CashflowCtrl

Rechner

Aktien nachkaufen: Durchschnittskurs berechnen

Was ein Nachkauf am Einstandskurs ändert, ab welchem Kurs die Position wieder bei null steht — und warum das Finanzamt beim Verkauf mit einer ganz anderen Zahl rechnet.

Der ältere Kauf
Ohne Gebühr
Der Nachkauf
Ohne Gebühr
Für Depotwert und nötigen Anstieg

Durchschnittskurs je Aktie

75,00 €

Stück gesamt200
Einsatz mit Gebühren15.020,00 €
Einstand je Stück mit Gebühren75,10 €
Depotwert aktuell12.000,00 €
Buchgewinn-3.020,00 €
Break-even-Kurs75,15 €
Nötiger Kursanstieg25,3 %
Teilverkauf und Steuern
Einmalig
Einmalig
0 = kein Verkauf. Zum aktuellen Kurs
Einmalig
Nach § 20 InvStG, nur für Fondsanteile
Auf die Abgeltungsteuer erhoben
0, wenn schon durch andere Erträge ausgeschöpft
§ 20 Abs. 9 Satz 2 EStG

Beispielrechnung: ein Nachkauf zum halben Kurs

Die Vorgabewerte beschreiben den Fall, um den es bei dieser Frage fast immer geht. Gekauft wurden 100 Stück zu 100,00 €; danach ist der Kurs auf 50,00 € gefallen, und es kamen weitere 100 Stück hinzu. Aktuell notiert die Aktie bei 60,00 €.

Kauf Stück Kurs Gebühr Anteil Einsatz
1. Kauf 100 100,00 € 10,00 € 50,0 % 10.010,00 €
2. Kauf 100 50,00 € 10,00 € 50,0 % 5.010,00 €

Damit liegt der Durchschnittskurs bei 75,00 €. Ohne den Nachkauf stünde der Einstand unverändert bei 100,00 €, und der Kurs müsste von 60,00 € aus um 67,0 % steigen statt um 25,3 %. Das ist die Wirkung, um derentwillen nachgekauft wird — und sie ist eine Wirkung auf die Schwelle, nicht auf den Verlust.

Wie der Mischkurs entsteht

Der Durchschnittskurs ist eingesetztes Kapital geteilt durch Stückzahl — nicht der Mittelwert der Kurse. Der Unterschied ist der Grund, warum viele Nachkäufe weniger bewirken als erwartet: Entscheidend ist nicht, wie tief man nachkauft, sondern mit wie vielen Stücken.

Im Beispiel sind die Stückzahlen gleich, deshalb fällt der Durchschnitt genau in die Mitte. Wären es beim zweiten Kauf nur zwanzig Stück gewesen, läge er bei rund 91,67 € statt bei 75,00 € — ein Nachkauf zum halben Kurs, der den Einstand um weniger als ein Zehntel senkt. Wer den Effekt sehen will, ändert die Stückzahl im Rechner und lässt den Kurs stehen.

Break-even und nötiger Anstieg

Der Break-even liegt über dem Durchschnittskurs, weil er die Ordergebühren mitträgt: die der Käufe und die des künftigen Verkaufs. In der Beispielrechnung sind das 75,15 € gegenüber 75,00 € Kurswert.

Der nötige Anstieg von 60,00 € auf diesen Kurs beträgt 25,3 %. Diese Zahl ist unangenehmer, als sie aussieht, und zwar wegen einer Asymmetrie, die sich nicht wegrechnen lässt: Ein Kursverlust von 50 % verlangt einen Anstieg von 100 %, um wieder bei null zu stehen. Ein Verlust von 80 % verlangt 400 %. Der Nachkauf verschiebt diese Schwelle, hebt sie aber nicht auf.

Was das Finanzamt anders sieht

Hier endet, was übliche Nachkaufrechner leisten — und beginnt der Punkt, der beim Verkauf tatsächlich Geld kostet. Der Durchschnittskurs ist eine Zahl für die eigene Übersicht. Für die Besteuerung eines Teilverkaufs ist er ohne Bedeutung.

Nach § 20 Abs. 4 Satz 7 EStG gelten die zuerst angeschafften Anteile als zuerst veräußert — First-in-first-out. Wer im Beispiel 100 Stück verkauft, veräußert steuerlich die alten Stücke zu 100,00 €, nicht einen Mischbestand zu 75,00 €.

Verfahren Einstand der verkauften Stücke Gewinn
FIFO — so rechnet das Finanzamt 10.010,00 € -4.020,00 €
Durchschnittskurs — so rechnen übliche Rechner 7.510,00 € -1.520,00 €

Im Beispiel führt FIFO zu einem steuerlichen Ergebnis von -4.020,00 € statt -1.520,00 € — eine Abweichung von 2.500,00 €. Die Richtung hängt daran, ob die alten Stücke teurer oder billiger waren: Nach einem Nachkauf im Minus sind sie teurer, der steuerpflichtige Gewinn fällt also kleiner aus als der Mischkurs vermuten lässt. Wer dagegen erst günstig gekauft und später aufgestockt hat, versteuert beim Teilverkauf mehr, als der Durchschnitt nahelegt.

