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Kredite

Wertpapierkredit und Lombard

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Ein Wertpapierkredit gegen das eigene Depot ist schnell eingerichtet und günstig verzinst. Die Zahl, die darüber entscheidet, ob er tragfähig ist, steht allerdings nicht im Zinssatz — sondern im Puffer.

Wie die Beleihung funktioniert

Die Bank bewertet nicht das Depot, sondern seine Eignung als Sicherheit. Dafür setzt sie je Wertpapierart eine Beleihungsquote an: Anleihen guter Bonität werden höher beliehen als breit gestreute Aktienfonds, diese höher als Einzelaktien, und für manche Positionen gibt es gar keine Linie. Der Beleihungswert ist die Summe dieser gewichteten Positionen.

Wichtig ist, dass diese Quoten keine feste Zusage sind. Die Bank kann sie anpassen — und tut das erfahrungsgemäß in unruhigen Marktphasen, also genau dann, wenn die Kurse ohnehin fallen. Beide Effekte wirken in dieselbe Richtung und treffen gleichzeitig ein.

Übersicht zum Wertpapierkredit: Der Beleihungswert liegt unter dem Depotwert, der Puffer bis zur Nachschussschwelle ist die eigentliche Kennzahl, und der Hebel verstärkt Gewinne wie Verluste gleichermaßen.
Die Kennzahl ist nicht der Zins, sondern der Abstand bis zur Nachschussschwelle. CC BY 4.0

Der Puffer ist die Kennzahl

Ein Depot von 50.000 Euro, 50 Prozent Beleihungsquote. Der Beleihungswert beträgt damit 25.000 Euro. Wie weit die Kurse fallen dürfen, hängt allein davon ab, wie viel von dieser Linie in Anspruch genommen wird:

Kreditbetrag Ausnutzung der Linie Puffer bis Nachschuss Zinsen bei 5 %
5.000 € 20 % 80 % 250 €
10.000 € 40 % 60 % 500 €
15.000 € 60 % 40 % 750 €
25.000 € 100 % 0 % 1.250 €

Eigene Berechnung mit dem Kreditrechner, Modus „Wertpapierkredit".

Die letzte Zeile beschreibt einen Zustand, in dem jeder Kursrückgang sofort eine Nachschussaufforderung auslöst. Aber auch 40 Prozent Puffer sind weniger komfortabel, als sie klingen: Rückgänge dieser Größenordnung sind an Aktienmärkten historisch mehrfach vorgekommen. Wer den Puffer als „unwahrscheinlich" einstuft, sollte prüfen, ob er dieselbe Wahrscheinlichkeit auch für die eigene Anlageplanung ansetzt.

Was im Nachschussfall tatsächlich passiert

Der Ablauf ist in den Bedingungen geregelt und läuft schneller ab, als es die Tabelle vermuten lässt. Die Bank fordert auf, den Fehlbetrag auszugleichen — durch Geld, durch weitere Wertpapiere oder durch Rückführung des Kredits. Die Frist ist kurz; bleibt sie ungenutzt, darf die Bank die Sicherheiten verwerten, also Positionen verkaufen. Welche, entscheidet dann nicht der Depotinhaber.

Zwei Verstärker machen daraus eine unangenehme Kettenreaktion. Der erste: Die Beleihungsquote ist keine Zusage. Wird sie in derselben Marktphase gesenkt, entsteht der Fehlbetrag früher als gerechnet. Der Fall: 50.000 Euro Depot, 15.000 Euro Kredit, Quote zunächst 50 Prozent.

Kursrückgang Depotwert Beleihungswert bei 50 % Bei gesenkter Quote von 40 %
0 % 50.000 € 25.000 € 20.000 €
−20 % 40.000 € 20.000 € 16.000 €
−40 % 30.000 € 15.000 € — Grenze erreicht 12.000 € — 3.000 € fehlen
−50 % 25.000 € 12.500 € — 2.500 € fehlen 10.000 € — 5.000 € fehlen

Eigene Berechnung. Beleihungswert = Depotwert mal Quote; „fehlen“ ist die Differenz zum Kreditbetrag von 15.000 €.

Der zweite Verstärker ist steuerlich. Ein erzwungener Verkauf realisiert Kursgewinne, soweit welche vorhanden sind — und darauf fällt Abgeltungsteuer an, ausgerechnet in dem Moment, in dem Liquidität knapp ist. Die Zinsen des Wertpapierkredits mindern diese Steuer nicht: Bei Einkünften aus Kapitalvermögen ist der Abzug tatsächlicher Werbungskosten ausgeschlossen (§ 20 Abs. 9 EStG). Man zahlt die Zinsen also aus versteuertem Einkommen und die Steuer auf den Zwangsverkauf obendrauf — die Rechnung dazu steht unter Kreditzinsen und Steuer.

