertrag liefert und damit den erwarteten Gesamtertrag des Depots senkt.
Entscheidend ist die Rolle: Wer Rohstoffe als Diversifikation hält, braucht sie nur in der Größe, in der sie das Gesamtergebnis merkbar beruhigen. Wer sie als Ertragsquelle einplant, hat die Klasse falsch verstanden.
Was ist Contango und warum kostet es Rendite?
Rohstoff-Fonds halten meist keine Ware, sondern Terminkontrakte, die vor Fälligkeit in den nächsten Kontrakt gerollt werden. Liegt der spätere Kontrakt höher im Preis als der laufende, spricht man von Contango.
Beim Rollen wird dann teurer eingekauft als verkauft — es entsteht ein wiederkehrender Verlust, unabhängig von der Preisentwicklung des Rohstoffs. Über längere Zeiträume kann das die Rendite spürbar aufzehren.
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