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Kredite

Bonitätsabhängige Zinsen

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Bonitätsabhängige Zinsen erkennt man an einem Wort: Die große Zahl in der Anzeige beginnt mit „ab“. Sie gilt für die besten Antragsteller, nicht für den nächsten. Wer den üblichen Satz sucht, liest das Kleingedruckte.

Warum es überhaupt Spannen gibt

Ein Kreditzins hat zwei Bestandteile: den Preis für das Geld und den Preis für das Risiko, es nicht zurückzubekommen. Der erste ist für alle Antragsteller gleich, der zweite nicht. Wer statistisch häufiger ausfällt, kostet die Bank mehr — und zahlt entsprechend mehr.

Aus Anlegersicht ist dieser Zusammenhang auf dieser Seite bereits beschrieben: Bei P2P-Krediten ist der hohe Zins genau die Vergütung für ein Ausfallrisiko, das der Anleger trägt. Auf der Schuldnerseite ist derselbe Aufschlag der Preis, den man für die eigene Risikoeinstufung zahlt.

Gegenüberstellung von beworbenem und persönlichem Kreditzins: Der beworbene Satz gilt nur für einen Teil der Kunden, der tatsächliche Satz ergibt sich erst aus der Bonitätsprüfung und kann deutlich darüber liegen.
Der beworbene Satz ist eine Untergrenze für wenige — verbindlich wird erst das persönliche Angebot. CC BY 4.0

Was das repräsentative Beispiel wirklich aussagt

Wer mit Zinssätzen wirbt, muss die Pflichtangaben an einem repräsentativen Beispiel darstellen. Und dieses Beispiel unterliegt einer Bedingung, die man kennen sollte: Der Werbende muss erwarten dürfen, dass mindestens zwei Drittel der aufgrund der Werbung zustande kommenden Verträge zu dem angegebenen oder einem niedrigeren effektiven Jahreszins abgeschlossen werden.

Damit ist das kleingedruckte Beispiel die informativere Zahl. Die große Zahl daneben beschreibt die Untergrenze; das Beispiel beschreibt, was zwei Dritteln der Antragsteller höchstens angeboten wird.

Angabe Was sie beschreibt Aussagekraft
„ab X Prozent" Bestzins bei sehr guter Bonität Gering
Repräsentatives Beispiel Satz, den zwei Drittel höchstens zahlen Hoch
Bonitätsunabhängiger Satz Gilt für alle bewilligten Anträge Sehr hoch
Individuelles Angebot Der eigene Fall nach Prüfung Verbindlich

Was ein Prozentpunkt ausmacht

Die Spanne zwischen beworbenem und tatsächlichem Satz ist kein Schönheitsfehler. Ein Kredit über 15.000 Euro auf fünf Jahre, nur der Sollzins wandert:

Sollzins Rate Zinskosten gesamt Mehrkosten gegenüber 4 %
4 % 276,25 € 1.575 € —
5 % 283,07 € 1.984 € 409 €
6 % 289,99 € 2.400 € 825 €
7 % 297,02 € 2.821 € 1.246 €
8 % 304,15 € 3.249 € 1.674 €
9 % 311,38 € 3.683 € 2.108 €

Eigene Berechnung mit dem Kreditrechner, 15.000 € auf 60 Monate, keine Nebenkosten.

Zwischen 4 und 9 Prozent liegen 2.108 Euro — mehr als der gesamte Zinsaufwand des günstigen Angebots. In der Rate sieht derselbe Unterschied harmlos aus: 35 Euro im Monat. Das ist der Grund, warum die Verhandlung über den Zinssatz mehr bringt als jede Verhandlung über die Rate.

Bonitätsunabhängig heißt nicht automatisch günstiger

Ein bonitätsunabhängiger Satz gilt für alle bewilligten Anträge. Das macht ihn vergleichbar — aber nicht billig. Wer einen einheitlichen Preis aufruft, muss das durchschnittliche Ausfallrisiko seiner Kundschaft einpreisen. Für Antragsteller mit sehr guter Bonität ist dieser Durchschnitt eine Quersubvention: Sie zahlen mehr, als ihr eigenes Risiko kostet.

Umgekehrt ist der Einheitssatz für alle, die bei bonitätsabhängigen Anbietern am oberen Ende landen, oft das bessere Geschäft — falls sie überhaupt bewilligt werden, denn die Auswahl findet dann nicht über den Preis statt, sondern über die Zusage.

Praktisch heißt das: Beide Anbietertypen gehören in den Vergleich, und zwar mit dem jeweils individuellen Angebot. Nur beim bonitätsunabhängigen Anbieter lässt sich der beworbene Satz vorab übernehmen; beim bonitätsabhängigen ersetzt ihn die Konditionsanfrage, die keinen Score kostet — der Unterschied zwischen den beiden Anfragearten steht unter Schufa und Konditionsanfrage.

