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Kosten einer Fondspolice

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Die Kosten einer Fondspolice verteilen sich auf vier Arten, die an verschiedenen Stellen angreifen — und eine Kennzahl fasst sie zusammen. Wer sie liest, braucht keine Diskussion über Prozentsätze mehr zu führen.

Vier Kostenarten, vier Angriffspunkte

Kostenart Bemessung Wirkt
Abschluss- und Vertriebskosten Prozent der Beitragssumme in den ersten Jahren
Verwaltungskosten je Beitrag Prozent jeder Rate bei jeder Einzahlung
Kosten auf das Vermögen Prozent pro Jahr dauerhaft, auf alles
Fondskosten (TER) Prozent pro Jahr im Depot genauso

Nur die letzte Zeile gibt es auch ohne Versicherungsmantel. Die ersten drei sind der Preis der Hülle — und genau der Betrag, den ihr Steuervorteil erst einmal verdienen muss. Ob er das schafft, ist die einzige Frage, die hier zu beantworten ist, und sie ist rechenbar.

Übersicht der Kostenarten einer Fondspolice: Abschlusskosten auf die Beitragssumme, laufende Verwaltungskosten, Fondskosten und Stückkosten. Die Bezugsgröße Beitragssumme ist besonders wirksam, weil sie künftige Beiträge vorwegnimmt.
Die Bezugsgröße entscheidet: Auf die Beitragssumme gerechnet, zahlst du künftige Beiträge vorab mit. CC BY 4.0

Warum die Beitragssumme die gefährlichere Bezugsgröße ist

Abschlusskosten werden regelmäßig in Prozent der Beitragssumme angegeben — also aller Beiträge über die gesamte Laufzeit. Das klingt klein und ist es nicht.

Bei 250 Euro monatlich über 30 Jahre beträgt die Beitragssumme 90.000 Euro. Zweieinhalb Prozent davon sind 2.250 Euro, verrechnet in den ersten fünf Jahren — in einer Zeit, in der das Vertragsvermögen erst wenige tausend Euro beträgt. Gemessen am Bestand dieser Jahre ist das ein erheblicher Anteil, und genau dieses Geld fehlt anschließend für 25 Jahre Zinseszins.

§ 169 Abs. 3 VVG schreibt die Verteilung auf mindestens fünf Jahre vor. Gedacht ist das als Verbraucherschutz gegen die frühere Sofortverrechnung; am Grundmuster ändert es nichts: Die teuerste Kostenart trifft den Vertrag dort, wo sie am meisten anrichtet. Es ist derselbe Mechanismus, der Ausführungsgebühren bei kleinen Sparraten so teuer macht — nur eine Größenordnung darüber.

Was die Kosten im Ergebnis anrichten

Prozentsätze lassen sich schwer einordnen, Endbeträge nicht. Die folgende Rechnung hält beide Hüllen bei identischem Fonds und identischer Bruttorendite gegeneinander und verändert ausschließlich die Kosten der Police. Angenommen sind 250 Euro monatlich über 30 Jahre — also 90.000 Euro Beitragssumme — bei 6 Prozent Bruttorendite, 0,2 Prozent Fondskosten und Auszahlung mit 67.

Kosten der Police Police netto Depot netto Vorn liegt
keine 219.208 € 213.636 € Police, +5.572 €
2,5 % Abschluss 209.746 € 213.636 € Depot, +3.890 €
+ 5 % je Beitrag 199.264 € 213.636 € Depot, +14.373 €
+ 0,3 % auf den Bestand 189.117 € 213.636 € Depot, +24.519 €
4 % Abschluss statt 2,5 % 183.888 € 213.636 € Depot, +29.749 €

Eigene Berechnung mit dem Hüllenvergleich: 250 Euro monatlich, 30 Jahre, 6 Prozent Bruttorendite, 0,2 Prozent Fondskosten, Basiszins und Sparerpauschbetrag nach den hinterlegten Jahreswerten, persönlicher Steuersatz 25 Prozent, Auszahlung mit 67. Die Zeilen bauen aufeinander auf — jede enthält die Kosten der darüber. Die angesetzten Kostensätze sind Annahmen für die Modellrechnung und keine Angaben zu einem bestimmten Tarif.

