Rechner
Steuerrücklage
„Leg 30 Prozent zur Seite" ist ein Rat, der für niemanden genau stimmt. Der Anteil hängt am Tarif, und der steigt. Diese Seite rechnet ihn aus — und nennt die Zahl, die im zweiten Jahr dazukommt.
Warum die Faustquote in beide Richtungen falsch liegt
Der Einkommensteuertarif nach 2026 kennt fünf Zonen: einen steuerfreien Grundfreibetrag, zwei Progressionszonen mit quadratischen Formeln und zwei lineare Zonen. In den Progressionszonen steigt der Grenzsteuersatz kontinuierlich — der Durchschnittssatz hinkt ihm hinterher. Deshalb liegt die Rücklagenquote bei einem Gewinn von 30.000 Euro deutlich unter der bei 90.000 Euro, obwohl beide Selbstständige dieselbe Faustzahl hören.
Bei Gewerbetreibenden kommt ein zweiter Effekt hinzu, der meist überschätzt wird: Die Gewerbesteuer erhöht die Gesamtlast weit weniger als ihr Betrag vermuten lässt, weil das Vierfache des Messbetrags auf die Einkommensteuer angerechnet wird. Der Rechner weist beides getrennt aus. Die Einordnung dazu steht unter Steuerrücklage bilden.
Wie dieser Rechner rechnet
| Baustein | Wie gerechnet wird |
|---|---|
| Grundlage | Der Einkommensteuertarif als geprüfter Kern, einschließlich beider Progressionszonen — keine Faustquote |
| Rücklagenquote | Gesamte Steuerlast geteilt durch den Gewinn im Jahr. Sie steigt mit dem Gewinn, weil der Tarif progressiv ist |
| Monatsbetrag | Die Jahressteuer durch zwölf — der Betrag, der monatlich beiseitezulegen ist |
| Zweites Jahr | Die doppelte Jahressteuer, weil im zweiten Jahr Nachzahlung und Vorauszahlung zusammentreffen können |
| Rundung | Gerechnet wird ungerundet, gerundet erst bei der Anzeige |
Die letzte Zeile ist der Punkt, an dem Selbstständige regelmäßig in Schwierigkeiten geraten: Nicht die erste Steuererklärung ist teuer, sondern das Jahr, in dem die Nachzahlung für das Vorjahr und die Vorauszahlungen für das laufende Jahr gleichzeitig fällig werden.
Allgemeine Berechnung ohne Würdigung des Einzelfalls. Kirchensteuer, Freibeträge für Kinder, weitere Einkünfte, Verlustvorträge und außergewöhnliche Belastungen bleiben außen vor; Kranken- und Altersvorsorge gehen als eingetragener Betrag ein. Keine Steuerberatung im Sinne des Steuerberatungsgesetzes.
Rechtsquellen
- § 32a Abs. 1 EStG Einkommensteuertarif — fünf Zonen, zwei davon mit quadratischer Formel Bundesministerium der Justiz
- § 37 EStG Einkommensteuer-Vorauszahlung — fällig am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember Bundesministerium der Justiz
- § 11 GewStG Freibetrag von 24.500 Euro und Steuermesszahl von 3,5 Prozent Bundesministerium der Justiz
- § 35 EStG Anrechnung des Vierfachen des Gewerbesteuer-Messbetrags, begrenzt auf die gezahlte Gewerbesteuer Bundesministerium der Justiz
- § 3 Abs. 3 SolZG 1995 Freigrenzen der Bemessungsgrundlage: 20.350 Euro, bei Zusammenveranlagung 40.700 Euro Bundesministerium der Justiz
- § 4 SolZG 1995 Zuschlagssatz von 5,5 Prozent, in der Milderungszone höchstens 11,9 Prozent des Unterschiedsbetrags Bundesministerium der Justiz
Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 16.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Kirchensteuer ist nicht abgebildet: Sie hängt vom Bundesland ab und beträgt acht oder neun Prozent der Einkommensteuer.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent des Gewinns sollte ich zurücklegen?
Eine feste Quote gibt es nicht — genau das ist der Punkt. Der Einkommensteuertarif steigt mit dem Gewinn an, deshalb liegt die Quote bei einem kleinen Gewinn im niedrigen zweistelligen Bereich und nähert sich bei hohen Gewinnen dem Spitzensteuersatz.
Die verbreitete Faustzahl von 30 bis 50 Prozent ist für einen Teil der Selbstständigen zu hoch und für einen anderen zu niedrig. Der Rechner gibt die Quote aus, die sich aus dem eingetragenen Gewinn ergibt.
Warum wird im zweiten Jahr das Doppelte fällig?
Weil zwei Zahlungen zusammentreffen. Der erste Steuerbescheid kommt mit Verzögerung; mit ihm wird die Nachzahlung für das erste Jahr fällig — und gleichzeitig setzt das Finanzamt Vorauszahlungen für das laufende Jahr fest (§ 37 EStG).
Bei gleichbleibendem Gewinn ist im zweiten Jahr deshalb die doppelte Jahressteuer zu zahlen. Wer nur die einfache zurückgelegt hat, steht vor einer Lücke, obwohl er korrekt gerechnet hat.
Gehört die Umsatzsteuer in die Rücklage?
Nein, sie gehört auf ein eigenes Konto. Die vereinnahmte Umsatzsteuer war nie Geld des Betriebs — sie wird nur weitergereicht.
Sie in dieselbe Rücklage zu legen, verwischt die Grenze zwischen eigenem und fremdem Geld. Der Rechner behandelt deshalb ausschließlich Ertragsteuern.
Zahle ich als Freiberufler Gewerbesteuer?
Nein. Freie Berufe nach § 18 EStG unterliegen ihr nicht, unabhängig von der Höhe des Gewinns. Dafür bleibt der Hebesatz auf null.
Gewerbetreibende zahlen sie erst oberhalb eines Freibetrags von 24.500 Euro Gewerbeertrag — und ein großer Teil davon wird nach § 35 EStG wieder auf die Einkommensteuer angerechnet.
Ist das eine Steuerberatung?
Nein. Der Rechner führt eine allgemeine Berechnung ohne Würdigung des Einzelfalls aus und ersetzt keine Beratung durch die steuerberatenden Berufe.