Deshalb lohnt der Aufwand mehrerer Anfragen. Und deshalb ist es sinnvoll, vor dem Vergleich zu wissen, ob ein Anbieter bonitätsabhängig oder bonitätsunabhängig verzinst: Im ersten Fall ist der beworbene Satz für den Vergleich unbrauchbar, im zweiten ist er die Antwort.

Wie man den eigenen Satz erfährt

Nur über ein individuelles Angebot. Der Weg dorthin führt über eine Konditionsanfrage — sie liefert ein konkretes Angebot, ohne als Hinweis auf eine bevorstehende Kreditaufnahme gespeichert zu werden. Eine Kreditanfrage tut genau das und kann bei mehrfacher Wiederholung den Score belasten. Der Unterschied liegt allein in der Kennzeichnung durch die Bank; welche Formulierung im Formular steht, ist deshalb keine Formalie. Mehr dazu unter Schufa und Konditionsanfrage.

Wichtig ist außerdem, alle Angebote auf denselben Fall zu beziehen: gleiche Summe, gleiche Laufzeit, gleiche Zusatzleistungen. Sonst vergleicht man Effektivzinssätze, die verschiedene Verträge beschreiben — und die Zahl verliert genau die Eigenschaft, für die sie gemacht ist.

Was sich beeinflussen lässt

Rechtsquellen

  • § 17 PAngV Pflichtangaben in der Werbung und die Zwei-Drittel-Regel für das repräsentative Beispiel Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 02.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab.

Nachrechnen

Was ein Prozentpunkt mehr oder weniger im eigenen Fall bedeutet, zeigt der Kreditrechner. Wie sich der Satz zur Gesamtbelastung verhält, steht unter Was ein Ratenkredit kostet. Was daraus fuer den Vergleich folgt — und warum eine Tabelle mit einem Satz je Anbieter nichts taugt —, steht unter Ratenkredit: worauf es beim Angebot ankommt.

Hinweis

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung und keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter. Diese Seite nennt bewusst keine Zinssätze einzelner Institute, weil sie sich täglich ändern.

Häufige Fragen

Warum bekomme ich nicht den beworbenen Zinssatz?

Ratenkredite werden überwiegend bonitätsabhängig vergeben. Der Satz in der Werbung ist eine Untergrenze, die nur Antragstellern mit sehr guter Bonität angeboten wird; alle anderen erhalten einen Aufschlag.

Die Spanne zwischen bestem und üblichem Angebot ist erheblich und kann mehrere Prozentpunkte betragen. Verbindlich wird der Zinssatz erst mit dem konkreten Angebot nach der Prüfung.

Was ist das repräsentative Beispiel?

Eine gesetzlich vorgeschriebene Angabe in der Werbung: Nettodarlehensbetrag, Sollzins, effektiver Jahreszins, Laufzeit, Ratenhöhe und Gesamtbetrag an einem konkreten Fall.

Der Sinn liegt in der Bindung: Der Werbende muss erwarten dürfen, dass mindestens zwei Drittel der aufgrund der Werbung geschlossenen Verträge zu dem angegebenen oder einem niedrigeren effektiven Jahreszins zustande kommen. Das Beispiel beschreibt damit den üblichen Fall, nicht den besten.

Was ist bonitätsunabhängige Verzinsung?

Bei einem bonitätsunabhängigen Angebot gilt für alle bewilligten Anträge derselbe Zinssatz. Wer die Prüfung besteht, bekommt genau den beworbenen Satz.

Solche Angebote sind vergleichbar ohne Umweg über ein Beispiel. Sie liegen oft über dem beworbenen Bestzins bonitätsabhängiger Anbieter und unter deren üblichem Satz.

Muss die Bank den beworbenen Zins mindestens einem Teil der Kunden geben?

Ja. Wird bei bonitätsabhängigen Angeboten mit einem Zinssatz geworben, muss dieser repräsentativ sein — er ist so anzugeben, dass mindestens zwei Drittel der auf diese Werbung hin abgeschlossenen Verträge ihn tatsächlich erhalten. Ein Lockzins, den nahezu niemand bekommt, ist damit unzulässig.

Praktisch heißt das dreierlei: Der beworbene Satz ist erreichbar, aber er beschreibt das obere Drittel der Bonitäten nicht — sondern die Mehrheit. Wer deutlich darüber liegt, sollte nachfragen, warum. Und die Angabe bezieht sich auf die Abschlüsse einer bestimmten Werbung, nicht auf alle Kredite der Bank: Zwei Angebote desselben Instituts können sich deshalb unterscheiden.