Die erste Zeile ist der Maßstab: Ohne jede Hüllenkosten liegt die Police um 5.572 Euro vorn. Das ist der gesamte Steuervorteil, um den es geht — mehr kann die Hülle nicht einbringen. Schon 2,5 Prozent Abschlusskosten übersteigen ihn, und mit den üblichen laufenden Posten wird aus dem Vorteil ein Rückstand von rund 24.500 Euro.

Daraus folgt die Kennzahl, die die Diskussion beendet: die Kostenschwelle. In dieser Konstellation liegt sie bei 1,47 Prozent der Beitragssumme. Bis dahin trägt der Steuervorteil die Abschlusskosten, darüber nicht mehr — und laufende Kosten sind in dieser Schwelle noch gar nicht enthalten.

Die Effektivkostenangabe lesen

Weil vier Kostenarten mit vier Bemessungsgrundlagen nicht vergleichbar sind, gibt es eine zusammenfassende Kennzahl. Die Informationspflichtenverordnung verlangt in § 2 Abs. 1 Nr. 1 VVG-InfoV die Angabe der Kosten einschließlich ihrer Wirkung auf die Rendite: Um wie viele Prozentpunkte pro Jahr mindern alle Kosten zusammen die Wertentwicklung?

Diese Zahl ist das Gegenstück zur TER eines Fonds — mit einem wichtigen Unterschied: Sie hängt von der Laufzeit ab. Dieselben Abschlusskosten ergeben über 30 Jahre eine kleinere jährliche Belastung als über 15. Zwei Angebote lassen sich deshalb nur bei gleicher Laufzeit und gleichem Beitrag vergleichen. Wer zwei Effektivkostenangaben mit unterschiedlichen Laufzeiten nebeneinanderlegt, vergleicht nichts.

Für die Einordnung hilft eine schlichte Rechnung: Liegen die Effektivkosten der Police um einen Prozentpunkt über der reinen Fondskostenquote, muss der Steuervorteil der Hülle über die gesamte Laufzeit mindestens diesen Prozentpunkt pro Jahr einbringen. Ob er das tut, ist keine Meinung, sondern eine Rechnung.

Ein zweiter Lesehinweis betrifft die Reihenfolge der Zahlen. Weil die Effektivkosten die Wirkung pro Jahr ausdrücken, wirken kleine Unterschiede harmlos: 0,29 gegen 0,66 Prozent klingt nach einem Drittel Prozentpunkt. In der Tabelle darüber sind das rund 20.600 Euro. Die jährliche Darstellung ist korrekt und für den Vergleich zweier Angebote unverzichtbar — für die Frage, ob sich die Hülle überhaupt lohnt, ist sie die falsche Einheit. Dafür taugt nur der Endbetrag.

Nettopolice, Honorar und was danach bleibt

Eine Nettopolice kalkuliert keine Abschlussprovision ein; die Beratung wird über ein gesondertes Honorar bezahlt. Rechnerisch wandern die Kosten damit aus dem Vertrag heraus, verschwinden aber nicht. Ob das günstiger ist, entscheidet die Summe aus Honorar und verbleibenden Vertragskosten — die Effektivkostenangabe der Nettopolice allein zeigt nur die eine Hälfte.

Zwei weitere Posten stehen in keiner Kostenquote und gehören trotzdem in die Abwägung. Erstens die Bindung: Wer vorzeitig kündigt, verliert die steuerliche Begünstigung und hat die Abschlusskosten dennoch bezahlt. Zweitens die Fondsauswahl im Mantel, die meist deutlich enger ist als im freien Depot — inklusive der Frage, ob überhaupt ein passender Index zur Verfügung steht.

Der Fehlerfall: wenn der Vertrag nicht bis zum Ende läuft

Die gesamte Rechnung oben unterstellt, dass der Vertrag dreißig Jahre durchgehalten und nach Vollendung des 62. Lebensjahres ausgezahlt wird. Wo das nicht eintritt, kippt sie — und zwar einseitig zu Lasten der Police.

Kündigung vor Ablauf. Die Abschlusskosten sind bezahlt, der Steuervorteil entfällt. In den ersten Jahren liegt der Rückkaufswert deshalb regelmäßig unter der Summe der eingezahlten Beiträge. Das ist kein Missstand, sondern die Folge davon, dass die teuerste Kostenart zuerst verrechnet wurde.

Beitragsfreistellung. Wer die Zahlungen aussetzt, behält den Vertrag, aber die Kosten auf den Bestand laufen weiter — nun ohne neue Beiträge, aus denen sie sich rechtfertigen ließen. Die Effektivkostenangabe des Angebots gilt für diesen Zustand nicht mehr.

