Rohstoffe & Edelmetalle
Welcher Goldanteil?
Von Philipp Busch Aktualisiert am
Die Frage wird meist mit einer Zahl beantwortet — fünf Prozent, zehn, bei manchen deutlich mehr. Interessanter ist, woraus sich ein Goldanteil überhaupt ableiten lässt.
Der Preis der Beimischung
Der erwartete Ertrag eines Depots ist der gewichtete Durchschnitt seiner Bestandteile. Gold trägt zu diesem Durchschnitt keinen Ertrag bei, sondern nur eine Preisänderung — und Kosten für Verwahrung.
Jeder Prozentpunkt Gold senkt damit die Ertragserwartung des Gesamtdepots. Das ist kein Argument gegen Gold, aber es macht die Rechnung eindeutig: Die Position muss etwas anderes liefern als Ertrag, sonst ist sie nicht begründbar.
Was sie liefern soll
Der begründbare Zweck ist die Unabhängigkeit von Schuldnern. Gold braucht keinen Emittenten, kein Unternehmen, keinen Mieter. In Phasen, in denen genau diese Zahlungsfähigkeit in Frage steht, verhält es sich häufig anders als der Rest des Depots.
Was es nicht verlässlich liefert, ist ein Inflationsausgleich für einen bestimmten Zeitraum — dazu steht mehr unter Gold als Inflationsschutz. Wer die Position mit diesem Argument aufbaut, kauft etwas anderes als er glaubt.
| Anteil | Wirkung auf das Depot | Preis |
|---|---|---|
| bis 5 % | Dämpfung spürbar, Ergebnis kaum beeinflusst | gering |
| 5 bis 10 % | Deutliche Dämpfung in Krisenphasen | Ertragserwartung sinkt merkbar |
| über 15 % | Der Goldpreis bestimmt das Depotergebnis mit | Aus Beimischung wird Wette |
Warum die Zahl vorher feststehen muss
Eine ertraglose Position gewinnt ihren Nutzen fast ausschließlich über Rebalancing: Steigt Gold stark, wird ein Teil verkauft und in die ertragbringenden Klassen umgeschichtet; fällt es, wird nachgekauft. So wird aus Schwankung ein Beitrag zum Ergebnis.
Das funktioniert nur mit einem festen Zielanteil. Ohne ihn fehlt der Auslöser, und die Entscheidung fällt nach Gefühl — meist prozyklisch, also nach einem Preisanstieg. Damit verliert die Position ihre Funktion und wird zur Richtungswette.
Praktisch heißt das: Zielanteil und Toleranzband vorher notieren, etwa fünf Prozent mit Anpassung bei Abweichung um mehr als einen Prozentpunkt. Beim physischen Metall stößt das an eine Grenze — Teilverkäufe kosten Handelsspanne und erfordern passende Stückelung.
Gold neben Anleihen, nicht statt Anleihen
Beide sollen das Aktienrisiko dämpfen, arbeiten aber unterschiedlich. Anleihen zahlen einen Kupon und haben ein Fälligkeitsdatum, auf das der Kurs zuläuft — dafür tragen sie Zinsänderungs- und Ausfallrisiko, siehe Duration und Zinsrisiko.
Gold hat weder Kupon noch Fälligkeit, dafür keinen Schuldner. Wer nur eines von beidem hält, verzichtet auf einen der zwei Mechanismen. In welcher Größenordnung verzinste Anlagen real überhaupt etwas beitragen, zeigt der Zinsrechner.
Die Kosten gehören in die Quote
Bei der Festlegung wird die Kostenseite regelmäßig vergessen. Aufgeld, Handelsspanne und Verwahrung wirken auf den gesamten Goldanteil. Bei einem hohen Anteil und langer Haltedauer summiert sich das zu einem Betrag, der in derselben Größenordnung liegt wie die erhoffte Dämpfung.
Was am Ende bleibt, hängt an diesen Sätzen und der Haltedauer — beides lässt sich im Edelmetall-Rechner durchspielen, samt dem Preisanstieg, der für ein Nullergebnis nötig ist.
Was die Quote im Depot tatsächlich kostet
Jeder Prozentpunkt Gold ersetzt einen Prozentpunkt von etwas anderem. Weil Gold keinen Ertrag abwirft, ist der Preis dieser Beimischung die Renditeerwartung, auf die man verzichtet — und die lässt sich beziffern.
| Goldanteil | Erwartete Rendite des Depots | Auf 100.000 € nach 20 Jahren |
|---|---|---|
| 0 % | 6,00 % | 320.714 € |
| 5 % | 5,70 % | 303.331 € |
| 10 % | 5,40 % | 286.760 € |
| 20 % | 4,80 % | 255.837 € |
Die Annahme dahinter ist bewusst streng: sechs Prozent für den Aktienteil, null für Gold, keine Kosten. Sie zeigt nicht, was passieren wird, sondern was die Beimischung im Erwartungswert kostet — bei zehn Prozent Goldanteil rund 34.000 Euro über zwanzig Jahre.
