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Kredite

Bauzinsen: woraus sie entstehen

Von Aktualisiert am Eigene Modellrechnungen, gegen feste Referenzwerte geprüft

Wer nach Bauzinsen sucht, sucht meist eine Zahl. Die gibt es nicht — es gibt einen Satz, der für den eigenen Fall gilt, und vier Bestandteile, die ihn erzeugen. Drei davon lassen sich beeinflussen.

Der Leitzins ist nicht gemeint

Die verbreitetste Fehlannahme über Baufinanzierungen ist, dass ihr Zins am Leitzins der Europäischen Zentralbank hängt. Das trifft für Tagesgeld, Dispositionskredite und kurzfristige Unternehmenskredite weitgehend zu — für ein Darlehen mit zehn oder fünfzehn Jahren Zinsbindung nicht.

Der Grund liegt in der Refinanzierung. Eine Bank, die einen Zinssatz für fünfzehn Jahre zusagt, muss sich das Geld für einen entsprechenden Zeitraum besorgen; sonst trüge sie das Zinsänderungsrisiko selbst. Das übliche Instrument dafür ist der Pfandbrief — eine durch die Grundpfandrechte besicherte Anleihe. Der Preis dieser Refinanzierung ist die Rendite langlaufender Pfandbriefe, und die orientiert sich an den Renditen von Bundesanleihen vergleichbarer Laufzeit.

Daraus folgt eine praktische Konsequenz: Bauzinsen können steigen, während der Leitzins sinkt. Was sie bewegt, sind Erwartungen über Inflation und Wachstum in zehn und mehr Jahren, nicht die Entscheidung des laufenden Quartals. Dieselbe Mechanik in umgekehrter Richtung erklärt, warum Anleihekurse fallen, wenn die Zinsen steigen — nachzulesen unter Duration und Zinsänderungsrisiko.

Aus derselben Mechanik folgt, warum eine längere Zinsbindung regelmäßig mehr kostet als eine kurze: Die Bank refinanziert sich dann über eine längere Frist, und wer für längere Zeit Geld verleiht, verlangt üblicherweise einen Aufschlag für das größere Zinsänderungsrisiko. Der Zusammenhang zwischen Laufzeit und Zinssatz — die Zinsstrukturkurve — ist allerdings nicht in jeder Marktphase steigend. Sie kann flach verlaufen und in seltenen Phasen sogar fallen; dann ist eine fünfzehnjährige Bindung kaum teurer als eine zehnjährige oder billiger. Ob der Aufschlag für eine längere Bindung angemessen ist, lässt sich deshalb nicht allgemein sagen, sondern nur am konkreten Angebotspaar prüfen.

Vier Teile eines Bauzinses

Der Sollzins eines Angebots lässt sich in vier Bestandteile zerlegen. Die Aufteilung ist keine Vertragsgröße und steht in keinem Angebot — sie ist das Modell, mit dem sich verstehen lässt, warum die Zahl so ausfällt, wie sie ausfällt.

Der letzte Punkt ist der praktisch wichtigste, weil er sich beziffern lässt. Ein Aufschlag von 0,1 Prozentpunkten für eine Option kostet bei 400.000 Euro rund 3.501 Euro über zehn Jahre. Ob eine Flexibilität so viel wert ist, ist damit keine Gefühlsfrage mehr, sondern eine Rechnung.

Warum zwei Banken verschieden rechnen

Wenn der größte Bestandteil für alle gleich ist, müssten die Angebote nahe beieinanderliegen. Sie tun es nicht, und das hat vier nüchterne Gründe.

Erstens die Objektbewertung. Der Beleihungsauslauf wird nicht am Kaufpreis gemessen, sondern am intern ermittelten Wert. Zwei Institute können denselben Kaufvertrag zu 79 und zu 82 Prozent Beleihung rechnen — und damit in verschiedene Staffelstufen fallen.

Zweitens die Risikopolitik. Welche Berufsgruppen, welche Objektarten und welche Regionen ein Institut bevorzugt, ändert sich mit seinem Portfolio. Eine Bank, die in einer Region bereits stark engagiert ist, kalkuliert dort vorsichtiger. Was das für einzelne Berufsgruppen bedeutet — Beamte, Angestellte, Selbstständige —, unterscheidet sich erheblich.

Drittens der Vertriebsweg. Läuft die Finanzierung über einen Vermittler, ist dessen Provision Teil der Kalkulation. Das ist kein versteckter Posten — die Bank spart im Gegenzug eigene Vertriebskosten —, aber es erklärt, warum dieselbe Bank über verschiedene Wege verschiedene Konditionen stellen kann.

Viertens die Zusammensetzung des Angebots. Ein Satz ohne Sondertilgungsrecht, mit kürzerer bereitstellungszinsfreier Zeit oder mit strengerem Auszahlungsplan ist niedriger — ohne dass die Finanzierung besser wäre. Welche Bausteine ein Angebot überhaupt enthält, steht unter Bausteine einer Baufinanzierung.