Auszahlung vor 62 oder vor zwölf Jahren Laufzeit. Dann greift die Hälfteregelung nicht, und der Unterschiedsbetrag wird voll angesetzt. Der einzige Grund, die Kosten überhaupt zu tragen, entfällt damit vollständig.

Beitragsdynamik. Eine automatische Erhöhung wirkt häufig wie ein neuer Abschluss: Auf den Erhöhungsbetrag fallen erneut Abschlusskosten an. Wer die Dynamik über Jahrzehnte laufen lässt, zahlt die teuerste Kostenart mehrfach — ohne sie je bewusst vereinbart zu haben.

Sonderfälle

Einmalbeitrag statt laufender Zahlung. Die Abschlusskosten beziehen sich dann auf einen sofort vorhandenen Betrag und sind absolut oft niedriger als bei einer Beitragssumme über dreißig Jahre. Zugleich fehlt die verteilte Verrechnung — die Belastung steht vollständig am Anfang.

Verrentung statt Kapitalauszahlung. Eine Rente wird nach dem Ertragsanteil besteuert und folgt einer anderen Logik als die Hälfteregelung. Die Rechnung oben bildet diesen Fall ausdrücklich nicht ab; wer eine Verrentung plant, vergleicht andere Größen.

Fondswechsel im Mantel. Innerhalb der Police ist ein Wechsel steuerfrei — im Depot ist er ein Verkauf mit sofortiger Besteuerung, siehe ETF wechseln. Für wen der Wechsel realistisch ist, gehört dieser Vorteil auf die Habenseite der Police; für ein einmal gewähltes Weltportfolio bleibt er theoretisch.

Enge Fondsauswahl. Steht im Mantel nur ein Fonds mit höherer Kostenquote zur Verfügung, kommt diese Differenz zu den Hüllenkosten hinzu. Sie erscheint in keiner Effektivkostenangabe des Vertrags, weil sie eine Eigenschaft des Fonds ist — und verschiebt die Schwelle trotzdem nach unten.

Was sich nicht ausrechnen lässt

Die Kostenschwelle von 1,47 Prozent gilt für die genannten Annahmen und für keine anderen. Sie steigt mit der Laufzeit, mit der Bruttorendite und mit einem hohen persönlichen Steuersatz in der Ansparzeit; sie fällt, wenn der Sparerpauschbetrag im Depot ohnehin ungenutzt bliebe. Wer die eigene Schwelle wissen will, rechnet sie mit den eigenen Werten.

Nicht bezifferbar ist, ob ein Vertrag dreißig Jahre gehalten wird. Genau davon hängt aber alles ab: Die Police gewinnt ihren Steuervorteil erst am Ende, ihre Kosten bezahlt sie am Anfang. Diese Asymmetrie ist der Kern der Entscheidung — und sie lässt sich nicht in eine Kennzahl übersetzen.

Ebenfalls offen bleibt hier die Höhe künftiger Steuersätze. Die Hälfteregelung ist geltendes Recht, keine Zusage für dreißig Jahre. Wer eine Hülle allein wegen ihres steuerlichen Vorteils wählt, trägt dieses Risiko mit — und es ist keines, das sich rechnen lässt.

Rechtsquellen

  • § 2 Abs. 1 Nr. 1 VVG-InfoV Vorvertragliche Information: Angabe der Kosten, einschließlich der Wirkung auf die Rendite Bundesministerium der Justiz
  • § 169 Abs. 3 VVG Verteilung der Abschluss- und Vertriebskosten auf mindestens fünf Jahre Bundesministerium der Justiz
  • § 34d GewO Erlaubnispflicht für die Vermittlung von Versicherungsverträgen Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 09.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Diese Seite enthält bewusst keine Anbieter- oder Tarifnennung und keine Vermittlung; die Vermittlung von Versicherungsverträgen ist nach § 34d GewO erlaubnispflichtig.

Nachrechnen

Was die eigenen Kostensätze bewirken, zeigt der Depot-oder-Police-Rechner: Er gibt die Effektivkosten aus und die Schwelle, ab der der Steuervorteil sie nicht mehr trägt.

Hinweis

Allgemeine Information, keine Versicherungs-, Steuer- oder Rechtsberatung. Kostenangaben unterscheiden sich zwischen Tarifen erheblich; maßgeblich sind allein die Unterlagen des eigenen Angebots.

