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ETFs & Fonds

Fondswährung und Handelswährung

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Fondswährung und Handelswährung tragen kein Währungsrisiko: Die eine ist die Rechenwährung des Fonds, die andere die Notierung eines Listings an einer Börse. Das Risiko steckt in den Währungen, in denen die enthaltenen Unternehmen wirtschaften. Ein Wechsel des Listings ändert deshalb nur die Handelskosten — im Beispiel rund 433 € über 25 Jahre — und nichts am Risiko.

Drei Begriffe, die verwechselt werden

Begriff Was er bezeichnet Wirkt aufs Risiko?
Fondswährung Rechenwährung des Fondsvermögens Nein
Handelswährung Notierung eines bestimmten Listings Nein
Währung der Basiswerte Währungen der enthaltenen Unternehmen Ja — hier steckt es
Absicherung Termingeschäft über die Fondswährung Ja — sie verändert es

Nur die letzten beiden Zeilen betreffen das Risiko. Die ersten beiden sind Darstellungsfragen: In welcher Einheit wird gerechnet, in welcher wird notiert. Ein Fonds kann in Dollar rechnen, an einer deutschen Börse in Euro notieren und ausschließlich europäische Aktien halten — dann ist trotz Dollar-Fondswährung kaum Dollarrisiko im Depot.

Der umgekehrte Fall existiert genauso: Ein Fonds mit Euro als Fondswährung, der weltweit anlegt, trägt das volle Währungsrisiko seiner Positionen. Die Fondswährung sagt darüber so wenig aus wie die Sprache eines Geschäftsberichts über den Umsatz des Unternehmens.

Übersicht der drei Währungsbegriffe bei einem ETF: Die Handelswährung an der Börse und die Fondswährung der Rechnungslegung ändern nichts am Risiko; entscheidend sind allein die Währungen, in denen die enthaltenen Unternehmen wirtschaften.
Ein in Euro gelisteter Welt-ETF ist kein Euro-Investment — das Risiko steckt in den Titeln. CC BY 4.0

Warum das Listing nichts ändert

Wer denselben ETF über ein Euro-Listing kauft, erwirbt Anteile an demselben Sondervermögen mit denselben Wertpapieren. Der Wechselkurs wird lediglich an einer anderen Stelle in die Rechnung eingesetzt: einmal beim Kurs, einmal in der Abrechnung des Brokers.

Das Ergebnis ist bis auf Handelskosten identisch. Steigt der Dollar, gilt das für beide Listings gleichermaßen — nur dass es beim Euro-Listing bereits im Kurs steht und beim Dollar-Listing in der Umrechnung erscheint.

Der verbreitete Gedanke „Ich kaufe in Euro, dann habe ich kein Dollarrisiko" ist deshalb genau falsch herum: Er verwechselt die Verpackung mit dem Inhalt. Wer das Risiko wirklich vermeiden wollte, müsste andere Wertpapiere halten oder absichern — nicht dieselben in anderer Notierung kaufen.

Ein einfacher Gegentest hilft gegen die Verwechslung: Wenn zwei Listings desselben Fonds unterschiedliche Risiken trügen, müssten ihre Kurse dauerhaft auseinanderlaufen. Das tun sie nicht — jede Abweichung über die Handelskosten hinaus wäre ein Arbitragegeschäft und wäre binnen Minuten geschlossen.

Was die Wahl des Listings tatsächlich kostet

Wenn die Währung des Listings keine Risikofrage ist, bleibt sie eine Kostenfrage — und die lässt sich beziffern. Die folgende Rechnung nimmt 300 Euro monatlich über 25 Jahre bei 6 Prozent angenommener Wertentwicklung und 0,2 Prozent Fondskosten an. Verändert wird ausschließlich der halbe Spread, also die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs, die beim Kauf anfällt.

Halber Spread Je Kauf Pro Jahr Über 25 Jahre
0,03 % 0,09 € 1,08 € 59 €
0,10 % 0,30 € 3,60 € 197 €
0,25 % 0,75 € 9,00 € 492 €

Zwischen dem engsten und dem weitesten Fall liegen rund 433 € Endwert bei 90.000 € Einzahlung. Das ist real, aber es ist eine andere Größenordnung als die, die in der Debatte um „Euro oder Dollar" mitschwingt. Wer die Wahl trifft, entscheidet über einen niedrigen dreistelligen Betrag über ein Vierteljahrhundert — nicht über sein Währungsrisiko.

Die Zahl taugt zugleich als Maßstab in die andere Richtung: Ein halber Spread von 0,25 Prozent entspricht bei 0,2 Prozent Fondskosten etwa 1,25 Jahren laufender Kosten auf die gekaufte Tranche. Wer beim Listing spart, dafür aber einen Fonds mit höherer Kostenquote wählt, hat den Tausch verloren — nachgerechnet unter TER und Tracking Difference.

