Kredite
Dispo und Rahmenkredit
Von Philipp Busch Aktualisiert am
Der Dispositionskredit ist der einzige Kredit, den man aufnimmt, ohne ihn zu beantragen. Genau das ist sein Vorteil — und der Grund, warum er so oft aus einer Spitze ein Dauerzustand wird. Dispozinsen laufen dann taggenau weiter, während ein Rahmenkredit dieselbe Summe deutlich günstiger trägt.
Warum er so teuer ist
Ein Dispositionskredit hat für die Bank drei Eigenschaften, die er sich bezahlen lässt: Er ist jederzeit abrufbar, in der Höhe unbestimmt und nicht besichert. Es gibt keinen Tilgungsplan, keine feste Laufzeit und keine Prüfung im Einzelfall — der Rahmen steht, und ob er genutzt wird, entscheidet der Kontoinhaber.
Diese Flexibilität ist der Preistreiber. Ein Ratenkredit ist für die Bank planbar: Sie kennt Laufzeit, Rate und Restschuld zu jedem Zeitpunkt. Beim Dispo kennt sie nichts davon, und dieses Risiko steckt im Zinssatz.
Was der Unterschied in Euro ausmacht
2.000 Euro, ein Jahr lang. Einmal dauerhaft im Dispo, einmal als Ratenkredit über zwölf Monate:
| Form | Zinssatz | Kosten im Jahr | Schuld am Jahresende |
|---|---|---|---|
| Dispo, ganzjährig genutzt | 11,5 % | 230 € | unverändert 2.000 € |
| Ratenkredit, 12 Monate | 6,5 % | 71 € | null |
Eigene Berechnung mit dem Kreditrechner, Modus „Dispo". Zinssätze als Annahme, taggenaue Berechnung über 365 Tage.
Der Unterschied von 159 Euro ist nur die halbe Aussage. Die zweite steht in der letzten Spalte: Nach einem Jahr Ratenkredit ist die Schuld weg, nach einem Jahr Dispo ist sie unverändert. Der Ratenkredit kostet weniger und erledigt zugleich das Problem — der Dispo kostet mehr und verlängert es.
Der Grund für den Kostenunterschied liegt nicht nur im Zinssatz. Beim Ratenkredit sinkt die Restschuld mit jeder Rate, die Zinsen fallen also auf einen schrumpfenden Betrag an. Beim Dispo bleibt der volle Saldo stehen. Zwei gleiche Zinssätze ergäben deshalb nicht dieselben Kosten.
Der Rahmenkredit dazwischen
Ein Rahmenkredit — je nach Bank auch Abrufkredit genannt — ist ein eigener Kreditrahmen auf einem separaten Konto. Er wird flexibel abgerufen und meist mit einer kleinen Mindestrate zurückgeführt. Der Zinssatz liegt in der Regel unter dem des Dispos und über dem eines Ratenkredits.
Seine Schwäche teilt er mit dem Dispo: Ohne festen Tilgungsplan endet er nicht von selbst. Eine Mindestrate von wenigen Prozent des Saldos deckt im ungünstigen Fall kaum mehr als die Zinsen — dann läuft der Kredit unbefristet weiter, ohne dass die Schuld nennenswert sinkt.
Das Beratungsangebot nach sechs Monaten
Für den Dauerfall gibt es eine gesetzliche Reißleine, die kaum jemand kennt — auch weil sie nichts kostet und deshalb selten beworben wird.
Nimmt ein Kunde eine eingeräumte Überziehungsmöglichkeit ununterbrochen über sechs Monate und dabei durchschnittlich mit mehr als 75 % des vereinbarten Höchstbetrags in Anspruch, muss die Bank ihm eine Beratung anbieten (§ 504a Abs. 1 BGB). Das Angebot ist in Textform zu machen, auf dem Weg, über den der Kontakt sonst läuft.
Wer also ein Limit von 3.000 Euro hat und ein halbes Jahr im Schnitt mit mehr als 2.250 Euro im Minus steht, hat einen Anspruch — und eine Gelegenheit, kostenlos über Alternativen zu sprechen, bevor der nächste Vertrag dazukommt. Kommt kein Angebot, lohnt die Nachfrage unter Nennung der Vorschrift.
Zwei weitere Punkte aus demselben Abschnitt des Gesetzes sind praktisch nützlich. Für die Überziehungsmöglichkeit ist ein Anspruch auf Vorfälligkeitsentschädigung ausgeschlossen (§ 504 Abs. 1 BGB) — der Dispo lässt sich also jederzeit und ohne Zusatzkosten ablösen, was die Umschuldung zum Ratenkredit unkompliziert macht. Und die geduldete Überziehung über das Limit hinaus ist ein eigener Fall mit eigenen Informationspflichten (§ 505 BGB); ihr Entgelt liegt regelmäßig über dem ohnehin hohen Dispozins.