Dieser Betrag ist der Preis für die Diversifikation. Ob er sich lohnt, hängt daran, ob Gold in den Jahren hilft, in denen es darauf ankommt — und das ist keine Rechnung, sondern eine Erwartung. Wer die Quote festlegt, sollte den Preis kennen, statt ihn zu übersehen. Kosten für Aufgeld und Verwahrung kommen obendrauf, siehe Lagerung und Versicherung.
Eine festgelegte Quote verlangt außerdem eine Entscheidung, die viele übersehen: Was passiert, wenn Gold stark steigt? Ohne Nachjustieren wird aus fünf Prozent nach einigen guten Jahren das Doppelte — und damit ein Gewicht, für das man sich nie entschieden hat. Die Mechanik ist dieselbe wie bei jeder Zielquote, nachzulesen unter Rebalancing.
Umgekehrt gilt dasselbe in schwachen Goldjahren: Wer die Quote hält, kauft dann nach — und das fällt schwerer als das Verkaufen nach einem Anstieg. Eine Quote, die man nur in eine Richtung durchhält, ist keine Quote, sondern eine Marktmeinung mit Zahl. Wer das nicht durchhalten möchte, sollte den Anteil von vornherein kleiner ansetzen.
Die genannten Größenordnungen sind Einordnung und keine Empfehlung für eine bestimmte Gewichtung. Historische Zusammenhänge zwischen Anlageklassen sind nicht stabil und lassen keinen verlässlichen Schluss auf die Zukunft zu. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.
Quelle: Statistisches Bundesamt · Stand 04.09.2026 · Verbraucherpreisindex als Bezugsgröße der realen Betrachtung
Häufige Fragen
Wie viel Gold gehört ins Portfolio?
Eine allgemein richtige Quote gibt es nicht. Üblich sind einstellige Prozentanteile, weil die Position keinen Ertrag liefert und den erwarteten Gesamtertrag des Depots senkt.
Ableitbar ist nur die Logik: Der Anteil muss groß genug sein, um die Schwankung des Gesamtdepots merkbar zu dämpfen, und klein genug, dass der fehlende Ertrag nicht das Ergebnis bestimmt.
Warum senkt Gold den erwarteten Ertrag?
Weil dieser Teil des Vermögens nichts erwirtschaftet. Aktien beteiligen an Gewinnen, Anleihen zahlen Kupons, Immobilien bringen Miete — Gold liefert nur eine Preisänderung und kostet Verwahrung.
Der erwartete Ertrag des Depots ist der gewichtete Durchschnitt seiner Teile. Jeder Prozentpunkt in einer ertraglosen Position zieht diesen Durchschnitt nach unten.
Was ist Rebalancing und warum ist es hier wichtig?
Rebalancing stellt die Zielgewichtung wieder her: Was gestiegen ist, wird teilweise verkauft, was gefallen ist, nachgekauft. Bei einer ertraglosen Position ist das der einzige Mechanismus, der aus Schwankung Nutzen zieht.
Ohne festen Zielanteil gibt es keinen Auslöser dafür. Deshalb ist die Quote vorher festzulegen — sonst wird aus der Beimischung eine Wette auf den Preis.
Zählen Goldminenaktien zur Goldquote?
Nein. Eine Minenaktie ist ein Unternehmen: mit Förderkosten, Verschuldung, politischem Risiko am Standort und einem Management, das Fehler machen kann. Sie reagiert auf den Goldpreis verstärkt, aber sie reagiert auch auf alles, was Aktien sonst bewegt — und damit gerade in den Phasen, in denen die Beimischung ihre Aufgabe erfüllen soll.
Wer Minenaktien hält, hat also eine Aktienposition mit Rohstoffbezug, keine Goldposition. Sie gehört in die Aktienquote und nicht in die Beimischung. Andernfalls ist der Aktienanteil des Depots höher, als die Aufteilung ausweist — genau der Fehler, den eine feste Zielquote verhindern soll.
Sollte man Gold in Etappen kaufen?
Bei physischem Metall spricht das Aufgeld dagegen: Kleine Beträge bedeuten kleine Einheiten und damit hohe Aufschläge pro Gramm.
Wer den Einstiegszeitpunkt streuen will, kommt mit größeren, seltenen Käufen günstiger weg als mit monatlichen Kleinstkäufen — oder nutzt für die Streuung eine Wertpapierlösung.
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