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Immobilien

Der Cashflow nach Steuern

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Die Mietrendite beschreibt das Objekt. Der Cashflow beschreibt, was auf deinem Konto passiert. Zwischen beiden liegen Zins, Tilgung und ein Steuereffekt, der regelmäßig für einen Ertrag gehalten wird.

Das erste Jahr in Zahlen

Referenzfall dieser Serie: Wohnung für 250.000 Euro, 70 Quadratmeter, 750 Euro Kaltmiete, 60.000 Euro Eigenkapital, 3,8 Prozent Sollzins, 2 Prozent Tilgung, Grenzsteuersatz 42 Prozent.

Position Jahr 1 Monat
Mieteinnahmen nach Ausfallwagnis 8.820 € 735 €
Zinsen −8.289 € −691 €
Tilgung −4.481 € −373 €
Bewirtschaftung −1.860 € −155 €
Cashflow vor Steuern −5.810 € −484 €
Steuereffekt +2.323 € +194 €
Cashflow nach Steuern −3.487 € −291 €

Die Wohnung kostet also 291 Euro im Monat. Das ist der Betrag, der tatsächlich vom Girokonto abgeht — und die Zahl, die in Verkaufsgesprächen am seltensten fällt.

Aufbau des Cashflows nach Steuern bei einer vermieteten Immobilie: Zum Cashflow vor Steuern kommt der Steuereffekt hinzu, der aus abziehbaren Zinsen und Abschreibung entsteht — er ist eine Erstattung, kein zusätzlicher Ertrag.
Die Steuererstattung ist kein Ertrag, sondern Rückfluss auf Kosten, die vorher entstanden sind. CC BY 4.0

Zwei Rechnungen, die nicht dasselbe messen

Der Cashflow und das steuerliche Ergebnis unterscheiden sich an genau zwei Positionen. Diese beiden Abweichungen erklären die gesamte Differenz.

Position Im Cashflow Im steuerlichen Ergebnis
Tilgung Abfluss, 4.481 € Gar nicht enthalten
Abschreibung Gar nicht enthalten Aufwand, 4.203 €
Zinsen, Bewirtschaftung Abfluss Aufwand

Daraus ergibt sich ein steuerliches Ergebnis von minus 5.532 Euro, obwohl der Cashflow bei minus 5.810 Euro liegt. Der Verlust mindert das zu versteuernde Einkommen; bei 42 Prozent Grenzsteuersatz entlastet er um 2.323 Euro. Zufälligerweise liegen beide Zahlen im ersten Jahr nah beieinander, weil Tilgung und Abschreibung ähnlich groß sind — das ändert sich mit der Zeit, weil die Tilgung wächst und die Abschreibung konstant bleibt.

Warum die Erstattung kein Ertrag ist

Der Steuereffekt entsteht, weil ein Verlust mit anderen Einkünften verrechnet wird. Er setzt also voraus, dass es diese anderen Einkünfte gibt und dass der persönliche Steuersatz hoch ist. Fällt eines von beidem weg, verschwindet der Effekt — die Kosten bleiben.

Drei Situationen, in denen genau das passiert: Teilzeit oder Elternzeit, ein Wechsel in die Selbstständigkeit mit schwankendem Einkommen, und der Ruhestand. Wer über zwanzig oder dreißig Jahre kalkuliert, sollte mindestens einmal ohne Steuereffekt rechnen. Im Referenzfall wären das 484 statt 291 Euro im Monat.

Umgekehrt gilt: Ein hoher Steuereffekt bedeutet einen hohen Verlust. Er ist ein Symptom, kein Ziel. Wer Objekte nach der Höhe der Erstattung auswählt, optimiert auf Verluste.

Was über zwanzig Jahre passiert

Der Cashflow bleibt im Referenzfall über den gesamten Betrachtungszeitraum negativ. Kumuliert fließen rund 62.700 Euro ab — zusätzlich zu den 60.000 Euro Eigenkapital am Anfang.

Auf der anderen Seite steht die Substanz: Bei 1,5 Prozent angenommener Wertsteigerung liegt der Immobilienwert nach zwanzig Jahren bei 336.714 Euro, die Restschuld bei 109.319 Euro. Der Eigenkapitalanteil beträgt damit 227.395 Euro.

Diese Gegenüberstellung ist die ehrliche Form der Frage „rechnet sich das?": rund 123.000 Euro eingesetzt, rund 227.000 Euro Substanz — bei einer Wertsteigerungsannahme, die selbst unsicher ist, und ohne Berücksichtigung von Steuern beim Verkauf. Was dabei nach zehn Jahren steuerfrei bleibt, steht unter Die Zehnjahresfrist beim Verkauf.

Wie sich der Cashflow über die Jahre entwickelt

Die Zahl des ersten Jahres ist die schlechteste der gesamten Laufzeit — vorausgesetzt, der Zins bleibt. Drei Bewegungen wirken zugunsten des Cashflows, eine dagegen.