Verkauft man den gesamten Bestand, verschwindet der Unterschied — dann sind alle Tranchen betroffen und beide Verfahren kommen zum selben Ergebnis. FIFO verteilt also nur, es erfindet nichts. Wer das gezielt steuern will, führt getrennte Depots: Ein Verkauf greift nur auf den Bestand des jeweiligen Depots zu. Was ein Depotwechsel mit den Einstandsdaten macht, steht in Depotübertrag ohne Steuerschaden.

Rechtsquellen

  • § 20 Abs. 4 Satz 7 EStG Bei Anteilen gleicher Gattung in einem Depot gelten die zuerst angeschafften als zuerst veräußert (FIFO) Bundesministerium der Justiz
  • § 20 Abs. 4 Satz 1 EStG Anschaffungsnebenkosten — die Ordergebühr gehört zu den Anschaffungskosten und mindert den Gewinn Bundesministerium der Justiz
  • § 32d Abs. 1 EStG Abgeltungsteuersatz und Formel bei Kirchensteuerpflicht Bundesministerium der Justiz

Alle Verweise führen auf die amtliche Fassung und wurden am 13.08.2026 aufgerufen. Sie öffnen in einem neuen Tab. Die Reihenfolge gilt je Depot. Werden dieselben Anteile in mehreren Depots gehalten, wird jedes für sich betrachtet.

Wann Nachkaufen begründet ist — und wann nicht

Der Rechner gibt kein Signal. Er zeigt, was ein Nachkauf mit dem Einstand macht, nicht ob er sinnvoll ist. Für diese Frage lohnt eine Unterscheidung, die im Kursverlauf nicht steht.

Ein Nachkauf ist eine Aussage über das Unternehmen, nicht über den Kurs. Wer nachkauft, weil er die ursprüngliche Einschätzung nach Prüfung weiterhin für richtig hält und die Position ohnehin ausbauen wollte, trifft eine begründete Entscheidung — der gefallene Kurs ist dann der Anlass, nicht der Grund. Wer nachkauft, damit der Einstandskurs im Depot besser aussieht, hat den Verlust nicht verkleinert, sondern die Position vergrößert.

Zwei Dinge sprechen dabei gegen den Reflex. Erstens die Konzentration: Nach dem Nachkauf steckt mehr Kapital in demselben Einzelwert, das Klumpenrisiko steigt genau dann, wenn die These gerade nicht aufgeht. Zweitens der Bezugspunkt: Der eigene Einstandskurs ist für die künftige Entwicklung einer Aktie ohne jede Bedeutung — die Aktie weiß nicht, was du bezahlt hast. Warum sich dieser Bezugspunkt trotzdem so hartnäckig hält, gehört zu den am besten dokumentierten Mustern der Verhaltensökonomie.

Der Sparplan macht dasselbe automatisch

Was hier als einzelne Entscheidung gerechnet wird, passiert bei einem Sparplan von selbst: Jede Rate kauft zum jeweils aktuellen Kurs, und für gleiche Beträge gibt es bei niedrigen Kursen mehr Stücke als bei hohen. Der Durchschnittskurs entsteht dabei ohne Entscheidung — und damit auch ohne die Versuchung, ihn schönrechnen zu wollen.

Was daraus über die Jahre wird, rechnet der ETF-Sparplanrechner. Ob eine vorhandene Summe besser auf einmal oder gestaffelt angelegt wird, beantwortet der Einstiegsrechner — und zwar getrennt für steigende und fallende Märkte, weil die Antwort davon abhängt.

Gebühren beim Stückeln

Jeder zusätzliche Kauf kostet eine Order. Wer eine Position in vier Schritten aufbaut, zahlt viermal — bei einer Festgebühr unabhängig von der Ordergröße trifft das kleine Tranchen am härtesten.

In der Beispielrechnung stehen 20,00 € Kaufgebühren gegen einen Kurswert von 15.000,00 €, also 0,13 %. Bei einer Position von 500 € wären dieselben Gebühren vier Prozent. Was Ausführungsgebühr und Handelsspanne bei laufenden Käufen ausmachen, rechnet der Sparplankosten-Rechner; die Auswahlkriterien stehen in Sparplankosten beim Broker.

Gegenüberstellung zweier Einstandswerte nach einem Nachkauf: Der gewichtete Durchschnittskurs aus allen Käufen steht neben dem steuerlichen Einstand nach dem FIFO-Verfahren, bei dem die zuerst gekauften Stücke als verkauft gelten.
Der Durchschnittskurs ist die Zahl fürs Depot. Für die Steuer beim Teilverkauf gilt eine andere. CC BY 4.0