Was ein Zehntelprozentpunkt kostet

Die abstrakte Diskussion über Zinsniveaus wird konkret, sobald man sie in Euro übersetzt. Dieselbe Finanzierung — 400.000 Euro, zwei Prozent anfängliche Tilgung, zehn Jahre Zinsbindung — bei vier Sollzinssätzen:

Sollzins Monatsrate Zinsen in 10 Jahren Restschuld nach 10 J.
3,40 % 1.800 € 120.877 € 304.877 €
3,50 % 1.833 € 124.378 € 304.378 €
3,90 % 1.967 € 138.349 € 302.349 €
4,40 % 2.133 € 155.735 € 299.735 €

Eigene Berechnung mit dem Baukreditrechner: ein Annuitätendarlehen über 400.000 Euro, 2 Prozent anfängliche Tilgung, 10 Jahre Zinsbindung. Die Sollzinssätze sind Annahmen.

Zwischen der ersten und der zweiten Zeile liegt ein Zehntelprozentpunkt: 33 Euro im Monat, 3.501 Euro in zehn Jahren. Zwischen der ersten und der letzten liegen 34.858 Euro — allein an Zinsen, allein bis zum Bindungsende, bei unveränderter Darlehenssumme.

Diese Größenordnung ist der Maßstab für alles Weitere: für die Frage, ob sich ein Zinsaufschlag für ein Sondertilgungsrecht lohnt, ob eine längere Zinsbindung ihr Geld wert ist, und ob es sinnvoll ist, für zwei Zehntelprozentpunkte den Anbieter zu wechseln.

Vergleich der Zinssumme über zehn Jahre bei vier Sollzinssätzen: Ein Zehntelprozentpunkt Unterschied kostet bei 400.000 Euro Darlehen rund 3.500 Euro, ein Prozentpunkt rund 35.000 Euro.
Ein Zehntelprozentpunkt klingt nach nichts und kostet bei 400.000 Euro rund 3.500 Euro in zehn Jahren. CC BY 4.0

Rate und Restschuld täuschen

In der Tabelle steckt eine Auffälligkeit, die regelmäßig zu falschen Schlüssen führt: Beim teuersten Zinssatz ist die Restschuld am niedrigsten. 299.735 Euro bei 4,40 Prozent gegen 304.877 Euro bei 3,40 Prozent.

Der Grund ist der anfängliche Tilgungssatz. Wird er in Prozent angegeben, ist die Annuität die Summe aus Sollzins und Tilgungssatz. Ein höherer Sollzins erzeugt also eine höhere Rate — und weil der Tilgungsanteil einer Annuität mit dem Sollzins wächst, tilgt das teurere Darlehen in absoluten Beträgen schneller. Bezahlt wird das mit einer um 333 Euro höheren Monatsrate und 34.858 Euro mehr Zinsen.

Für den Vergleich zweier Angebote folgt daraus eine harte Regel: Weder die Monatsrate noch die Restschuld taugen als Vergleichsgröße, solange nicht beide Angebote dieselbe Tilgungsstruktur haben. Verglichen wird die gezahlte Zinssumme bis zu einem gemeinsamen Stichtag — und für die Gesamtkosten einschließlich aller Entgelte der effektive Jahreszins, dessen Berechnungsverfahren gesetzlich festgelegt und deshalb zwischen Anbietern vergleichbar ist.

Was „aktuelle Bauzinsen" wert sind

Nahezu jede Finanzierungsseite nennt einen aktuellen Bauzins. Als Orientierung über das Niveau ist das brauchbar; als Grundlage für die eigene Kalkulation ist es aus drei Gründen unbrauchbar.

Es ist ein Bestzins. Genannt wird der Satz für den günstigsten Fall: niedriger Beleihungsauslauf, kurze Zinsbindung, einwandfreie Bonität, Standardobjekt in guter Lage, keine Sonderwünsche. Wer eine dieser Bedingungen nicht erfüllt, bekommt einen anderen Satz — und die meisten erfüllen mehrere nicht.

Es ist eine Momentaufnahme. Konditionen ändern sich mit dem Refinanzierungsmarkt, teilweise mehrfach im Monat. Ein Wert ohne Stand ist wertlos; ein Wert mit Stand ist eine historische Angabe.

Es ist nicht die Zahl, die im Vertrag steht. Verbindlich wird ein Zinssatz erst mit einem konkreten Angebot zu einem konkreten Objekt. Belastbarer als jede Bestzins-Angabe ist deshalb das repräsentative Beispiel, das § 17 PAngV bei jeder Zinswerbung verlangt: Es muss einem Satz entsprechen, zu dem mindestens zwei Drittel der auf diese Werbung hin geschlossenen Verträge zustande kommen. Dieselbe Logik gilt beim Konsumkredit und ist unter Warum kaum jemand den Werbezins bekommt im Detail erklärt.