Praktisch folgt daraus eine Regel, die sich unabhängig von der Markterwartung aufstellen lässt: Die Ausnutzung so wählen, dass ein Rückgang von 50 Prozent bei gleichzeitig um zehn Punkte gesenkter Quote noch keinen Nachschuss auslöst. In der Tabelle oben wären das rund 10.000 Euro Kredit statt 15.000 — ein Drittel weniger Hebel für die Sicherheit, im schlechtesten Moment nicht verkaufen zu müssen.

Was der Hebel wirklich tut

Ein Wertpapierkredit vergrößert das investierte Kapital, ohne das Eigenkapital zu erhöhen. Damit steigen Gewinn und Verlust im selben Verhältnis, während die Zinsen unabhängig davon anfallen. Rechnerisch trägt sich der Hebel, solange die Rendite über dem Sollzins liegt — bei 15.000 Euro Kredit, 5 Prozent Zins und 7 Prozent angenommener Rendite bleiben 300 Euro im Jahr.

Die Rechnung hat nur einen Haken: Der Sollzins ist eine Tatsache, die Rendite eine Annahme. Fällt das Depot in einem Jahr um 20 Prozent, wirkt der Verlust auf den gehebelten Betrag, und die Zinsen kommen hinzu. Dieselbe Asymmetrie beschreibt der Artikel Tilgen oder anlegen aus der anderen Richtung — dort geht es um die Frage, ob sich ein bestehender Kredit gegen eine Anlage rechnet.

Wofür er sich eignet — und wofür nicht

Nachrechnen

Beleihungswert, freie Linie, Puffer und Zinskosten aus den eigenen Zahlen: zum Kreditrechner. Was ein Verkauf statt einer Beleihung an Steuer auslöst, zeigt der Steuerrechner.

Risikohinweis

Ein Wertpapierkredit erhöht das Verlustrisiko erheblich. Fällt der Beleihungswert unter den Kreditbetrag, kann die Bank Wertpapiere verwerten — auch zu ungünstigen Kursen. Verluste können das eingesetzte Eigenkapital übersteigen. Keine Anlageberatung.

Rechtsquellen

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 11.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Die Liste nennt die Normen hinter diesem Text, nicht den Einzelfall. Die Einordnung hängt an der konkreten Ausgestaltung und gehört im Zweifel fachlich geprüft.

Häufige Fragen

Was ist ein Wertpapierkredit?

Ein Kredit, der durch das eigene Depot besichert ist. Die Bank setzt einen Beleihungswert an — einen Anteil des Depotwerts, der je nach Wertpapierart unterschiedlich hoch ausfällt — und stellt bis zu dieser Grenze eine Kreditlinie bereit.

Weil eine Sicherheit vorliegt, ist der Zinssatz niedriger als bei einem unbesicherten Ratenkredit. Der Preis dafür ist das Nachschussrisiko.

Wann muss ich Geld nachschießen?

Sobald der Beleihungswert unter den in Anspruch genommenen Kreditbetrag fällt. Das kann durch Kursverluste geschehen oder dadurch, dass die Bank die Beleihungsquote für eine Wertpapierart senkt.

Ein Beispiel: 50.000 Euro Depot, 50 Prozent Beleihungsquote, 15.000 Euro Kredit. Der Beleihungswert beträgt 25.000 Euro, der Puffer bis zum Nachschuss also 40 Prozent Kursrückgang.

Was passiert, wenn ich nicht nachschießen kann?

Dann darf die Bank Wertpapiere verkaufen, um die Linie wieder einzuhalten. Der Zeitpunkt dafür ist regelmäßig der ungünstigste: nach einem Kursrückgang, also genau dann, wenn ein Verkauf am meisten kostet.

Aus einem Buchverlust wird dadurch ein realisierter — und die Erholung, die später kommen mag, findet ohne die verkauften Anteile statt.

Kann ich die Kreditzinsen steuerlich absetzen?

Bei einem Wertpapierkredit nicht. Mit dem Sparerpauschbetrag ist der Abzug tatsächlicher Werbungskosten bei den Einkünften aus Kapitalvermögen ausgeschlossen (§ 20 Abs. 9 EStG) — und Schuldzinsen für einen Kredit, mit dem Wertpapiere finanziert werden, sind genau das.

Das verschiebt die Rechnung deutlich. Die Zinsen fallen brutto an, die Erträge werden besteuert: Von 7 Prozent Rendite bleiben nach Abgeltungsteuer rund 5,2 Prozent. Gegen 5 Prozent Sollzins bleibt damit ein Vorsprung von zwei Zehntelprozentpunkten statt der zwei Prozentpunkte, mit denen die Rechnung meist aufgemacht wird. Bei einem vermieteten Objekt wäre derselbe Kredit voll abzugsfähig — im Depot ist er es nicht.