Was tatsächlich einen Unterschied macht

Wie man das Währungsrisiko tatsächlich einschätzt

Nicht am Kurszettel, sondern an der Zusammensetzung. Ein Weltindex enthält überwiegend Unternehmen aus einem einzigen Währungsraum — das ist dieselbe Konzentration, die unter Klumpenrisiko USA beschrieben ist, nur aus der Währungsperspektive betrachtet.

Und selbst diese Betrachtung greift zu kurz: Maßgeblich ist nicht der Sitz eines Unternehmens, sondern wo es seine Umsätze erzielt. Ein europäischer Konzern mit überwiegendem Dollargeschäft trägt Dollarrisiko, ein amerikanischer mit weltweitem Geschäft weniger, als seine Notierung vermuten lässt. Diese Zuordnung leistet kein Factsheet — sie ist der Grund, warum die Währungsfrage bei breit gestreuten Aktienfonds unschärfer ist, als sie in Foren behandelt wird.

Was daraus folgt, ist unspektakulär: Bei einem weltweit streuenden Aktienportfolio ist das Währungsrisiko real, aber schwer zu isolieren und über lange Zeiträume nicht die dominierende Größe. Bei Anleihen ist es das sehr wohl — dort kann die Währungsschwankung den Kupon vollständig überlagern.

Für die Praxis heißt das: Die Frage „wie viel Fremdwährung steckt in meinem Depot?" ist berechtigt und wird von der Länderaufteilung näherungsweise beantwortet. Die Frage „in welcher Währung kaufe ich?" ist es nicht — sie beantwortet nichts.

Der Fehlerfall: die Umrechnung im Depot

Wo aus der harmlosen Darstellungsfrage doch Kosten werden, liegt es fast nie am Kurs, sondern an der Abrechnung. Drei Muster wiederholen sich.

Der eigene Umrechnungskurs des Brokers. Wird eine Fremdwährungsorder nicht zum Devisenmittelkurs, sondern zu einem hausinternen Kurs mit Aufschlag abgerechnet, entsteht eine zweite, unsichtbare Spanne neben dem Börsenspread. Sie steht selten im Preisverzeichnis unter „Ordergebühr", sondern unter „Devisen".

Das Fremdwährungskonto, das keiner wollte. Wer in Fremdwährung handelt, hält bei manchen Brokern anschließend einen Restbetrag in dieser Währung. Ausschüttungen landen dort ebenfalls. Ob und wann zurückgetauscht wird, entscheidet dann eine Einstellung, die niemand bewusst getroffen hat.

Der Verkauf zur falschen Zeit. Ein Listing, das gehandelt wird, während die Heimatbörse der enthaltenen Papiere geschlossen ist, hat weitere Spannen. Wer eine größere Order ausgerechnet dann aufgibt, zahlt einen Aufschlag, der nichts mit der Währung zu tun hat und leicht ein Vielfaches der oben gerechneten Beträge ausmacht.

Der teuerste Fehler ist allerdings ein anderer: aus der Währungsfrage einen Fondswechsel zu machen. Ein Wechsel ist steuerlich ein Verkauf und kostet nach dem Verfahren unter ETF wechseln regelmäßig ein Vielfaches dessen, was jede Spread-Differenz je einbringen könnte.

Sonderfälle

Abgesicherte Anteilsklassen. Ein Zusatz wie „EUR Hedged" bezeichnet keine Notierung, sondern eine eigene Anteilsklasse mit laufendem Termingeschäft. Sie verändert das Risiko tatsächlich — und kostet ungefähr die Zinsdifferenz zwischen den Währungsräumen.

Fondswährung ungleich Indexwährung. Ein Fonds kann in Euro rechnen, während der abgebildete Index in Dollar geführt wird. Die ausgewiesene Wertentwicklung unterscheidet sich dann von der des Index, ohne dass ein Abbildungsfehler vorliegt — ein häufiger Anlass für Fehlschlüsse beim Vergleich zweier Datenblätter.

Ausschüttungen in Fremdwährung. Bei ausschüttenden Fonds fällt die Umrechnung regelmäßig an, nicht nur beim Kauf. Bei thesaurierenden entfällt sie — ein Nebenaspekt der Entscheidung unter thesaurierend oder ausschüttend, der dort zu Recht keine Hauptrolle spielt.

Zweitlistings mit dünnem Volumen. Ein Euro-Listing, das kaum gehandelt wird, kann teurer sein als das liquide Dollar-Listing desselben Fonds. Die Währung des Kurszettels ersetzt den Blick auf das Handelsvolumen nicht.

Rohstoff- und Schwellenländerfonds. Dort ist die Währungsfrage doppelt verschachtelt: Ein Rohstoff wird international in Dollar gehandelt, unabhängig davon, worin der Fonds rechnet, und in Schwellenländern kommt zur Handelswährung die lokale Währung des Unternehmens hinzu. Auch hier gilt die Grundregel unverändert — das Listing ändert nichts —, nur ist der Blick auf die Basiswerte noch wichtiger als bei einem Industrieländerindex.