Wie dieser Rechner rechnet

Baustein Wie gerechnet wird
Durchschnittskurs Summe aus Stück × Kurs, geteilt durch die Gesamtstückzahl. Ordergebühren bleiben außen vor — sie sind kein Kurs
Einstand je Stück Dieselbe Rechnung einschließlich aller Kaufgebühren
Break-even (Gesamteinsatz + Verkaufsgebühr) ÷ Stückzahl. Steuer bleibt außen vor: Bei genau null Gewinn fällt keine an
Nötiger Anstieg Break-even ÷ aktueller Kurs − 1
FIFO-Einstand Die Käufe werden in der eingegebenen Reihenfolge abgearbeitet, bis die verkaufte Stückzahl gedeckt ist. Die Kaufgebühr geht anteilig mit ein (§ 20 Abs. 4 Satz 1 EStG)
Steuer auf den Teilverkauf Erst Teilfreistellung, dann Sparerpauschbetrag, dann Abgeltungsteuer; mit Kirchensteuer nach der Formel e ÷ (4 + k). Ein Verlust ergibt null Steuer, keine Erstattung
Rundung Gerechnet wird ungerundet, gerundet erst bei der Anzeige auf zwei Nachkommastellen

Der Rechner nimmt zwei Käufe entgegen. Das deckt den Fall ab, um den es bei dieser Frage geht; wer mehr Tranchen hat, trägt sie zusammengefasst ein — für den Durchschnittskurs ändert das nichts, für die FIFO-Reihenfolge nur dann etwas, wenn zwischen den Tranchen verkauft wurde.

Stand der Steuerwerte

Sätze und Freibeträge nach dem Stand Juli 2026, für Privatanleger in Deutschland und Anteile im Privatvermögen.

Hinweis

Der Rechner bildet Kurse und Stückzahlen ab, keine Bewertung eines Unternehmens. Er gibt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Keine Anlage- oder Steuerberatung.

Häufige Fragen

Wie berechne ich den Durchschnittskurs beim Nachkaufen?

Der Durchschnittskurs ist das gesamte eingesetzte Kapital geteilt durch die gesamte Stückzahl — nicht der Mittelwert der Kurse. Entscheidend ist die Gewichtung: Ein Nachkauf über wenige Stücke verschiebt den Durchschnitt kaum, auch wenn der Kurs weit entfernt liegt.

Beispiel: 100 Stück zu 100 € und 100 Stück zu 50 € ergeben 15.000 € auf 200 Stück, also 75 € je Stück. Wären es beim zweiten Kauf nur 20 Stück, läge der Durchschnitt bei rund 91,67 €.

Gilt der Durchschnittskurs auch für die Steuer?

Nein — und das ist der wichtigste Punkt dieser Seite. Beim Verkauf aus einem Bestand, der in mehreren Tranchen entstanden ist, gelten nach § 20 Abs. 4 Satz 7 EStG die zuerst angeschafften Anteile als zuerst veräußert. Das nennt sich First-in-first-out, kurz FIFO.

Für einen Teilverkauf heißt das: Nicht der Durchschnittskurs zählt, sondern der Kaufkurs der ältesten Stücke. Der Rechner weist beide Zahlen nebeneinander aus, weil sie weit auseinanderliegen können.

Senkt ein Nachkauf meinen Verlust?

Nein. Der Nachkauf senkt den Durchschnittskurs, nicht den Verlust. Die alten Stücke sind unverändert im Minus — es kommen nur neue, günstigere hinzu.

Was sich ändert, ist die Schwelle: Der Kurs muss weniger weit steigen, damit die Gesamtposition wieder bei null steht. Erkauft ist das mit mehr eingesetztem Kapital in demselben Wert — also mit mehr Risiko, nicht mit weniger.

Was ist der Unterschied zwischen Durchschnittskurs und Break-even?

Als Durchschnittskurs gilt der reine Kurswert je Stück. Der Break-even liegt darüber, weil er die Ordergebühren mitträgt — die des Kaufs und die des künftigen Verkaufs.

Bei größeren Positionen ist der Abstand klein, bei kleinen erheblich: Zwei Orders zu je 10 € auf eine Position von 500 € sind vier Prozent, die der Kurs zusätzlich aufholen muss.

Kann ich den Rechner auch für ETFs und Fonds nutzen?

Ja. Die Durchschnitts- und Break-even-Rechnung ist dieselbe. Für die Steuer stellst du unter „Teilverkauf und Steuern" die Teilfreistellung ein — bei einem Aktien-ETF 30 % nach § 20 InvStG.

Nicht abgebildet ist die Vorabpauschale, die bei thesaurierenden Fonds während der Haltedauer anfällt und den steuerlichen Einstand erhöht. Sie senkt den späteren Gewinn zusätzlich; der ETF-Sparplanrechner rechnet sie mit.

Berücksichtigt der Rechner Dividenden oder Aktiensplits?

Nein. Dividenden ändern den Einstandskurs nicht — sie sind ein eigener Ertrag und werden im Jahr des Zuflusses versteuert. Wer sie mitrechnen will, nimmt den Aktienrechner.

Ein Aktiensplit verändert Stückzahl und Kurs im selben Verhältnis und lässt den Einstand damit unberührt. Trage in diesem Fall die Käufe so ein, wie sie nach dem Split aussehen — also mit vervielfachter Stückzahl und geteiltem Kurs.

Werden meine Eingaben gespeichert?

Nein. Die Berechnung läuft vollständig im Browser. Es werden keine Eingaben an einen Server übertragen, gespeichert oder ausgewertet.