Rechtsquellen
- § 504 BGB Eingeräumte Überziehungsmöglichkeit — Unterrichtungspflichten, keine Vorfälligkeitsentschädigung Bundesministerium der Justiz
- § 504a BGB Beratungsangebot bei ununterbrochener Inanspruchnahme über sechs Monate und mehr als 75 % des Höchstbetrags Bundesministerium der Justiz
- § 505 BGB Geduldete Überziehung — eigene Informationspflichten Bundesministerium der Justiz
Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 22.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Die Vorschriften betreffen Verbraucherdarlehen über laufende Konten.
Wie man wieder herauskommt
- Ablösung durch einen Ratenkredit. Der übliche und meist günstigste Weg. Wichtig ist, dass der Dispo danach nicht erneut genutzt wird — sonst existieren beide Schulden nebeneinander. Die Rechnung dazu steht unter Umschuldung rechnen.
- Rahmen absenken. Ein Dispolimit, das deutlich über dem eigenen Bedarf liegt, wird erfahrungsgemäß ausgeschöpft. Die Bank senkt es auf Wunsch.
- Puffer statt Rahmen. Ein Tagesgeldkonto mit zwei Monatsausgaben erfüllt denselben Zweck wie ein Dispo, kostet aber nichts, sondern bringt einen kleinen Zins — siehe Tagesgeld oder Festgeld.
- Nicht anlegen, solange der Dispo läuft. Ein zweistelliger Sollzins setzt eine Schwelle, die keine seriöse Anlage erreicht. Der Vergleich steht unter Tilgen oder anlegen.
Wer den Dispo über Monate nicht zurückführen kann, sollte das als Signal lesen und nicht als Gewohnheit. Eine anerkannte Schuldnerberatung ist für Verbraucher kostenfrei und der richtige Ansprechpartner, bevor weitere Verträge dazukommen.
Was die eigene Überziehung im Jahr kostet und wie ein Ratenkredit dagegen abschneidet: zum Kreditrechner, Modus „Dispo". Der Überblick steht unter Kredite.
Die genannten Zinssätze sind Annahmen für die Modellrechnung, keine Angebote. Die tatsächlichen Sätze unterscheiden sich je nach Institut erheblich und stehen im Preis- und Leistungsverzeichnis der Bank.
Häufige Fragen
Wie werden Dispozinsen berechnet?
Taggenau auf den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag. Wer 2.000 Euro über 30 Tage überzieht, zahlt bei 11,5 Prozent rund 19 Euro; über ein ganzes Jahr wären es 230 Euro.
Anders als beim Ratenkredit gibt es keine Rate und keine Laufzeit. Der Saldo sinkt nur, wenn Geld eingeht — und steigt mit jeder Abbuchung wieder.
Ist ein Ratenkredit günstiger als der Dispo?
In aller Regel deutlich. Der Zinssatz liegt niedriger, und die Zinsen fallen nur auf die sinkende Restschuld an statt dauerhaft auf den vollen Betrag.
Ein Beispiel: 2.000 Euro dauerhaft im Dispo zu 11,5 Prozent kosten rund 230 Euro im Jahr. Derselbe Betrag als Ratenkredit über zwölf Monate zu 6,5 Prozent kostet rund 71 Euro — bei gleichzeitiger Rückführung der Schuld.
Was ist der Unterschied zwischen Dispo und Rahmenkredit?
Der Dispositionskredit ist an das Girokonto gekoppelt und wird durch Überziehung genutzt. Ein Rahmenkredit ist ein eigener Kreditrahmen auf einem separaten Konto, der flexibel abgerufen und zurückgeführt wird.
Rahmenkredite sind meist günstiger als Dispositionskredite, aber teurer als Ratenkredite. Beide haben dieselbe Schwäche: Ohne feste Tilgung sinkt der Saldo nur, wenn man ihn aktiv senkt.
Wann ist der Dispo sinnvoll?
Für kurze Spitzen von wenigen Tagen bis Wochen, wenn eine Ausgabe vor dem Geldeingang liegt. Dafür ist er gemacht: sofort verfügbar, ohne Antrag, ohne Vertrag.
Problematisch wird er als Dauerzustand. Wer über Monate durchgehend im Minus steht, hat faktisch einen Kredit ohne Tilgungsplan — zum höchsten Zinssatz, den ein Haushalt gewöhnlich zahlt.
Weiterlesen
Umschuldung: wann sie sich rechnet
Der niedrigere Zinssatz ist nicht die Antwort. Verglichen werden zwei Gesamtzahlungen, einschließlich Ablösekosten.
Praxis
Was ein Ratenkredit über die Laufzeit kostet
Nicht die Rate entscheidet, sondern die Summe aller Raten. Was zwischen Auszahlung und letzter Zahlung wirklich liegt.
Grundlagen
Tilgen oder anlegen
Die ersparten Kreditzinsen sind sicher, die Rendite ist eine Annahme. Welche Rendite nötig wäre, damit sich Anlegen lohnt.
Finanzierung