Wer das allgemeine Niveau unabhängig von Anbieterangaben nachsehen will, findet es in der Zinsstatistik der Deutschen Bundesbank: Sie weist Effektivzinssätze für Wohnungsbaukredite an private Haushalte nach Zinsbindungsfristen aus, monatlich und ohne Vertriebsinteresse.

Quelle: Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik · Stand 12.08.2026 · als Fundstelle genannt, nicht als Zahl übernommen

Was sich beeinflussen lässt

Von den vier Bestandteilen ist einer vollständig außerhalb des eigenen Einflusses: das Refinanzierungsniveau. Die anderen drei sind es nicht.

Was sich dagegen nicht beeinflussen lässt, ist der Zeitpunkt. Die Frage, ob man auf niedrigere Zinsen warten sollte, ist eine Prognosefrage, und dieser Text beantwortet sie nicht. Rechenbar ist nur die Gegenrichtung: was ein bestimmter Satz über eine bestimmte Zeit kostet — und das steht in der Tabelle oben.

Rechtsquellen

  • § 17 PAngV Werbung mit Zinssätzen: Pflichtangaben an einem repräsentativen Beispiel, effektiver Jahreszins hervorgehoben Bundesministerium der Justiz
  • § 16 PAngV Berechnung des effektiven Jahreszinses nach der mathematischen Formel der Anlage Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 12.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Die Normen regeln Werbung und Berechnung, nicht die Höhe der Zinssätze. Diese ist frei vereinbar.

Nachrechnen

Sollzins, Tilgung und Zinsbindung für den eigenen Fall durchspielen: zum Baukreditrechner. Für Ratenkredite mit Entgelten und Restschuldversicherung rechnet der Kreditrechner; die übrigen Themen stehen unter Kredite. Was ein Zehntelprozent über die Zinsbindung tatsächlich ausmacht, ist unter Baufinanzierungsvermittler im Vergleich ausgerechnet.

Hinweis

Allgemeine Information, keine Finanzierungsberatung und keine Zinsprognose. Alle Sollzinssätze in den Rechnungen sind Annahmen; diese Seite hinterlegt bewusst keine Marktkonditionen, weil eine veraltete Zahl schlimmer wäre als keine.

Häufige Fragen

Hängen die Bauzinsen am EZB-Leitzins?

Nur mittelbar. Der Leitzins wirkt auf kurzfristige Geldmarktzinsen; eine Baufinanzierung mit zehn oder fünfzehn Jahren Zinsbindung refinanzieren Banken dagegen langfristig, üblicherweise über Pfandbriefe.

Maßgeblich sind deshalb die Renditen langlaufender Pfandbriefe und Bundesanleihen. Sie können steigen, während der Leitzins fällt — und umgekehrt. Wer die Richtung der Bauzinsen abschätzen will, sieht dort hin, nicht auf die Zinsentscheidung.

Woraus setzt sich ein Bauzins zusammen?

Aus vier Teilen: den Refinanzierungskosten der Bank, ihrer Marge, einem Risikoaufschlag nach Beleihungsauslauf und Bonität sowie Prämien für Wahlrechte — lange Zinsbindung, Sondertilgung, Forward-Zeit, flexible Tilgung.

Nur der erste Teil ist für alle Anbieter annähernd gleich. Die übrigen drei erklären, warum zwei Banken für denselben Fall verschiedene Zinssätze nennen.

Was kostet ein Zehntelprozentpunkt?

Bei 400.000 Euro Darlehen und zwei Prozent anfänglicher Tilgung sind 0,1 Prozentpunkte rund 33 Euro Monatsrate und rund 3.501 Euro Zinsen bis zum Ende einer zehnjährigen Zinsbindung.

Das ist der Maßstab, an dem sich beurteilen lässt, ob ein Zinsaufschlag für ein Sondertilgungsrecht oder eine längere bereitstellungszinsfreie Zeit lohnt.

Warum ist die Restschuld beim teureren Angebot niedriger?

Weil der anfängliche Tilgungssatz die Rate mitbestimmt: Bei zwei Prozent Tilgung ist die Annuität die Summe aus Zins und Tilgung. Ein höherer Sollzins erzeugt eine höhere Rate — und der Tilgungsanteil wächst dann in absoluten Beträgen schneller.

Restschuld und Monatsrate sind deshalb keine Vergleichsgrößen. Vergleichbar sind zwei Angebote nur bei gleichem Zeitpunkt, gleicher Restschuld und gleicher Zinsbindung — oder über die gezahlte Zinssumme.

Warum stimmen die beworbenen Zinssätze nie mit dem Angebot überein?

Beworben wird der Bestzins: der Satz für den günstigsten Fall — niedriger Beleihungsauslauf, kurze Zinsbindung, einwandfreie Bonität, Standardobjekt. Er ist eine Untergrenze, keine Erwartung.

Belastbar ist stattdessen das repräsentative Beispiel, das § 17 PAngV verlangt: Es muss einem Satz entsprechen, zu dem mindestens zwei Drittel der auf die Werbung hin geschlossenen Verträge zustande kommen.