CashflowCtrl

ETFs & Fonds

TER oder Tracking Difference?

Die Kostenquote ist die Zahl, mit der geworben wird. Sie beantwortet allerdings die falsche Frage: nicht, was der Fonds kostet, sondern was er laut Kalkulation kosten soll.

Was die TER ist — und was nicht

Die Total Expense Ratio bündelt die laufenden Kosten eines Fonds: Verwaltungsvergütung, Depotbankgebühr, Lizenzkosten für den Index. Sie ist standardisiert und dadurch gut vergleichbar. Genau diese Standardisierung ist aber auch ihre Grenze.

Darstellung der Kostenbestandteile eines ETFs: Zur ausgewiesenen Kostenquote kommen Transaktionskosten und Quellensteuern hinzu, während Erträge aus Wertpapierleihe gegenrechnen. Das Ergebnis ist die Tracking Difference.
Die Tracking Difference misst das Ergebnis. Die TER misst nur einen Teil der Ursachen.

Was in der TER fehlt

PostenIn der TER?Wirkung
VerwaltungsvergütungJamindert
Transaktionskosten im FondsNeinmindert
Nicht erstattete QuellensteuernNeinmindert
Erträge aus WertpapierleiheNeinerhöht
Vorteile aus dem FondsdomizilNeinerhöht
Spread beim KaufNeinträgst du selbst

Zwei Posten wirken sogar zugunsten des Fonds. Deshalb ist die Tracking Difference gelegentlich kleiner als die TER — und in einzelnen Jahren negativ, der Fonds liegt dann vor seinem Index.

Wie du die Tracking Difference ermittelst

  1. Jahresrendite des ETFs aus dem Factsheet des Emittenten nehmen.
  2. Rendite des zugrunde liegenden Index für denselben Zeitraum daneben legen — wichtig: dieselbe Indexvariante, also etwa Net Total Return.
  3. Differenz bilden und über mehrere Jahre vergleichen.

Der Vergleich ist nur zwischen Fonds auf denselben Indexaussagekräftig. Zwei ETFs auf unterschiedliche Indizes zu vergleichen misst die Indexwahl, nicht die Fondsqualität.

Was das über Jahrzehnte ausmacht

Ein Unterschied von wenigen Zehntelprozent klingt vernachlässigbar, wirkt über 20 oder 30 Jahre aber spürbar. Wie stark, lässt sich imSparplanrechner durchspielen — einfach die Renditeannahme um den Kostenunterschied variieren.

Die praktische Reihenfolge

Zuerst den Index wählen, denn er bestimmt den größten Teil des Ergebnisses. Dann unter den ETFs auf diesen Index nach Tracking Difference, Fondsgröße und Spread auswählen. Die TER ist dabei ein Anhaltspunkt, nicht das Entscheidungskriterium.

Hinweis

Vergangene Tracking Differences sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige. Dieser Text ist allgemeine Information, keine Anlageberatung und keine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt.

Häufige Fragen

Was ist die TER bei einem ETF?

Die Total Expense Ratio ist die laufende Kostenquote eines Fonds. Sie umfasst Verwaltungsvergütung, Depotbankgebühr und weitere laufende Kosten und wird als Prozentsatz des Fondsvermögens pro Jahr angegeben.

Sie wird nicht abgebucht, sondern täglich anteilig intern vom Fondsvermögen abgezogen. Auf dem Kontoauszug taucht sie deshalb nie auf — sie mindert still den Anteilspreis.

Was ist die Tracking Difference?

Die Tracking Difference ist die tatsächliche Renditedifferenz zwischen dem ETF und seinem Index über einen bestimmten Zeitraum. Sie misst also das Ergebnis, nicht die kalkulierten Kosten.

Sie kann größer als die TER sein, wenn zusätzliche Kosten anfallen — oder kleiner, wenn der Fonds Zusatzerträge erwirtschaftet. In Einzelfällen ist sie sogar negativ, der Fonds hat den Index dann übertroffen.

Warum kann ein ETF mit höherer TER günstiger sein?

Weil die TER nicht alle Kosten erfasst und keine Zusatzerträge berücksichtigt. Handelskosten innerhalb des Fonds und nicht rückforderbare Quellensteuern fehlen darin.

Umgekehrt können Erträge aus Wertpapierleihe oder eine steuerlich günstige Fondsdomizilierung den Rückstand verringern. Am Ergebnis gemessen kann ein nominell teurerer Fonds daher besser abschneiden.

Wo finde ich die Tracking Difference?

Sie steht nicht im Basisinformationsblatt. Ermitteln lässt sie sich aus den Jahresrenditen von Fonds und Index, die in den Factsheets und Jahresberichten der Emittenten veröffentlicht werden.

Wichtig ist der Vergleich über mehrere Jahre: Ein einzelnes Jahr kann durch Sondereffekte verzerrt sein. Sinnvoll ist außerdem nur der Vergleich von Fonds auf denselben Index.

Was ist der Unterschied zwischen Tracking Difference und Tracking Error?

Die Tracking Difference misst, wie weit der Fonds im Ergebnis vom Index abweicht — also die Höhe des Rückstands.

Der Tracking Error misst dagegen die Schwankung dieser Abweichung, also wie gleichmäßig der Fonds seinem Index folgt. Für die Rendite ist die Tracking Difference die relevantere Größe.