Größe Entwicklung Wirkung auf den Cashflow
Miete steigt im Modell um 1,5 % jährlich verbessert
Zinsanteil der Rate sinkt mit der Restschuld verbessert
Tilgungsanteil steigt entsprechend neutral für die Rate, positiv fürs Vermögen
Steuereffekt sinkt, weil die Zinsen sinken verschlechtert

Der letzte Punkt wird regelmäßig übersehen: Je besser das Objekt läuft, desto kleiner die Steuererstattung. Das steuerliche Ergebnis dreht irgendwann ins Positive, und aus der Entlastung wird eine Zahlung. Ein Objekt, das nach fünfzehn Jahren im Cashflow schwarze Zahlen schreibt, zahlt dann auch Steuern auf den Überschuss.

Warum der Zeitpunkt der Zahlungen zählt

Die Modellrechnung verteilt alles gleichmäßig auf zwölf Monate. In der Realität kommen Miete und Rate monatlich, die Steuererstattung aber jährlich — und erst nach Abgabe der Erklärung, also mit deutlicher Verzögerung.

Praktisch bedeutet das: Der monatliche Fehlbetrag beträgt zunächst volle 484 Euro, und die 2.323 Euro Entlastung kommen im Folgejahr in einer Summe. Wer mit 291 Euro plant, hat unterjährig eine Lücke. Eine Anpassung der Lohnsteuer über einen Freibetrag kann das glätten — sie verteilt die Entlastung auf die Monate, in denen sie anfällt.

Die Stellschrauben am Cashflow

Nachrechnen

Cashflow vor und nach Steuern, steuerliches Ergebnis und Eigenkapitalanteil für jedes Jahr rechnet der Immobilienrechner aus; mehrere Objekte nebeneinander der Immobilien-Vergleich.

Risikohinweis

Die Zahlen sind eine Modellrechnung mit den genannten Annahmen; Miet- und Wertsteigerung sind Annahmen, keine Prognose. Der Steuereffekt hängt an der persönlichen Situation und kann entfallen. Dieser Text ist allgemeine Information und keine Anlage- oder Steuerberatung.

Rechtsquellen

  • § 21 EStG Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung Bundesministerium der Justiz
  • § 2 BetrKV Aufstellung der Betriebskosten Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 04.09.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab.

Häufige Fragen

Was ist der Cashflow bei einer vermieteten Immobilie?

Die Differenz zwischen Mieteinnahmen und allem, was tatsächlich abfließt: Zins, Tilgung und nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten. Im Referenzfall dieser Serie sind das minus 484 Euro im Monat vor Steuern.

Nach dem Steuereffekt bleiben minus 291 Euro. Die Immobilie kostet also monatlich Geld — was nicht bedeutet, dass sie sich nicht rechnet.

Warum ist ein negativer Cashflow nicht automatisch schlecht?

Weil ein Teil des Abflusses Tilgung ist und damit Schulden abbaut. Im ersten Jahr sind 4.481 Euro der Rate Tilgung — dieser Betrag verlässt das Konto, bleibt aber im Vermögen.

Entscheidend ist, ob der Fehlbetrag dauerhaft tragbar ist und ob am Ende mehr Vermögen steht als eingesetzt wurde. Beides sind getrennte Fragen.

Kommt die Entlastung monatlich oder erst mit dem Steuerbescheid?

Standardmäßig erst mit dem Bescheid, also bis zu anderthalb Jahre nach dem ersten Monat mit negativem Cashflow. Wer die Belastung nicht so lange vorfinanzieren will, kann beim Finanzamt einen Lohnsteuer-Freibetrag eintragen lassen: Der erwartete Verlust mindert dann bereits den monatlichen Lohnsteuerabzug.

Das ist bequem und hat eine Kehrseite. Der Freibetrag beruht auf einer Prognose; fällt der tatsächliche Verlust kleiner aus — weil Instandhaltung ausblieb oder die Miete stieg —, entsteht eine Nachzahlung. Und die Eintragung verpflichtet zur Abgabe einer Steuererklärung. Wer ohnehin erklärt und die Vorfinanzierung stemmt, fährt mit dem Bescheid ruhiger.

Kann man sich auf die Steuererstattung verlassen?

Nur solange andere Einkünfte da sind, mit denen der Verlust verrechnet werden kann, und solange der Grenzsteuersatz hoch bleibt. Beides kann sich ändern — bei Elternzeit, Teilzeit oder im Ruhestand.

Ein Objekt, das nur mit Steuererstattung tragfähig ist, hat kein Steuerproblem, sondern ein Ertragsproblem. Die Erstattung sollte den Kauf verbessern, nicht ermöglichen.

Wann dreht der Cashflow ins Plus?

Wenn die Mieten stärker gestiegen sind als die Kosten und die Zinslast durch Tilgung gesunken ist. Im Referenzfall bleibt der Cashflow über zwanzig Jahre negativ und summiert sich auf rund 62.700 Euro.

Dem stehen am Ende 227.395 Euro Eigenkapitalanteil gegenüber — Wert der Immobilie abzüglich Restschuld. Der Vermögensaufbau findet also statt, aber über die Substanz, nicht über den laufenden Ertrag.