Häufige Fragen

Was ist die Effektivkostenangabe?

Die Zahl, die ausdrückt, um wie viele Prozentpunkte pro Jahr die Kosten des Vertrags die Rendite mindern. Sie fasst alle Kostenarten in einer Größe zusammen.

Sie ist damit das Gegenstück zur Kostenquote eines Fonds — und die einzige Zahl, mit der sich zwei Angebote überhaupt vergleichen lassen.

Warum wirken Abschlusskosten stärker als ihr Prozentsatz vermuten lässt?

Weil sie am Anfang anfallen. Geld, das im ersten Jahr abgezogen wird, fehlt für die gesamte restliche Laufzeit — samt Zinseszins.

Nach § 169 Abs. 3 VVG dürfen sie auf mindestens fünf Jahre verteilt werden. Das mildert die Wirkung, hebt sie aber nicht auf.

Kostet ein Fondswechsel innerhalb der Police etwas?

Steuerlich nichts, vertraglich oft doch. Viele Tarife gewähren eine begrenzte Zahl kostenloser Wechsel im Jahr und berechnen zusätzlich eine Gebühr je Vorgang. Die Zahl steht in den Bedingungen, nicht in der Effektivkostenangabe — die unterstellt einen Vertrag, in dem nichts passiert.

Wichtiger als die Gebühr ist die Auswahl: Gewechselt werden kann nur innerhalb der Fondsliste des Versicherers. Ob der günstige Welt-ETF, mit dem das Angebot gerechnet wurde, dauerhaft darin bleibt, entscheidet der Anbieter. Ein Vertrag über dreißig Jahre bindet damit auch an eine Fondsauswahl, die heute niemand kennt.

Was passiert mit der Police, wenn der Versicherer insolvent wird?

Sie geht nicht unter. Lebensversicherer müssen einem Sicherungsfonds angehören (§ 221 VAG); die fondsgebundene Lebensversicherung gehört zu den erfassten Sparten. Im Sicherungsfall werden die Verträge auf den Fonds übertragen und dort fortgeführt — die Police endet also nicht, und die Laufzeit für die Zwölfjahresfrist reißt nicht ab.

Der Schutz gilt dem Vertrag, nicht dem Ergebnis: Der Sicherungsfonds darf Leistungen herabsetzen, wenn es die Lage erfordert. Für die Kostenfrage dieser Seite ändert das nichts — es ist der Punkt, an dem sich Police und Depot strukturell unterscheiden: Im Depot ist das Fondsvermögen Sondervermögen und von der Insolvenz der Bank gar nicht berührt.

Ist Beitragsfreistellung besser als Kündigung?

In den meisten Fällen ja, und sie wird selten angeboten. Bei einer Beitragsfreistellung bleibt der Vertrag bestehen, es fließen nur keine Beiträge mehr. Entscheidend ist die Folge: Die Zwölfjahresfrist und die Bedingung „Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr" laufen weiter — die Hälfteregelung bleibt also erreichbar, während sie bei einer Kündigung endgültig verloren ist.

Der Preis ist, dass die laufenden Kosten weiterlaufen und nun auf ein Vermögen wirken, dem keine neuen Beiträge mehr gegenüberstehen. Wer nur eine Weile aussetzen will, fährt damit gut; wer nie wieder einzahlen wird, muss rechnen, ob der verbleibende Steuervorteil die weiterlaufenden Kosten trägt. Das ist dieselbe Schwellenrechnung wie oben, nur ohne neue Beiträge.

Wirkt eine Beitragsdynamik auf die Kosten?

Häufig ja: Auf den Erhöhungsbetrag fallen vielfach erneut Abschlusskosten an, so als wäre ein weiterer Vertrag geschlossen worden.

Über Jahrzehnte summiert sich das zu einem Vielfachen der ursprünglich vereinbarten Abschlusskosten — ohne dass dies je gesondert vereinbart wurde.

Wie vergleiche ich zwei Angebote?

Über die Effektivkosten bei gleicher Laufzeit und gleichem Beitrag. Unterschiedliche Laufzeiten machen die Angabe unvergleichbar, weil sich Abschlusskosten über längere Zeiträume besser verteilen.

Anschließend die Kostenschwelle heranziehen: Sie sagt, ob der Steuervorteil der Hülle diese Kosten überhaupt trägt.