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ETFs & Fonds

Physisch oder synthetisch?

Ein Index ist eine Rechenvorschrift, kein Wertpapier. Wie ein Fonds ihn nachbildet, ist deshalb eine Konstruktionsentscheidung — mit Folgen für Kosten und Risiko, aber nicht so dramatisch, wie oft dargestellt.

Drei Bauarten

Die Unterscheidung zwischen „physisch" und „synthetisch" verdeckt, dass es eigentlich drei Wege gibt — zwei davon physisch:

Drei Replikationsmethoden im Vergleich: Vollreplikation hält alle Indextitel, Sampling eine repräsentative Auswahl, die synthetische Variante nutzt ein Tauschgeschäft mit einer Gegenpartei.
Die Wahl der Methode ist ein Abwägen zwischen Handelskosten und Kontrahentenrisiko.
MethodeWie abgebildet wirdStärkeSchwäche
VollreplikationAlle Indextitel in IndexgewichtungTransparent, kein SwapTeuer bei sehr breiten Indizes
SamplingRepräsentative Auswahl der TitelGünstiger, weiterhin physischLeichte Abweichung möglich
Synthetisch (Swap)Tauschgeschäft mit einer GegenparteiSehr genaue Abbildung, auch enge MärkteKontrahentenrisiko

Was beim Swap wirklich passiert

Der Fonds hält ein Wertpapierportfolio — häufig gut handelbare Standardwerte, die mit dem Zielindex nichts zu tun haben müssen. Parallel vereinbart er mit einer Bank: Ich gebe dir die Rendite meines Portfolios, du gibst mir die Rendite des Index.

Fällt die Gegenpartei aus, bleibt dem Fonds das Wertpapierportfolio. Der offene Betrag ist die Differenz zwischen beiden Renditen — gesetzlich begrenzt und in der Praxis meist besichert oder täglich glattgestellt. Das Risiko ist also real, aber der Größenordnung nach begrenzt.

Die unbequeme Symmetrie

Oft übersehen

Viele physisch replizierende ETFs verleihen Wertpapiere aus dem Fondsvermögen gegen Gebühr. Damit tragen auch sie ein Kontrahentenrisiko. Der Unterschied zwischen den Bauarten ist in diesem Punkt kleiner, als die Bezeichnungen nahelegen.

Wer Kontrahentenrisiken konsequent meiden will, muss also nicht nur nach physischer Replikation schauen, sondern auch in die Fondsunterlagen, ob und in welchem Umfang Wertpapierleihe betrieben wird. Näheres dazu unterWie sicher sind ETFs?

Was praktisch zählt

Für breite, liquide Indizes ist physische Replikation die naheliegende Wahl — schlicht weil sie leichter zu durchschauen ist. Bei Märkten mit Zugangsbeschränkungen oder sehr vielen kleinen Titeln kann die synthetische Variante genauer und günstiger sein.

Am Ende entscheidet nicht die Methode, sondern das Ergebnis: dieTracking Difference.

Hinweis

Fondsvermögen ist Sondervermögen und bei Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt — das gilt für beide Bauarten. Vor Kursverlusten schützt keine von beiden. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlageberatung.

Häufige Fragen

Was bedeutet physische Replikation bei einem ETF?

Bei physischer Replikation kauft der Fonds die Wertpapiere des Index tatsächlich. Bei vollständiger Replikation hält er alle enthaltenen Titel in der Indexgewichtung.

Beim Sampling erwirbt er nur eine repräsentative Auswahl. Das ist bei sehr breiten Indizes üblich, weil der Kauf tausender Einzeltitel mit hohen Handelskosten verbunden wäre.

Wie funktioniert ein Swap-ETF?

Ein synthetisch replizierender ETF hält ein Wertpapierportfolio, das nicht dem Index entsprechen muss, und schließt mit einer Gegenpartei ein Tauschgeschäft ab. Diese liefert die Indexrendite, im Gegenzug erhält sie die Rendite des gehaltenen Portfolios.

Der Fonds bildet den Index dadurch sehr genau ab, ohne die Titel kaufen zu müssen. Dafür entsteht eine Abhängigkeit von der Gegenpartei.

Sind Swap-ETFs riskanter als physische?

Sie tragen ein zusätzliches Risiko, das physische ETFs nicht haben: das Ausfallrisiko der Tauschgegenpartei. Dieses ist allerdings begrenzt und besichert.

Der Wert des Tauschgeschäfts darf einen gesetzlich festgelegten Anteil des Fondsvermögens nicht überschreiten, und in der Praxis wird meist zusätzlich mit Sicherheiten unterlegt oder täglich ausgeglichen. Ein Totalverlust durch den Swap allein ist damit nicht zu erwarten.

Betreiben physische ETFs Wertpapierleihe?

Viele tun das. Sie verleihen Titel aus dem Fondsvermögen gegen Gebühr an andere Marktteilnehmer und geben die Erträge ganz oder teilweise an den Fonds weiter.

Damit entsteht auch bei physischen ETFs ein Kontrahentenrisiko — der Unterschied zu Swap-ETFs ist in dieser Hinsicht kleiner, als die Bezeichnungen vermuten lassen. Die Geschäfte werden üblicherweise übersichert.

Welche Replikationsmethode soll ich wählen?

Für breite, gut handelbare Indizes ist physische Replikation die naheliegende Wahl, weil sie einfacher nachvollziehbar ist.

Bei schwer zugänglichen Märkten oder Indizes mit vielen kleinen Titeln kann die synthetische Variante den Index genauer und günstiger abbilden. Entscheidend ist am Ende die Tracking Difference, nicht die Methode als solche.