Was sich nicht ausrechnen lässt

Die Spread-Tabelle oben gilt für gesetzte Annahmen. Der tatsächliche Spread eines Listings ist keine feste Eigenschaft, sondern schwankt über den Handelstag, mit der Ordergröße und mit der Marktlage — er lässt sich im Moment der Order ablesen, aber nicht für 25 Jahre vorhersagen. Die Zahlen zeigen deshalb Größenordnungen, keine Prognose.

Ebenso wenig lässt sich sagen, wie sich Wechselkurse entwickeln. Diese Seite trifft dazu bewusst keine Aussage: Eine Erwartung über den Euro-Dollar-Kurs wäre eine Prognose ohne belastbare Grundlage, und die gesamte Argumentation hier kommt ohne sie aus. Sie lautet nicht „das Währungsrisiko ist klein", sondern „die Wahl des Listings verändert es nicht".

Weiterlesen

Was eine echte Absicherung kostet, rechnet Währungsgesichert oder nicht. Die Kosten des Kaufs im eigenen Fall zeigt der Brokerkosten-Rechner.

Hinweis

Allgemeine Information, keine Anlageberatung. Ob ein bestimmtes Listing günstiger ist, hängt vom Broker, vom Handelsplatz und von der Ordergröße ab — diese Seite nennt keine konkreten Fonds, Listings oder Handelsplätze. Die Modellrechnung beruht auf gesetzten Annahmen und ist keine Prognose.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Fondswährung und Handelswährung?

Die Fondswährung ist die Währung, in der der Fonds seinen Wert rechnet und berichtet. Die Handelswährung ist die, in der ein bestimmtes Listing an einer bestimmten Börse notiert. Ein Fonds kann in Dollar rechnen und in Euro gehandelt werden — es ist derselbe Fonds.

Beide sind bloße Rechengrößen. Das tatsächliche Währungsrisiko steckt in den Wertpapieren, die der Fonds hält, nicht in der Währung des Kurszettels.

Ändert sich mein Risiko, wenn ich in Euro statt in Dollar kaufe?

Nein. Wer denselben Fonds über ein Euro-Listing kauft, hält exakt dieselben Wertpapiere mit exakt demselben Währungsrisiko. Der Wechselkurs wird nur an einer anderen Stelle umgerechnet.

Was sich unterscheiden kann, sind die Handelskosten: Spread und mögliche Umrechnungsentgelte des Brokers. Das ist eine Kostenfrage, keine Risikofrage.

Wie viel macht die Wahl des Listings in Euro aus?

Gerechnet mit 300 € monatlich über 25 Jahre und 6 Prozent Wertentwicklung: Ein halber Spread von 0,03 Prozent kostet über die Laufzeit rund 59 €, einer von 0,25 Prozent rund 492 €. Der Unterschied im Endwert beträgt etwa 433 € bei 90.000 € Einzahlung.

Das ist eine reale, aber kleine Größe — und sie stammt aus dem Spread, nicht aus der Währung. Ein teures Euro-Listing ist schlechter als ein günstiges Dollar-Listing.

Wo steckt das Währungsrisiko dann wirklich?

In den Umsätzen und Vermögenswerten der enthaltenen Unternehmen. Ein Weltindex enthält überwiegend Unternehmen, die in Dollar wirtschaften — dieses Risiko trägt man unabhängig davon, in welcher Währung das Papier notiert.

Deshalb ändert ein Wechsel des Listings nichts, während eine echte Währungsabsicherung sehr wohl etwas ändert: Sie legt ein Termingeschäft über die Fondswährung.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Auf den Spread zur Handelszeit und auf etwaige Fremdwährungsentgelte des Brokers. Wer ein Euro-Listing wählt, vermeidet die Umrechnung im Depot — das ist bequemer und manchmal billiger, aber keine Risikoentscheidung.

Wichtiger als die Währung des Listings ist die Liquidität: Ein Listing mit geringem Handelsvolumen hat regelmäßig größere Spannen zwischen An- und Verkaufskurs.

Gilt das auch für Anleihen-ETFs?

Die Begriffe gelten gleich, das Gewicht der Frage nicht. Bei Anleihen ist die Währung der Papiere selbst die dominierende Risikoquelle — eine Wechselkursbewegung kann den Kupon vollständig überlagern.

Auch dort ändert das Listing nichts. Der Unterschied liegt darin, dass die Frage nach einer echten Absicherung bei Anleihen ungleich wichtiger ist als bei breit gestreuten Aktienfonds.

Ist eine Euro-Anteilsklasse dasselbe wie ein Euro-Listing?

Nein, und diese beiden werden am häufigsten verwechselt. Ein Euro-Listing ist derselbe Anteil an einer anderen Börse. Eine eigene Anteilsklasse ist ein separater Topf innerhalb des Fonds mit eigener Kennnummer.

Entscheidend ist, ob die Anteilsklasse abgesichert ist. Eine nicht abgesicherte Klasse in Euro trägt dasselbe Währungsrisiko wie die in Dollar; nur eine abgesicherte verändert es — mit den entsprechenden Kosten.